1001 wüste Highlights


Die Nacht bei Mohammed in seinem traditionellen Guesthouse, der unvergessliche Abend in der Burg Jandaq inkl. der Besichtigung der alten Häuser und dem laaaangen Lagerfeuer mit den iranischen Touristengruppe aus Teheran. Auch das Treffen dort mit anderen Motorradreisenden Patrice, Julian und Simon – ja, es läuft super. Habash benimmt sich ebenso bestens. Wir haben einen Lauf. Klasse. Und das Beste kommt noch. Unsere Tour führt uns nämlich durch die Kavir e Dasht Wüste.

Auf der Strasse von Jandaq in den Wüstenort Mesr reisen wir zuerst viele, viele Kilometer mit Gegenwind durch eine unwirtliche, wenig abwechslungsreiche und von grau durchzogene Landschaft. Niemand kommt entgegen, niemand überholt uns. Beim schläfrigen Kilometer 30 bewegt sich etwas im linken Rückspiegel. Es flimmert und reflektiert. Ein Auto. Doch noch jemand unterwegs ausser uns. Auf gleicher Höhe gleiten die Fenster runter, drei junge Iraner winken. Wir  – Winke Händchen zurück. „Stop the bike“ schreit der Beifahrer mit einem Lächeln. Wir – nicht schon wieder Selfies. Als ob wir heute schon tausendmal auf der total verlassenen Strasse angehalten worden wären. Die langweilige Landschaft schlägt wohl aufs Gemüt. Sie – halten am Strassenrand und lächeln.
„Do you like some drinks? Ist hot today!“
„Hä? Selfie? Selfie?“ fragt Oli.
„No, no…drinks…“
„Yes, yes, selfie?“ stimmt Corinne ein.
„Come, come. Do you like a beer?“
„Na klar. Und das im Iran. Wollt ihr uns auf den Arm nehmen?“
„Et voile.“ Klingt es fast schon französisch.
Also, in einem Land wo es Alkohol verboten ist, wir seit Wochen nur Tee, Wasser und Fruchtsäfte trinken, werden wir mitten im Nirgendwo von flippigen Typen angehalten, die uns Bier und ebenso Red Bull schenken wollen. Träume ich gerade?

Sie lassen nicht locker, versprechen dass sie nicht von der Polizei sind und wir ohne schlechtes Gewissen ihr Angebot annehmen sollen. Sie lieben die Schweiz, sie arbeiten für die Schweizervertretung von Geberit im Iran! Dann noch die obligatorischen Selfies, Instagram Follower Austausch und schon sind sie wieder unterwegs. Und wir halten das immer noch kalte Bier und Red Bull in der Hand. Welcome to Iran!


Prost!
Die Landschaft verändert sich. Jetzt sind wir in der Sandwüste. Immer wieder Sandverwehungen auf der Strasse, dann nur noch Sand. Mit genügend Geschwindigkeit und dem 2WD lässt es sich ganz gut cruisen. In Mesr angekommen staunen wir über ein CH-Nummernschild und den tollen roten Landcruiser. Ein bisschen Heimweh nach dem Haghuri (unser Landcruiser in Afrika) kommt auf. Die Besitzer David uns Livia sind genauso cool wie ihr Fahrzeug. Sie geben uns den Tipp, den Chef im Guesthouse um einen guten Platz in der Wüste zu fragen. Gesagt, getan. Eine Stunde später driften wir über Sandpisten an einen unvergesslichen Ort mitten in den Dünen. Eine Nacht bei Leermond und unter dem Millionen-Sternenhimmel. Und eine Heineken Bier – Prost!

