Abschied mit Tränen


UAE mal ganz anders
Die Emirate bieten viel mehr als nur Dubai oder Abu Dhabi. Einen ersten kleinen Eindruck haben wir schon bei Fahrt nach Al-Ain in den Oman erhalten. Nachdem wir nun nach unseren Abenteuern im faszinierenden Oman bei Hatta in die Emiraten wieder reingekommen sind, hat Corinne ein Camp in den Bergen im Dreieck zwischen Hatta, Fujairah und Shawka entdeckt. Die Fahrt dorthin – ein Traum. Nicht ganz einfaches Offroad Gebiet, doch unser Wildcamp liegt mitten in einer faszinierenden Berglandschaft. Wir sind richtig froh, dass wir eine weitere Perspektive auf da Emirat bekommen. Die Menschen hier leben in ganz kleinen Siedlungen, haben Kamele anstatt Kühe. Die Verständigung ist sehr schwierig, denn hier spricht man ausschliesslich Arabisch, wir sind weit weg vom Glamour. Es sind die Orte, an denen man genauso frei wie im Oman ist. Hier gäbe es bestimmt noch ganz viel zu entdecken. Das erste Mal auf unserer Reise spüren wir jedoch einen unangenehmen Zeitdruck. Denn wir müssen nun die Übersetzung konkret organisieren. Kaum aus der Berglandschaft raus, befinden wir uns auf einer der gewaltigen Autobahnen, die durch die Emiraten führt. Beste Qualität. Habash kann sich richtig gut erholen auf der Fahrt zurück nach Motor City. Carolin hat uns angeboten, wieder zu ihr zu kommen. Natürlich gibt es sogleich wieder eine Party. Geburtstagsparty für die beste Freundin. Selbstverständlich helfen wir wieder mit. Bekannte Gesichter sind wieder da. Wir sind wieder in der Zivilisation zurück. Dubai hat uns wieder.


Definitiv – Wir fliegen raus
Die ersten drei Tage stürzen wir uns in die Organisation der Übersetzung. Mittlerweile ist klar, dass die Verschiffung nicht mehr in Frage kommt. Die Cargo Verfliegung nimmt Formen an. Ethiopian Airlines macht die besten Angebote über ihre Agenten. Zudem hilft uns Jorge und Katharina von Touratech mit. Es zeichnet sich ein Kopf an Kopf Rennen zwischen zwei Agenten ab. Jeffrey ist etwas teurer, doch Jorge hat sehr gute Erfahrungen gemacht. 7.8 Dirham per Volumen/Kilo. Passabel. Voraussetzung: Wir müssen eine Holzkiste bauen. Unter Mithilfe von Jorge schaffen wir das auch noch. Kostenpunkt: 200 Euro statt 700 Euro als günstigstes Angebot von Kistenbauern. Hoffentlich hält sie denn auch…

Nun ist alles geklärt…denken wir…
Per Zufall lernen einen Biker kennen, der uns von der Überfahrt von Salalah nach Somaliland erzählt. Kostet einen Bruchteil und ist Abenteuer, verspricht er. Unsere ganzen Entscheidungen werden geprüft. Unser Traum könnte ja doch wahr werden. Leider stellt sich am Tag darauf heraus, dass er die plant (wie so viele) und das gar nie gemacht hat. Jedoch lässt es uns nicht los. Haben wir uns einfach zu wenig hartnäckig darum gekümmert? Ist es doch möglich? Die Zeit rennt…
Übers Internet finden wir jemanden heraus, der dies vor einem Jahr gemacht hat. Wir nehmen Kontakt auf. Er meldet sich umgehend, gibt uns Kontakte weiter und sagt, dass dies ein tolles Abenteuer war. Natürlich hat es etwas gekostet. Sofort nehmen wir Kontakt nach Somaliland auf, sprechen mit Leuten, die uns Visa organisieren und die Einreise nach Somaliland ermöglichen. Einzig die Verschiffung per Dhauw und Hafenprozesse müssen wir mit jemand anderem organisieren. Auch da finden wir jemanden. Jetzt nur noch den Kapitän erreichen, der dies möglich machen kann. Scheisse. Keine Chance. Zwei Tage lang erreichen wir ihn nicht. Er ist wohl auf See. Wir geben nicht auf. Ahmed, unser Clubboss der Nizwa Bikers hilft mit. Seine Kontakte in Salalah kümmern sich darum. Es ist ernüchternd. Sie raten uns ab. Die Situation hätte sich seit letztes Jahr verändert. Die wenigen Dhauw Kapitäne, die sich mit dem Transport von Touristen ein Zubrot verdienen, sind sehr zurückhaltend. Sie lehnen ab. Auch weitere Kontakte in Oman raten uns noch immer ab. Come on, so schwierig kann das nicht sein. Wohl hängt es einfach damit zusammen, dass die Einheimischen hier sich gar nicht vorstellen können, dass uns ein Abenteuer wie dieses Spass machen könnte. Wir stehen zwischen Stuhl und Bank. Zwischen Abenteurer sein und als Feigling den Schwanz einziehen. Denken wir. Der Bauch sagt ja, der Kopf nein. Ich meine, es sind nochmals 1300Km langweilige Fahrt durch die Steinwüste nach Salalah. Eventuell warten auf ein Schiff. Warten bis es geladen ist, was durchaus mal 10 Tage gehen kann. Dazu fünf Tage auf hoher See in einer Nussschale. Die Fahrt entlang Piraten verseuchter Gebiete. Klingt noch immer spannend. Wir erstellen plus/minus Bilanzen, rechnen durch und schlussendlich fällen wir schweren Herzens einen Entscheid. Einen Kopfentscheid. Richtig oder falsch? In jedem Fall ist befreiend. Augen zu und durch!

