Faleminderit – Danke!


Und am siebten Tag steht Gott vor einer grossen Herausforderung. Hat er doch in den letzten sechs Tagen die ganzen Länder verteilt und da stehen die Albaner vor ihm und warten bis er ihnen Ihr Land zuspricht. Doch es ist keines mehr da. „Gott, wo sollen wir denn leben?“ „Ich habe es Euch versprochen. Ein Land habe ich für mich behalten. Das schönste und fruchtbarste – es sollte mein kleines Paradies sein. Doch von Herzen schenke ich Euch mein Land.“ Und so haben die Albaner ein Flecken Erde bekommen, dessen Schönheit es nirgendwo sonst gibt.

So oder so ähnlich die Überlieferung. Erfährt man mehr über die Geschichten und die sieht man dies mit eigenen Augen, wird diese Geschichte lebendig. Doch was ist das für ein Volk, das eine total eigene Sprache spricht, welche von ihren Nachbarn nicht verstanden wird. Ein Land, das irgendwie sonderbar für sich steht und gar nichts mit dem jugoslawischen Reich zu tun hatte; ein Land in dem die Religionen friedlich miteinander Leben und sogar untereinander heiraten. Menschen, die wir in unseren Breitengraden oft mit Vorurteilen und vor allem Unwissen begegnen und mit allen anderen Menschen aus dem Balkan in den gleichen Topf geworfen werden. Ein Land, das bis vor 10 Jahren zu den ärmsten der Welt gehörte…

Die Geschichte Albaniens ist so spannend, dass wir Euch dies gerne weiterempfehlen: http://www.laender-lexikon.de/Albanien_Geschichte

Und so handelt unser Blog Beitrag von Geschichten mit eindrücklichen Begegnungen. Wir sind dabei zu Gast bei Rosa, die im Bauerndorf Lin am Ohridsee ihr kleines Bed and Breakfast betreibt. Und wir sind bei Juljan und Zhenisa Graci in Gjirokaster zu Gast. Sie haben vor nicht allzu langer Zeit ein kleines Camping eröffnet. So verschieden die Beiden sind, so leben sie spürbar albanische Gastfreundschaft.