Nach einer richtig coolen (wortwörtlich) Nacht in den Dünen bei Mesr, wollen wir heute wollen wir die Partnerstadt meines Heimatorts Khur besuchen. Diese Oasenstadt schreibt sich genauso wie Chur in der Schweiz in Mundart. Dort angekommen, ist es die farbenfrohe, von Mosaik geprägte Moschee, die Eindruck macht. Der Rest ist ziemlich langweilig. Da hat die Stadt noch einige von ihrem OPendat in der Schweiz zu lernen. Keine zwei Stunden halten wir aus. Weiter geht’s in den Oasenort nach Garmeh. Und das ist faszinierend. Die Oase besteht aus einer jahrtausende alten Quelle, deren Wasser absolut sauber und warm aus dem Inneren des Berges empor kommt. Das Wasser wird über verschieden angelegte Steingräben auf eine weite Fläche verteilt. Viele kleine, durch Steinmauern abgegrenzte Gärten mit Dattelpalmen, Granatapfelsträuchern und  verschiedenen Kräutern wurden angelegt. Man erklärt uns, dass es hier über 80 verschiedene Arten von Datteln gibt. Das Dorf lebt seit jeher von der Quelle. Es ist ein Kraftort, an welchem wir drei Tage verbringen. Doch hier geschieht mal wieder ein kleines Missgeschick: Kurz die Tasche abgelegt…knacks… und der Bildschirm unseres zweiten Tolino E-Readers ist kaputt. Was für ein Kack-Gerät…mit Bücher lesen ist es für die nächsten Wochen wohl vorbei. Wo doch Corinne‘s Liebesromanze so spannend war…Inge Lindström oder so etwas in der Art…


Zauberwelt Yazd
Nach einer Nacht in der Karawanserei bei Karandaq und dem Besuch der dortigen riesigen historischen Lehmstadt, erreichen wir die wohl berühmteste iranische Wüstenstadt Yazd. Sie ist eine der ältesten Städte Persiens, liegt auf etwas über 1300müM. Sie soll Teil der Vorlage für den bekannten Hollywood Film „Der Prinz von Persien“ gewesen haben. Diesen Film kennen alle Iraner.

Uwe’s Tipp mit dem Friendly Hotel erweist sich als besonders wertvoll. Wir quartieren uns gleich für mehrere Tage in dieser traditionellen Bleibe ein. Hier treffen wir nach Wochen auch wieder Hannes und Katharina, die einen Tag nach uns mit ihren Fahrrädern eintreffen. Auch sie haben viele Empfehlungen dieser Stadt bekommen. Hier gehen wir wie einige andere Touristen auf Geschichts- und Fotoreise. Die grosse Altstadt ist komplett aus Lehm. Verwinkelt und bei Nacht manchmal unheimlich, tauchen wir in längst vergangene Zeiten ein. Hunderte von kleinen Läden, Handwerkerbuden und Restaurants laden zum Verweilen und Entdecken ein. Die Jame Moschee ist bei wunderschön und zeigt vor allem in der Nacht ihren Beleuchtungs-Zauber. Auf den Dächern der Häuser sind die unverkennbaren, seit jahrtausenden gebauten Windfänge, sozusagen Öko-Klimanlagen. Diese Wüstenstadt ist an persischem Zauber kaum zu überbieten. Uns gefällt‘s hier.

Seit vier Wochen sind wir nun im Iran unterwegs. Die Visaverlängerung in Yazd ist kein Problem. Der herzliche Polizeichef zieht uns all den afghanischen und pakistanischen Flüchtlingen vor. „please, please“, meint er nur. Und wir haben dies uns so schwierig vorgestellt. „Wir lieben Touristen, ihr seid herzlich willkommen“ ruft uns einer seiner zwei Streifen Beamten zu. Mit stolzer Brust und mit der Erlaubnis vier weitere Wochen in diesem Land umzusehen, schwirren wir in der Stadt umher und lassen uns den erfolgreichen Tag bei einem schmackhaften iranischen Abendessen inkl. Rosenwasser mit Zitrone und viel Zucker auf der bekannten Dachterrasse des Cafe Fooka ausklingen.
Was für ein tolles Leben!