Ausblick: Angekommen in Äthiopien nehmen wir dort mit einem Lächeln eine Nachricht von Freunden entgegen, dass sie jemand im Oman getroffen haben, der mit seinem Fahrzeug per Dhauw nach Somaliland schippern wird. Alles Gute und geniesst die Fahrt!


Dauerpatient Habash

Kaum wieder klaren Kopf, fängt er wieder an zu rauchen. „Oliver, please see this shit!“ hatte mir Ismail von Touratech vor unserer Oman Tour mitgeteilt. Gemeint hatte er die total abgenutzen Zähne im Endantrieb. Daraufhin haben wir ein neues Hub bei Ural in Hamburg bestellen müssen, welches nun angekommen ist. Mit der vom Internet heruntergeladenen Reparaturanleitung stehen wir nun an. Der ganze Hinterradantrieb haben wir auseinander genommen, doch der verflixte Hub lässt sich nicht abnehmen. Wir brauchen eine Presse. Haben wir nicht. Schlussendlich gelangen wir zu Gecko Motorcycles. Der beste Mechaniker flösst uns Vertrauen ein. Leider stellt sich heraus, dass er mit der Brechstange dahinter ging. Des Bilder-Lesens wohl nicht mächtig (das Manual war einfach, es brauchte einfach ein Presse zum Ziehen), hat er mit Hammer und Schraubenzieher versucht, das Hub abzudrücken statt zu ziehen. Resultat sind zwei Löcher im Gehäuse. Idiot. Bei der Abholung habe ich dann selber seine Tools benutzen dürfen und in zwei Minuten das ganze Hub geöffnet. Ohne Gewalt. Wenigstens hat er dann das Hub gewechselt, die kaputt gemachte Dichtung ersetzt und alles gereinigt. Die Löcher werden beim Zusammenbau nicht mehr sichtbar sein und keinen negativen Einfluss haben. Trotzdem. Beim korrekten Zusammenbau des Endantriebs hat mir Ismail wieder geholfen. Alles sauber abschmieren. Fertig. Somit hätten wird die nächste grössere Operation am Habash überstanden. Was wohl als Nächstes kommt?


Harterkämpfter Abschied

Mittlerweile sind wir wieder zwei Wochen in Dubai. Nicht einmal sind wir bisher in der Stadt gewesen. Organisieren, reparieren, Kiste bauen, Iran Blog schreiben, waschen, Gassi gehen, es hat sich ein Rhythmus etabliert, der uns gar nicht passt. Doch wir mussten da durch. Carolin reisst uns wieder mal aus dem Alltag und macht es möglich, dass wir einen spektakulären Abend erleben. Sie lässt ihre Kontakte spielen – Shangri La. Fünf Sterne. Der Manager empfängt uns und führt uns auf mehrere hundert Meter Höhe auf eine Terrasse. „Guckt Euch um, macht Bilder. Ich warte unten auf Euch.“ Die Aussicht ist phantastisch. Oli kriegt sich kaum ein. Eine Stunde lange hier oben. Die Sicht auf den Burj Khalifa. Wow. Einmal mehr merken wir wieviel Glück wir mit Carolin haben!

Es brechen die letzten 48 Stunden an und wir gehen das letzte Mal Gassi mit Fritz und Hendry. Als würden sie merken, dass wir weiterziehen, wollen sie gar nicht gut laufen. Immer wieder bleiben sie stehen, gucken uns mit grossen Augen an. In den Augen von Fritz, einem Chihuaua, entdecken wir Tränen. Die Verabschiedung von Carolin fällt uns ebenso nicht einfach. Wir haben fünf Wochen statt geplanten fünf Tagen in Dubai verbracht. Trotz anfänglichem Schock, haben wir uns gut eingelebt. Einmal mehr liegen uns die Menschen, die wir getroffen haben, am Herzen. Egal ob in der Wüste im Iran, in den Bergen der Türkei, im Busch im Oman oder Grossstadtdschungel wie Dubai – Ich glaube, es sind NUR die Begegnungen mit den Menschen die das Reisen wirklich spannend machen. Danke Carolin, Joe, Jorge, Ismail, Katharina, Shadi und alle anderen, die wir kennenlernen durften.

Die Verfliegung zu beschreiben, wäre an dieser Stelle wohl zu viel des Guten. Besser das untenstehende Video gucken;-)

Der Abschied ist greifbar nah. Es ist mehr als nur nach Afrika fliegen. Seit 8 Monaten sind wir unterwegs. 14’000Km Strecke. Unzählige Defekte und Werkstatterlebnisse. Ständiges Lernen. Traumhafte Gegenden. Eindrückliche Kulturen. Spannende Menschen. Viele Begegnungen mit anderen Reisenden. In den nächsten Stunden schliessen wir mit einem ganz speziellen Teil unserer Abenteuerreise ab – dem ersten Drittel. Dachten wir vor dem Start, dass diese Strecke zum Einfahren ist, ja als Vorfreude für Afrika, haben wir viel mehr erlebt als wir je erwarten haben. Wir – traurig und freudig. Die eine Träne gilt dem Abschied und die andere der Freude.
Afrika – wir kommen!!