Istanbul – Am Puls Eurasiens


Elf und ein halber Liter. Ungläubig starre ich auf die Zapfsäule der Opet Tankstelle. In der rechten Hand mein Iphone, auf welchem ich den durchschnittlichen Verbrauch auf 100 Kilometer seit dem letzten Tanken ausgerechnet habe. Noch immer in Gedanken versunken, zupft mich Corinne am Ärmel und meint, dass ich endlich zahlen soll. Elf und ein halber Liter. Fassungslos. Ein bisschen verärgert erinnere ich mich an den Werkstatttag mit Ali in Istanbul: Ali, der türkischen Schrauber bei dem wir Habash zum Service gebracht haben. Alle haben von Ali geschwärmt. Er, der mit 150 Sachen auf dem Hinterrad seiner KTM rumfährt. Er, der bei den türkischen Bikern eine kleine Motorrad Legende sein soll. Ja genau er, der deinem Motorrad den letzten Schliff gibt. Naja, fast alles hat er hinbekommen. Seine grösste Leistung am Habash: Die gekonnte Operation und somit die Rettung vor Ölverlust durch einen Haarriss im Endantrieb. Doch elf und ein halber Liter sind einfach zu viel. Die Vergaser hat er echt katastrophal eingestellt. Das Kerzenbild: pechschwarz und voller Ablagerungen. Unser russischer Freund gleicht einem schweren Alki. Mit dem Unterschied, dass sein Lieblingsgetränk Bleifrei 95 ist. Nach dem Bezahlen der übermässig teuren Benzinrechnung müssen wir erst mal rasten und schlagen unser Zelt auf einem öffentlichen Grillplatz mit Campingmöglichkeit in Seyitgazi auf. Hier gibt es sogar Free-WIFI. Ein abendliches Telefon mit unserem daheimgebliebenen Chefmechaniker Thömu vom Strahm Motobike in Madis BE und ich fühle mich bestärkt, die Einstellungen selber zu  machen. Danke Thömu! Noch am gleichen Abend stelle ich das Luft/Benzin Gemisch neu ein. Die Gemischschraube ganz rein, eine ganze und halbe Umdrehung wieder raus und ein Viertel wieder rein. Nach den ersten 30 Km am nächsten Morgen die Kontrolle: immer noch leicht verrusst. Nach einem weiteren Viertel eindrehen und 30 weiteren Kilometer die nächste Kontrolle: Rehbraun. Die Zündkerze verrät mir damit, dass dies die richtige Mischung ist. Auch haben wir nach sanftem Justieren der Drosselklappen wieder einen rundlaufenden Motor, der auch stetigen Zug bringt (ja, das gibt es bei der Ural tatsächlich – Durchzug. Soviel zu unseren einzigen technischen Herausforderungen seit einer langen Zeit. Zu unserem guten Glück.

Der Einstieg in den Blogbericht wäre nun geschafft;-)
Seit unserer Einreise in die Türkei liegen nun schon fast vier Wochen hinter uns. Und es erscheint uns höchste Zeit, Euch ein paar unserer Eindrücke aus diesem wunderbaren Land weiterzugeben.

 