Rosa’s Place
Das Provisorium (Einlassstutzen) am Habash hält noch immer. Bald sind es 1000 Km. Henning, Carola, Äffchen und die beiden anderen Boston Terrier sind schon wieder in Deutschland, doch die fünf wären stolz auf die gemeinsame Flickarbeit. Nach den Offroadpisten, sind die letzten 50 Km zum Ohridsee ein Vergnügen. Fast keine Vibrationen mehr, die Handgelenke erholen sich. Wir cruisen mit 60 kmh der mit zahlreichen Kurven geschwungenen Strasse entlang. „Da raus. Oliiiiii. Lin.“ Es wäre gelogen zu schreiben, dass wir mit quitschenden Reifen und mit vom Bremsen entstehenden Rauchschwaden abbiegen. Tönt cool, stimmt aber nicht. Habash bringt man nur beim Offroad fahren zum Quietschen. Bremsen dagegen kann man ihn nur ganz langsam und mit viel Voraussicht. Und so verpassen wir die Ausfahrt, kehren um und tuckern nach Lin rein. Einfahrt ins Bauerndorf. Ein stechender Ziegenduft zieht sich durch unsere Nasen, Hühner gackern flatternd herum, die Rinder sehen uns total verwirrt an. Kommen hier die modernen Ritter der Apokalypse angerollt – auf einem Motorrad?  Was haben die denn hier verloren? Zum Glück verstehen wir die Tiere in ihrer Sprache nicht. Doch verloren haben wir gar nichts, wir sind gekommen um etwas zu gewinnen. Und zwar eine wertvolle Erfahrung in Sachen Gastfreundschaft bei Rosa. Doch eigentlich kennen wir sie ja gar nicht. Ja, wir wissen nicht mal, dass es sie gibt. Den Gedanken nachhängend, hier einen Campingplatz zu finden, steht plötzlich eine Frau in Schürze auf der Strasse. „Are you looking for a room? How was your day ? It would be a pleasure to have you as my guests. Welcome in Albania!“ Hmmm…doch hier muss es sein. Das Camping leuchtet gross auf dem Bildschirm des GPS auf. Doch campen kann man hier nicht. Wir stehen vor einem Haus mit Seeanstoss. Doch am See steht ein kleines Restaurant – campen nicht möglich. Nach einigem hin und her entscheiden wir uns, das Angebot von Rosa anzunehmen. Kaum die Motorräder im kleinen Vorhof geparkt und die ersten Meter dem Haus entlang gelaufen, sind geradezu völlig überrascht. Wunderschöne, absolut saubere Zimmer, die mit viel Herzblut dekoriert sind. Das kleine Restaurant und die Aufenthaltszone direkt am See. Wir fühlen uns sofort zu Hause. Und wie gut Rosa kochen kann. Albanische Spezialitäten füllen unsere Mägen, der hauseigene Weisswein ist mit Sprite ein super gespritzter Weisser. Ohne gross nachzudenken, verschlingen wir die im Ohridsee als endemisch geltenden Fische. Uups – waren dies die Letzten ihrer Art und wir haben sie gefuttert? Ihr Gastgeber Handwerk hat Rosa während sechs Jahren in Griechenland gelernt. Dort hat sie und ihr Mann in einem Gasthaus gelernt. Vor der Geburt ihrer beiden Kinder haben sie ihre Sehnsucht nach Lin nachgegeben und sind in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Hier haben sie ihr Haus und das B&B aufgebaut. Das war vor 7 Jahren. Zu einer Zeit, wo noch niemand im Dorf wusste, warum man so etwas machen sollte und nur vereinzelt Touristen das Dorf besucht haben. Nachdem sie und ihre Geschichte im The Guardian in England erschienen ist, kommen immer mehr Gäste und möchten die Gastfreundschaft und die Küche Albaniens am eigenen Leib erleben. Und sie bereuen es nicht. Die Menschen im Dorf haben ebenso ihre Freude daran und begrüssen herzlich alle ihre Gäste. Als wir in Lin rumgelaufen sind, mussten wir bei einem Bauer unbedingt seine Pflaumen und Feigen versuchen. Lecker. Und so hat er uns dann gleich noch mehr Proviant für unsere Reise mitgegeben. So sind sie, die Albaner!

Für alle, die dies auch erleben wollen:

Rosa’s Place – Lin am Ohridsee
bedandbreakfastlin@gmail.com 

 

Der Südosten Albaniens – ein Traum!
Nach drei Verwöhntagen fällt es uns schwer, unsere dicker gewordene Hintern auf unser Stahlross zu schwingen und loszufahren. Die Fahrt geht auf mehr oder wenig gut asphaltierten Strassen durch den wunderbaren Osten und dem Burini Fluss entlang. Unser Ziel ist Gjirokaster mit seiner berühmten Altstadt und der Burg. Es ist eines der drei UNESCO Weltnaturerben in Albanien.

 

Falimendere Zhenisa & Juljan!
Nach einem weiteren mit Fahren mit offenen Mäulern (vor lauter Staunen) und dem Ausspucken verschiedene Insektenarten, erreichen wir Gjirokaster und fahren direkt zum Camping. Dort angekommen sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir uns ev. nicht zu früh gefreut haben. Ein grosses Haus und ein leerer Platz…Hmmm, wir haben uns wohl verfahren. Zurück zum anderen Camping „Lost“, der sich auch als so ziemlich das heraustellt. Jedes Wort darüber zu schreiben ist verlorene Müh. Das ist kein Camp. Die Gastfreundschaft ist trotzdem spürbar und wir sollen doch sein Haus bewohnen. Doch das wollen wir nicht. Also zurück auf Feld eins und zum Camp Gjirokaster. Zum Glück. Denn sofort werden wir von Juljan und Zhenisa herzlich in Empfang genommen. Sie haben uns beim ersten Versuch nicht gesehen, da wir ja auch gleich wieder weggefahren sind. Und dann zeigen sie uns die Plätze zum campen. Von da führt ein Durchgang zum Aufenthaltszone und dem liebevoll gestalteten Restaurant. Rundherum blühende Pflanzen und Früchte…Birnen, Granatäpfel, Trauben, Pflaumen wow. Umgeben von Palmen und Reben entscheiden wir uns hier zu bleiben. Und wir wollen die Küche testen. Ein sehr guter Entscheid.

