Georgien zum Zweiten!


Zurück in Tiflis
Schon bei der Fahrt vom Vashlovani zurück nach Tiflis haben wir es bemerkt: Habash hält die Spur nicht mehr schön. Irgendwie bekommen wir die Strasse nicht mehr richtig zu greifen. Uns wird klar, dass es höchste Zeit wird, die Reifen zu erneuern. Zudem sind die asphaltierten Strassen hier in Georgien zum grossen Teil schlecht bis katastrophal. Immer wieder Schlaglöcher, Rinnen, kleine Hügeln, Asphalt mit Furchen drin oder sonst irgendwie uneben. Es gilt, äusserst vorsichtig zu fahren. Mit Weitblick mutet es zu mehr Geschwindigkeit an, doch das könnte sich schnell rächen. Wir erleben selber als nachfolgendes Fahrzeug zwei schreckliche Unfälle, bei denen Menschen und Fahrzeuge zu grossem Schaden kommen. Auto-; resp. Motorradfahren ist in Georgien echt gefährlich. Die Stossdämpfer und Federn arbeiten auf Höchstmass. Unsere neuen Heidenau K37 Reifen warten glücklicherweise schon bei Bikeland in Tiflis auf uns. Schon vor 4 Wochen hat Dima, der Chef der Schrauberbude, diese in Deutschland bestellt. Und morgen gibt’s endlich neue Finken. Und einen kleinen Service inkl. Streicheleinheiten für Habash als Belohnung für seine Taten in den letzten Tagen. Nachdem ich ihm dies mehrmals auf der Fahrt zugeflüstert habe, benimmt er sich wieder und bringt uns dann gut von der Wildnis zurück ins Wine Yard Appartement.

Kaum zurück, startet Petrus eine neue Offensive und lässt seinen Tränen freien Lauf. Ist er traurig, dass Uwe noch immer nicht gesund ist. Denn einmal mehr – nix von blue sky…


Von neuen Finken und anderen Kleinigkeiten
„Hey Oli, ich will auch neue Finken!“ so Corinne voller Neid auf die coolen Reifen für Habash. Kaum haben wir unseren Begleiter in die Obhut von Dima und seinem russischen Mitarbeiter gegeben, kommt bei Corinne etwas Neid auf. Zurecht. Ihre Scarpa Treter sind so was von gebraucht, die Sohle fällt schon ab. Eine Chance, die Stadt besser kennenzulernen. Die Karten App Maps me zeigt uns in Nebenquartieren verschiedene Outdoor Geschäfte. Nur dass diese sich leider als Garten-, Sanitär- und Do-it Yourself, ja einmal sogar als Postamt entpuppen. Wir schlendern nun schon drei Stunden in einer spannenden und gleichzeitig einer in sich gleichgültig erscheinenden Stadt herum. Es sind nicht die Orte, in welcher die Touristen rumspazieren. Hier kann man das tägliche Leben beobachten. Das graue Regenwetter spiegelt sich in den Menschen und den riesigen Wohnblöcken. Verdichtetes Bauen gab es hier schon vor fünfzig Jahren. Ausser der aufgehängten, bunten Wäsche, deren Leinen sich über ganze Strassenschluchten spannen, erscheint alles grau. Der Regen hat mittlerweile aufgehört und bei Corinne saugen sich die Socken mit Wasser voll. Neue Schuhe sind bitter nötig. Plötzlich entdecken wir kleine PUMA, ADIDAS und NORTH FACE Läden. Endlich. Schnell hin. Corinne getraut sich kaum die Schuhe auszuziehen, geschweige denn neue trockene Schuhe anzuziehen. Nach 25 Minuten und 3 Ladenbesuchen tritt die grosse Enttäuschung ein. Auch nach mehrmaligem Nachfragen in den Läden sagt jeder Verkäufer, dass er keinen anderen Outdoor Laden kennen würde. Mich macht dieses saublöde Gehabe langsam sauer. Im North Face Laden beschwere ich mich beim Chef und versuche ihm mitzuteilen, dass ich das erlebte Kundenverhalten nicht der Marke North Face würdig empfinde. Wenn sie schon keine passenden Schuhe haben, sollen sie bitteschön ihrem möglichen Kunden etwas freundlicher gegenübertreten. Evt. wollen wir ja noch etwas anderes kaufen…(und hier drücke ich mich sehr freundlich aus…) Plötzlich fällt ihm ein, dass es einen Salewa Shop gibt, ja er kennt sogar die Adresse auswendig. Danke vielmals. Natürlich kaufen wir nichts anderes bei ihm. Eine kilometerlange Fahrt später stehen wir im Outdoor Spezialladen. Klein und fein. Alles Mögliche findet man hier. Auch wunderschöne, papageien-farbene Schuhe für die Lady. Gute Schuhe. Unsere noch immer kaputten, aufblasbaren Schlafmatten können wir hier leider nicht erneuern. Doch neues Reparaturmaterial und ein T-Shirt schenken sie uns. Danke!


Ist Tbilisi wirklich hip?
Natürlich schauen wir uns dann die vielgerühmte Altstadt von Tiflis (Tbilisi) und den Touristenmagneten des Landes an. Irgendwo haben wir gelesen, dass es heute hip ist, nach Tiflis für ein Wochenende zu fliegen anstelle nach Amsterdam. Ganz ehrlich: Bei grauem Wetter und leichtem Regen ist nicht mal Amsterdam wirklich schön. Aber bestimmt schöner als Tiflis! Die Stadt versprüht aus unserer Sicht schon an verschiedenen Ecken Charme, um dich dann gleich an der nächsten Ecke daran zu erinnern, dass hier nur ein ganz langsamer Erneuerungsprozess stattfindet. Man bekommt das Gefühl, dass sich hier alle, die Geld haben mit eigenen Vorstellungen verwirklichen. Die Altstadt bietet moderne Bauten verschiedenster Stile und gleichzeitig baufällige Ruinen in denen noch Menschen leben. Wir sind hin und hergerissen, ob wir dies nun auch hip finden. Auf jeden Fall sind wir froh, auch dies erleben zu dürfen. Es braucht ja auch nicht immer eine klare Meinung dazu.


Und was uns sonst noch so von Georgien hängenbleibt
Dima und sein Team hat unseren Habash wieder flott gemacht. Stolz präsentiert sich unsere russische Maschine in ihren neuen Schuhen. Auch sonst macht er einen guten Eindruck. Nachdem sich die beiden Russen (Mechaniker & Moto) beschnuppert und schlussendlich vertragen, ging alles nahtlos von statten. Habash freut sich neben den Reifen über neues Motoren- und Getriebeöl, saubere und synchronisierte Vergaser, neue Bremsklötze und einen geschweissten Tank, der nicht mehr leckt. Alles super – alles wieder 100%. Mit gutem Gewissen können wir Dima und Bikeland in Tiflis weiterempfehlen:


Let’s ride again
Wir sind nun bereit, unsere Reise nach Armenien fortzusetzen. Blicken wir auf die Zeit in Georgien zurück, bleiben uns in erster Linie die Gaumenschmäuse, die wunderbaren Landschaften und die sympathischen Menschen, die sich nach Überwindung von ersten Kommunikationshürden als sehr herzlich und neugierig kennenlernen durften, in Erinnerung. Der Regen ist dabei eine flüchtige Nebenerscheinung. Der kommt und geht. Alles andere hat Bestand. Und wir ziehen heute weiter. Meteoblue sagt herrliches Herbstwetter voraus. Und Armenien soll auch schön sein. Let’s ride again.