Der Glanz des schwarzen Golds


Mein Genick schmerzt. Mein Unterkiefer lässt sich kaum mehr einrenken. Die Augen so gross wie Mandarinen. Völlig überwältigt setzen wir uns auf eine der von der Abendsonne angestrahlten Sitzbänke vor der Mall of Emirates. „Gibt’s denn so etwas? Die sind ja nicht einmal aus echtem Gold. Müssen die Scheichs nun sparen oder was?“, stammelt Oli vor sich hin. Wir sind drei Tagen in Dubai und kommen aus dem Rumgucken und Staunen kaum heraus. Die Genickschmerzen und der Muskelkater im Kiefer wird schon wieder. Irgendwie müssen wir uns zuerst einmal in dieser total anderen Welt zurechtfinden. Nach vielen Wochen Iran ist das ein gewaltiger Kulturschock. Nicht besser oder schlechter. Einfach total anders.

„Puuahh, siehst du das? Schon wieder ein Porsche. Und das dort…was ist denn das?“ „Hey Corinne, das ist ein Mega-Hummer und dieser dort ein Rolls Royce n und dahinter kommt…ja gibt’s denn sowas…ein weisser Toyota…armer Kerl. Wohl ein Inder oder Pakistani“ Es ist spannend den Autos zuzusehen. Da gibt es Fahrzeuge zu sehen, welche wir bei uns gar nie zu Gesicht bekommen. Dodge Charger und diese Ungetüme von Nissan Patrol V8 scheinen sehr beliebt zu sein. Der Besuch der Mall of Emirates ist ein weiteres Indiz, dass es in Dubai in der Regenzeit wohl Öl regnet und flüssiges Gold aus den Wasserleitungen kommen muss. Die haben sogar eine IIHF konforme Eishalle in der Mall, dazu eine Skihalle, welche riesig ist. Inkl. Schlittel- und Bobbahn, Restaurant für Aprés Ski und natürlich zahlreiche Läden für Alle und Alles. Die Preise sind natürlich meistens ebenso exklusiv. Die spinnen, die Araber. Anders als erwartet, sehen nur etwa ein Drittel Araber, wie wir sie uns in ihrer traditioneller Kleidung vorstellen. Viel mehr begegnen wir Philippinos, Inder, Pakistanis und viele Leute aus Übersee (Europa, Amis, Russen). Alles Workers aus verschiedenen Schichten, die diese Traumwelt Dubais und der UAE überhaupt realisieren. Egal wo wir uns in der Stadt bewegen, die Scheichs und Araber scheinen hier nicht zu arbeiten. Die haben das Geld…und das Öl…und die verrücktesten Autos. Doch gerade hier in Dubai ist nicht mehr alles Öl was glänzt. Nur noch etwa ein Drittel macht es hier im Königreich Dubai aus, die zwei anderen Drittel sind Tourismus und die Finanzwelt. So sind sie wohl dazu verdammt immer mehr Verrücktes zu realisieren. Die hunderten Baukräne und gigantischen Bauplätze zeugen von ungebrochener Entwicklung. Dazu braucht dieses Land alle Menschen und bestes KnowHow von überall dieser Welt. Hier geht aktuell die Post ab. So stellen wir uns die sogenannte Goldgräber Stimmung vor.


Dubai heisst uns willkommen!

Was den Bogen schliesst zum Beginn unseres Besuch hier. In Bandar Abbas haben wir uns noch den Kopf zermartert, wie wir dann hier überhaupt mit dem Tagesbudget auskommen sollen. Camping an einem Strand sei möglich haben wir oft gehört. Von Uwe und Sabine, die sind schon seit Wochen dort und scheinen kaum wegzukommen, haben wir den Tipp bekommen, mal in Facebook bei einer deutschen Expat-Gruppe nachzufragen. Es seien ebenso unglaublich viele Deutsche und Schweizer in Dubai und die würden sich ev. freuen, Besuch aus der Heimat zu bekommen. Vielleicht bekommen wir ja ein Dach über dem Kopf in dieser Mega Metropole. Mein Aufruf um Asyl für arme Reisende in der Seite Germans in Dubai hat voll eingeschlagen. Im Minutentakt sind Angebote per Messenger gekommen. Palme, Motor City, Marina…wir haben ja keine Ahnung was uns da erwartet. Wir entscheiden uns, das Angebot von Carolin in Motor City anzunehmen. . Es ist ein super Entscheid. Motor City passt irgendwie am Besten zu uns Motorradreisenden. Es ist ein Aussenquartier von Dubai. Sehr modern, nur wenige Hochhäuser dafür gehobene Terrassenhäuser und stilvolle Überbauungen, viele kleine Restaurants und Läden. Gleich nebenan ist die Rennstrecke und der Touratech Motorrad Ausrüstungsladen. Kaum angekommen bei Carolin, gibt’s die alljährliche Weihnachts-Party. Dabei helfen wir gleich bei der Organisation, in der Küche und im Service mit. Es ist das Mindeste was wir tun können. Dabei lernen wir Leute kennen, erhalten Tipps zum Hin- und Ausgehen. Perfekter Einstieg. Vielen Dank an Carolin & ihre Freunde! Olis Geburtstag feiern wir mit verschiedenen Travellern, mit denen wir vom Iran hergeschippert sind. Am öffentlichen Strand Sofouh 1 verbringen wir einen tollen Abend. Jupp, Doro und ihr Monster-Truck, Ute und Holger ebenso mit ihrem Truck, Onur mit seiner Frau, Uwe, Sabine und die beiden Schweiz-Australier Radler Jasmin und Matt sind von der Partie. Bei Speis und Trank werden Ideen, Pläne, Geschichten und Kontakte ausgetauscht. Und die 41 sind nun voll. Doch dass kümmert Oli nicht.