Noch auf unserer Reise wurden wir so herzlich bewirtet. Noch nie haben wir so gut gegessen. Es gibt keine Karte. Juljan, von Beruf Bankmanager, begibt sich jeden Tag ab 17:00 in die Küche und zelebriert mit viel Liebe eine Kochkunst, die weit und breit seines Gleichen sucht. Alle Zutaten frisch aus dem eigenen Garten, das Lamm wird am Spiess gebraten und kommt aus dem Bestand seines Onkels. Der Raki wird von seinem Vater mit allerhöchster Sorgfalt hergestellt. Und es ist tatsächlich so: Dieser Raki schlägt sogar Djamils Zaubergetränk. Erst im letzten Winter mit dem Restaurant gestartet, suchen Gäste wie Einheimische das Camp „nga stepia“ auf, weil es sich schon weit herumgesprochen hat, dass man hier auch für albanische Verhältnisse eine aussergewöhnliche Gastfreundschaft erleben kann.

Wir sind genauso fasziniert von der Geschichte von den beiden Gastgebern wie von der Küche. Ein Bankmanager und eine Ärztin, die ein Camping aufbauen. Die Beiden hätten so etwas doch gar nicht nötig, leben sie für albanische Verhältnisse doch sehr gut ohne. „Es ist die Leidenschaft für andere Menschen da zu sein“, sagt uns Zhenisa. „Wir haben auch unsere Berufe hart erarbeitet, kommen wir doch aus ganz normalen Familien. Doch wir haben immer wieder auch von anderen Menschen unterstützt. Wir versuchen etwas zurückzugeben. Wir integrieren junge Leute und schaffen Arbeitsplätze und Möglichkeiten. Und wir lieben es, wenn sie andere Menschen in unserem Land wohlfühlen. Wir haben so die Chance, etwas mitzugestalten.“ Es klingt für uns sehr überzeugend und wir spüren die Leidenschaft. Wir stellen uns vor, dass es wohl doch eine ganze Zeit dauern wird, bis sich all die Investitionen in das Camp finanziell lohnen werden. „Wir haben viel von unserem Ersparten investiert, weil wir daran glauben, dass auch Albanien eine erfolgreiche Zukunft.  Wir haben in unserem Land noch eine ganze Menge in Ordnung zu bringen, doch wir entwickeln uns Schritt für Schritt. Wir wollen vorangehen und zeigen, dass sich leidenschaftliche und harte Arbeit lohnen kann.“ Während Juljan und Oli über weitere Ideen zur Weiterentwicklung des Camps diskutieren, erfahre ich von Zhenisa, dass es gleich in der Nähe eine sehr gute Badi gibt, um sich bei den heissen Temperaturen abzukühlen. Unser Entscheid eine ganze Woche hier zu bleiben, hat zwei Umstände. Wir warten einerseits auf das Ersatzteil für Habash und es macht uns nichts aus hier zu sein, denn die Badi ist echt toll, dass Essen eine Sensation und das Camp sehr gepflegt. Das Provisorium am Habash hat ganze 1000 Km gehalten. Nicht schlecht. Doch es ist Zeit, dies richtig zu reparieren. Wir haben viele Ersatzteile mitgenommen, doch wie könnte es anders sein, dass wir genau auf die Einlassstutzen verzichtet haben. Dimitri und Florian von Ural Hamburg sehen dies völlig easy und schicken uns dies per Express Kurier nach unten. Und so warten wir gespannt auf die Ankunft des Kuriers uns schlagen uns in der Zwischenzeit die Bäuche voll. Wohl bekomms!

Hier sind die Koordinaten von Juljan und Zhenisa. Albanien ist hier zu Hause!

Camping Gjirokaster „nga shtepia“ , Albanien

http://campinggjirokaster.com    /   campinggjirokaster@yahoo.com