Die Sache mit der Politik
Die ganzen politischen Wirren um die Türkei erreichen uns seit unserer Abreise immer wieder mal. Obwohl wir als Schweizer davon kaum betroffen sind, werden wir von deutschen Urlaubern und Reisenden in Griechenland gerne mal darauf angesprochen. Mittlerweile haben wir jedoch auch schon etwas ein mulmiges Gefühl. Was, wenn der türkische Präsident und seine Entourage völlig seine Fassung verliert? Was genau geht in diesem Land eigentlich vor? Stand die Türkei doch bisher für ein offenes, herzliches und fortschrittliches Land. Doch was aktuell passiert, ist genau das Gegenteil: Die starke Anlehnung an den Osten, die fortschreitende Islamisierung, die starke Unterdrückung und Bekämpfung von Minderheiten, die Verfolgung und systematische Inhaftierung von Oppositionellen und Journalisten, viele Geheimdienste und Zuflüsterer, die anders Denkende an diese verraten. Nicht zu vergessen, dass die Regierung vermutet, dass hinter jedem anders Denkenden ein Unterstützer von Terror stecken könnte. Waren dies vor einem Jahr noch innertürkische Angelegenheiten, sind aktuell ebenso Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund mögliche Ziele der Regierung.
Einfach nur Politik? Was bedeutet dies für uns?
Wir, die neutralen Schweizer, die uns mit fast allen Ländern und politischen Führern freundlich stellen und sei es auch nur um deren Vermögen in der Schweiz verwalten zu dürfen (Ok, das ist jetzt eine etwas übertriebene Beschreibung, doch genauso werden wir im Ausland wahrgenommen!).

 

Unsere erste Erfahrung in der Türkei lässt uns wachsam werden
Was wir als Erstes tatsächlich in der Türkei erleben: Uneinige Beamte am Grenzübergang.
Für alle Grenzbeamten (es sind deren drei) sind die Papiere in Ordnung. Passieren. Doch halt! Da kommt die neue Teamleaderin angerannt. Die kleine, pummelige Frau mit dem Kopftuch will nochmals alles selber überprüfen. Sie verlängert so die Warteschlange, die mittlerweile fast wieder bis nach Griechenland zurückreicht. Die Grenzbeamten diskutieren heftig mit ihr. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Dann kommt der eine auf uns zu und erklärt flüsternd in englischer Sprache: „Bitte entschuldigt dieses Theater. Es ist unsere neue Teamleaderin. Sie will sich beweisen. Turkey is changing. Aber es ist alles ok. Bitte habt noch ein bisschen Geduld.“ Nach weiteren 15 Minuten spreche ich die Frau freundlich an und merke, dass sie kein Wort Englisch spricht. Gibt’s denn noch so etwas?
Treffen die bisher gewonnen Vorbehalte doch zu? Sind nun harmlose Touristen wie wir unerwünscht?
Ok, wir stehen mit einem Nachfolger-Motorrad aus dem 2. Weltkrieg an der Grenze, sind unheimlich gut aussehende Schweizer mit besten Verbindungen zu deutschen Staatsangehörigen (Corinne hat einen deutschen Schwager, ich eine deutsche Schwägerin – unheimlich), bewaffnet mit einem Schweizer Taschenmesser und mit dem Ziel in arabische Länder zu fahren. Doch reicht dies aus, um uns Unterstützung terroristischer Vereinigung gegen die Türkei vorzuwerfen? Unser einziges Vergehen ist  bisher nämlich nur ist die ständige Unterschreitung der Höchstgeschwindigkeiten auf europäischen Strassen…
Nochmals ein verdächtiges Wortgefecht zwischen der Teamleaderin und einem weiteren Grenzbeamten. Dieser kommt auf uns zu und bittet mich freundlich zur Seite: „Wo gehen Sie in der Türkei hin?“ „Istanbul, Kappadokien und dann schnell raus“ „Haben Sie keine Angst und sehen Sie sich ruhig noch mehr an. Wir heissen Sie willkommen!“ Geht doch, murmele ich in meinen täglich länger werdenden Bart und trotte zu Corinne und unserem unruhig wirkenden Habash. „Alles gut. Doch bestimmt werden wir nun überwacht. Aber das werden wir ja sowieso. Nun halt von den Amis und von den Türken. Wir lassen uns nicht unterkriegen…alles wird gut!“ Und genauso erleben wir die Türkei. Ein wunderbares Land mit herzlichen Menschen!