Nix mit rumhängen bei den Schönen und Reichen – Es gilt sich zu organisieren

Neben Feiern, verbringen unendlich viel Zeit mit dem Organisieren unserer Übersetzung nach Afrika. Unsere Idee ist es, nach Afrika zu fahren. Durch Saudi Arabien, dann in Jeddah übersetzen nach Port Sudan und durch den Sudan nach Äthiopien etc. Klingt verlockend. Doch entscheidend ist das berüchtigte und fast nie ausgestellte Touristenvisum für Saudi. Diese werden nämlich seit Jahren nicht mehr ausgestellt. Doch der Kronprinz und starke Mann in Saudi Arabien hat weltweit medial angekündigt, dass ab 2018 wieder Individualtouristen kommen sollen und Visas bekommen. Unser Hoffnungsschimmer entpuppt sich nach unzählige Telefonaten und Emails als politische Finte. Mindestens hier in Dubai und Abu Dhabi ist es bis heute nicht möglich ein Visum zu erhalten. Auch kein 3 tägiges Transfervisum. Die genau gleichen Erfahrungen machen andere Reisende unabhängig voneinander, die zum gleichen Zeitpunkt in Dubai ihre Weiterreise planen. Nun, Landweg fällt wohl weg.

Die Verlockung von Salalah (Oman) mit einem Dhauw (Holzschiff) fünf Tage lang auf offener See, in ständiger Nähe von Piraten nach Somaliland zu segeln, klingt verlockend. Doch besser ist, wir gucken uns diese Schiffe mal an. Im alten Dubai in Deira werden diese nämlich für die Überfahrten nach Iran verladen. Mit Uwe und Sabine verbringen wir einen Tag im „anderen“ Dubai im Deira Quartier. Dabei betrachten wir diese Holzschiffe ganz genau, dürfen an Board gehen um ein besseres Bild zu bekommen. Vollgepackte Boote, keine Toiletten, immer das Risiko, dass sie leckschlagen könnten. Dazu soll das Meer im Golf von Aden unruhig sein. Bloss nicht Seekrank werden. Wir sind uns nicht sicher. Im Internet werden wir dazu auch nicht wirklich schlau. Viele erzählen von der Reise über den Golf von Aden nach Somaliland, jedoch die wenigsten haben dies je gemacht. Für uns wird es zur Option, noch nicht mehr.

Zuerst verschiffen oder verfliegen anfragen. Damit wir einen Vergleich haben. Viele Geschichten und Empfehlungen aus Reiseblogs haben wir gelesen und uns den Kopf zerbrochen, wie es denn alle anderen für so wenig Geld (unter 1000 CHF) für die Verschiffung nach Afrika geschafft haben. Anscheinend sind wir nicht die Einzigen. Auch die anderen Traveller die hier sind, versuchen verzweifelt Offerten von Firmen zu bekommen. So tauschen wir uns gegenseitig per WhatsApp aus und merken, dass wir alle nur kleine Schritte vorankommen. Viele Firmen geben keine Antwort oder nur unvollständig, Nachfragen nützt nicht viel. Weihnachten steht vor der Tür. Obwohl es hier in Arabien offiziell nicht gefeiert wird, haben die Menschen anscheinend die Mentalität angenommen und machen Weihnachtsferien. Es ist zum Verrückt werden. Über 20 Anbieter haben wir angefragt, nachgefragt und nochmals telefoniert und bis zu Weihnachten gerade mal 3 klare Offerten. Den anderen geht’s nicht besser. Jedoch wird uns allen klar, dass dies ein teures Unterfangen wird. Denn die Hafengebühren, Zollabwicklung, zusätzliche Steuern, Kiste bauen, Transport zum Hafen/Flughafen tauchten in unseren Recherchen auf verschiedenen Reiseblogs fast nie auf. In Fact können wir sagen, dass eine Cargo-Verfliegung etwas teurer ist als Verschiffen.

Unsere gemachte Erfahrung vorweg:
Verfliegen nach Addis Abeba kosten alles inklusive (Kiste selber bauen) 3000 CHF. Dazu braucht es 2 Tage vom Abgeben des Motorrads bis man es in Addis wieder hat. Die Verschiffung über Djibouti dauert um die 8 Tage, kostet jedoch nur 1600 CHF plus 500 CHF um es rauszubringen. Nicht zu vergessen die Tage, die man überbrücken muss (in Dschibuti kostet das günstigste Hotel 80 CHF), die teureren Personenflüge, das zusätzliche Visum und die Reise nach Addis. Summa summarum 2800.00 CHF. Dafür ganz viel Stress dabei.