 

Istanbul – Schmelztiegel Eurasien
Unser nächstes Ziel ist Istanbul. Drei Tage lang reisen wir durch mehrere tausend hektargrosse Sonnenblumenfelder von der Grenze Richtung Bosporus. Bestimmt ist diese Gegend in der Blütezeit ein Wahnsinns-Erlebnis. Aktuell ist alles verdorren und zur Ernte bereit. Es erinnert uns an einen Hollywood-Horrorstreifen. Alles in einem dunklen Braun, die sengende Sonne und nirgendwo eine menschliche Seele. Nur wir zwei, die auf einem alten Motorrad eine einsame Strasse Richtung Millionen Metropole entgegen cruisen. Nach vielen Stunden Fahrt in der braunen Einöde erreichen wir die Auffahrt zur Schnellstrasse und präsentieren uns für die nächsten zwei Stunden den an uns vorbeirauschenden Autos. Wir versuchen uns von den vielen Hupgeräuschen die von hinten durch unsere Helme dringen nicht aus der Konzentration bringen zu lassen. Denn schon bei 75km/h ist es auf dem Habash ein ständiges Ankämpfen gegen den Fahrtwind. Nur nicht loslassen und vom Feuerstuhl runterfallen.

Einen letzten Hügel hoch, die Sonne beleuchtet den ganzen Horizont und wir sehen eine gigantische Stadt in schönsten Farben vor uns. Der ganze Horizont ist überbaut. Wahnsinn. Und wie wir später feststellen ist dies nur ein Bruchteil von Istanbul. In unserem GPS Gerät sind drei Campingplätze an bester Lage in Istanbul eingezeichnet. Um dorthin zu gelangen, müssen wir uns dem Stadtverkehr stellen. Das ist kein Problem. Die Ausfahrten sind gut angeschrieben. Die Autofahrer anständig. Plötzlich steht alles still. Die Autos weichen nach rechts aus, halten an und lassen uns den Vortritt. Hektisch steigen sie auf und winken uns zu. Na, das nennen wir ein Willkommen!
Doch die Erklärung ist viel einfacher. Es ist Freitag. Eine halbe Stunde nach Zwölf Mittags. Der Muezzin singt zum grossen Freitagsgebet. Knall auf Fall wird alles stehengelassen und die Menschen (fast alles Männer) strömen in die nächstgelegene Moschee. Denn der Freitag ist heilig. Gut für uns.

 

Punktlandung bei David in Yesilköy
Nach hilflosem Suchen, erklärt uns ein Autofahrer, dem wir gerade seine Einfahrt in ein Resort versperren, dass es hier schon seit über 10 Jahren keine Campingplätze mehr gibt. Der Boden sei zu wertvoll. Sein Haus steht auf dem ehemaligen Gelände. Auf die Frage, ob wir der alten Zeiten willen auf seinem Boden campieren dürften, lacht er und meint, dass es da keinen Quadratmeter Wiese mehr gibt. Jedoch bringt er uns zu einem Freund, der ein kleines Hotel betreibt. Und so landen wir im teuren Viertel Yesilköy bei David’s Airport Butik Hotel. Er ist ein cooler Typ mit einem grossen Herz für Traveller. Wir bekommen für einen kleinen Preis ein sauberes Zimmer. Habash bekommt einen separaten Platz im Innenhof. Perfekt.