Immer wieder mal raus!

Wir sind nur am Organisieren und erzielen keine Erfolge. Frust macht sich breit. Und dass wir hier in dieser faszinierenden Stadt sind und kaum was anderes machen als Büroarbeiten – schrecklich. Ausser den Pausenspaziergängen, an denen wir mit Carolins Hunden „Fritz“ und „Hendry“ Gassi gehen, sind wir am Telefon, Computer oder bei Agenten. Doch heute haut Oli ab zum Flughafen. Karsten, sein Freund aus Namibia ist auf der Durchreise. Zusammen mit André, einem weiteren Namibier der hier in Dubai wohnt, machen sie die drei Afrikaner einen tollen Tag. Und ich erstelle die Excel Listen. Puh. „Oh, Carolin. Wie gut dass es Dich gibt.“ Denn am Wochenende oder an den Abenden nimmt sie sich Zeit und führt uns in die Stadt. Sie kennt alle und alles. Für uns ist dies genial. So tauchen wir ab und erleben immer wieder den Glamour Dubais. Ok. Mit unseren abgewetzten Kleidern und den Bergschuhen passen wir wohl nicht ganz in das Stadtbild, doch who cares? Irgendwie total fasziniert von der Ingenieurskunst und gleichzeitig vor den Kopf gestossen vor lauter Verschwendung, schwankt die Stimmung. Ist diese Welt inspirierend oder abstossend. Alles hier ist Weltklasse, alles Neue ist ein neuer Rekord. In jedem Fall lässt einen die Stadt nicht los. Und sie ist ein Teil der Realität, genauso wie es Armut in anderen Ländern ist. Als Reisende versuchen wir nicht generell zu urteilen, sondern wirken zu lassen. Und verstehen zu probieren. Das ist ja gerade das Spannende daran!


Start im 2018 – wieder glücklich!

In der Zwischenzeit haben wir 3 weitere Offerten, welche alle im gleichen Preisrahmen sind. Zu hoch. So kommt Sylvester gerade recht. Wie viele andere Menschen pilgern wir zur Dubai Mall und dem höchsten Gebäude der Welt: Burj Khalifa. Mit seinen 828m Höhe steht er als Riese zwischen all den anderen Hochhäusern. 828m…das ist unglaublich. Heute am Sylvester wird hier die grösste Lasershow der Welt gezeigt. Der ganze Burj Khalifa soll Projektionsfläche sein. Wir gesellen uns zu den tausenden anderen Zuschauern und staunen ab der gigantischen Show. 6 Minuten geht der Zauber. Weltrekord – what else!

Nach langen überlegen, entscheiden wir uns, uns gegenseitig auch noch ein Neujahrs-Geschenk zu machen. Endlich kaufen wir uns je einen Kindle und schenken uns den gegenseitig. Yeah, endlich wieder Kommissar Brunetti lesen. Als wir dann auch noch ein Paket von unserem Partner Fujifilm mit den neuen Kameras bekommen (Danke vielmals!!), scheinen wir endgültig wieder eine Glückssträhne zu haben. Das neue Jahr startet super – wieder zwei Offerten. Cool. Unsere Excel Tabellen zeigen uns, dass Verfliegen zur Option Nummer 1 wird. Kommt gut, irgendwie.

Den Habash benutzen wir fast täglich, sei es um nur mal schnell in die Stadt zu gehen. 20-30 Kilometer sind das schon. Doch irgendwie scheint es ihm in der Stadt nicht ganz so gut zu gefallen. Seine Leistungsabfälle werden auffallend mehr. Ab zu Touratech. Gemeinsam versuchen wir dem ganzen auf die Spurt zu kommen. Nach drei Tagen rumsuchen, wird ersichtlich, dass das Kabelende zum Zündkerzenstecker erodiert ist und fast kein Kontakt besteht. Unglaublich, dass wir dies nicht vorher gemerkt haben…fix repariert. Fast alles gut. Vor lauter Motor starten und probieren ist unser Lithium Batterie down. Gerade mal ein blauer Punkt leuchtet auf der Anzeige. Und das Ladegerät haben wir nicht mit. Auch gibt es hier nirgendwo eines. Brüllend donnern die Rennautos neben uns auf der Rennstrecke vorbei. So laut, dass man einander beim Sprechen nicht mehr verstehen kann. Genau. Rennautos. 24 Std. Rennen ist übermorgen. Oli gelingt es in die Boxen des Rennzirkus zu kommen. Überall frägt er nach der Möglichkeit um Habashs Batterie laden zu dürfen. Während die Japaner ihn wegschicken, das Mercedes Team des Scheichs von Abu Dhabi keine Zeit für ihn hat, erbarmt sich das französische Lamera Team mit ihm. So erhält Habash nun echte Rennpower. Lass es uns ausprobieren!

Hier machen wir einen Dubai Break. Wir brauchen Ferien von den Ferien. Und den Krach eines 24h Rennens wollen wir uns ersparen. Ab für 3 Wochen in den Oman!