Wie sich herausstellt, ist David Ami-Türke mit besten Kenntnissen von Istanbul. Wir erhalten täglich Tipps und kleine Zettel mit den Sehenswürdigkeiten und besonderen Orten die wir besuchen sollten. Ebenso täglich einen weiteren Zettel mit den Busverbindungen. Da unser Türkisch inexistent ist, zeigen wir einfach jedes Mal den einen Zettel, wenn ein Bus an der Strasse hält. Manchmal werden wir mitgenommen, manchmal nicht. Die Must-see auf dem anderen Zettel schaffen wir nie alle an einem Tag. Es ist einfach zuviel. Wir sind es uns nicht gewohnt, uns durch Millionen von Touristen zu quälen und alles schnell aufzunehmen. Ich meine, stell Dir vor: Drei Mal die Bevölkerung der Schweiz und die alle leben auf der Fläche des Kantons Bern (ca. 5000qkm). Man spricht hier von täglich 24 Millionen Menschen, die diese Stadt zum Pulsieren bringen. Einwohner, Touristen, Flüchtlinge…sie alle sind in dieser gigantischen und gleichzeitig faszinierenden Stadt unterwegs. Und es scheint alles nahtlos zu funktionieren und in einem ständigen Fluss zu sein. Wir haben noch nie eine so saubere Grossstadt gesehen. Alles ist gepflegt, es sind wunderschöne Grünflächen angelegt, der öffentliche Verkehr funktioniert wie eine Schweizer Taschenuhr (haha), trotz der ständigen Bewegung erscheint uns Istanbul total relaxt. Wir fühlen uns sofort wohl und sind auch spätabends unterwegs. Nie haben wir uns unsicher gefühlt. Vielleicht ist dies auch den Kameras geschuldet, die Dich auf Schritt und Tritt begleiten. Egal wo Du gerade bist, irgendjemand ist immer bei Dir. Da erinnere ich mich gerne an den Grenzübergang. Selbstverständlich werden wir überwacht. Bitte lächeln und niemals den Mittelfinger zeigen!

Morgens und Nachts zurück in unserem Quartier in Yesilköy staunen wir über den Luxus der sichtbar an jeder Strassenecke steht. Porsche, Mercedes, Maserati, Audi. Nur die teuersten Schlitten. Alle mit Turbo. Die Häuser sind beleuchtet und sehen aus wie kleine Paläste. Sehr sympathisch erscheinen uns die vielen alten Holzhäuser aus vergangener Zeit, die erhalten und renoviert werden. Zwischen den Marmorpalästen sind dies wunderbare Farbtupfer und erscheinen sehr würdevoll. David empfiehlt uns, nicht in der Gegend um das Meer essen zu gehen. Dies würde locker ein Wochenbudget verschlingen. Und so wählen wir kleine türkische Restaurants aus und geniessen die Spezialitäten.
Und lernen: Kebab ist nicht gleich Döner;-)


Geschichten wohin man blickt
Wenn es einen Ort gibt, wo alle Zeitepochen, historische Geschichten, Religionen, Lebensphilosophien bis in die moderne Zeit verschmelzen, dann ist es definitiv Istanbul. In der römischen Zeit und im anschliessenden Byzantismus haben von hier in Konstantinopel die Kaiser geherrscht. Im 14. Jahrhundert wurden die Gebiete in Westanatolien von den Osmanen erobert und übernommen. Aus Konstantinopel wurde Istanbul. Vom Top Kapi Palast aus, haben dann Sultane (osmanische Kaiser) und von der blauen Moschee aus die Kalifen (muslimische religiöse Führer) das osmanische Reich bis ins 20. Jahrhundert beherrscht. Erst um 1923 hat der erste Präsident Atatürk das osmanische Reich geeint und die heutige Türkei ausgerufen.

Noch heute versprüht die Stadt diesen orientalischen Zauber aus 1001 Nacht. Die vielen prunkvollen Moscheen, die hektisch wirkenden Bazare und die entschleunigenden Teehäusern mit ihren tiefen Tischen und den Sitzkissen, lassen Dich gleich beim Hinsetzen augenblicklich in eine andere Welt versinken. Ebenso wichtig war und ist die Stadt am Bosporus noch heute wegen ihrer Lage. Als Verbindung, zwischen dem europäischen und dem asiatischen Kontinent ist sie nicht nur ein kultureller Schmelztiegel. Ihr kommt wirtschaftlich und politisch eine besondere Bedeutung zu. Vor den Toren Istanbuls ankern hunderte grosse Schiffe und warten auf die Passierung des Bosporus als Zugang zum schwarzen Meer. Bei unserer Fährenrundfahrt zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil Istanbuls, kreuzen uns kleine Motorboote, Fischerboote, andere Fähren und eben diese riesigen Frachter. Alles hat dabei seine Ordnung. Anscheinend kennt jeder genau seine Route, so nahtlos fügen sich alle Schifffahrtsteilnehmenden in den Bosporus ein. Ich als Bündner Bergler und Corinne als Oberaargauer Landei staunen und geniessen dieses geordnete Chaos.


Überforderter Fotograf
Istanbul bietet alles, was ein Fotografen Herz begehrt. Menschen, Gebäude, Landschaften, Besonderheiten. Doch ehrlicherweise muss ich gestehen: Ich habe noch viel zu lernen! Diese Stadt überfordert mich. Alles ist ständig in Bewegung. Bei den monumentalen Bauten wie die Hagia Sophia, der blauen Moschee, dem Top Kapi Palast und andere ist es gar nicht so einfach, sich zu installieren. Besonders nicht mit einem Stativ. Du bist ständig den Menschenmassen im Weg. Rücksichtlos stehen Touristen und Pilger vor die Kamera, schieben Dich weg oder laufen im ungünstigsten Moment ins Bild. Menschen zu porträtieren ist ebenso eine kleine Herausforderung. Die Menschen sagen ja gerne, doch genau im entscheidenden Moment kommt ein Kunde, der sofort bedient werden will oder es passiert sonst etwas. Da hilft nur Tchai-Tee trinken und die Kamera verstauen.

So gesehen ist Istanbul eine super Erfahrung für mich. Auch wenn ich in den ersten drei Tagen abends ganz frustriet die Bilder gesichtet und nur wenige Bilder nicht gelöscht habe, war es ein weiterer persönlicher Entwicklungsschritt. Hier unterwegs zu sein und unbedingt DAS BILD machen zu wollen, endet nicht selten im Frust. Mein Learning: Mitschwimmen im Trubel, sich treiben lassen, geniessen und erst dann an das Foto denken. Die Erwartungen an das perfekte Bild zurückstellen und die Happy-Moments am Tag nutzen. Und so gelingen auch die spannenden Bilder.

 

„Bitte…nur ein kleiner Teppich…bitte, bitte…“
„Nein Oliver und wirklich Nein. Ich will keinen Teppich für unser Zelt“. „Komm schon, die sind alle so nett und laden uns ständig zu Tee ein. Auch bekommen wir einen super Rabatt. Er sagt, der Teppich ist handgeknüpft und hält die ganze Reise durch.“ „Oli, dann kauf doch diesen Staubfänger. Und überhaupt, wo willst Du ihn hinpacken?“ Corinne ist ganz entnervt. Sie denkt, ein kleiner Perserteppich ist wohl das letzte was wir im Moment brauchen würden. Ich denke: Wäre keine schlechte Idee. Ich stelle mir vor: Am Morgen aus dem Zelt aus die grüne Plastikblache zu krabbeln und sich sitzend und schwitzend vor Anstrengung die Kleider anziehen zu versuchen, hat wenig Stil. Ein kleiner Teppich wäre da schon ein kleiner Luxus, den man sich eigentlich gönnen sollte…
„Hmm, dann halt nicht. Nie darf ich einen Teppich kaufen…“. Doch dabei muss ich selber schmunzeln. Mit Händen und Füssen schlage ich die Einladung zum Tee aus und erkläre, dass ich den Teppich leider nicht kaufen dürfe. Die Mama sage NEIN. Der Verkäufer seinerseits schmunzelt ebenso und gibt zu verstehen, dass die Frauen immer das Sagen haben. Sogar bei ihm zu Hause. Gut so….denkt Corinne.

Heute treffen wir Sabine und Uwe in der Stadt. Mit den beiden Traveller haben wir zuletzt in Albanien ein paar Tage u.a. mit dem Essen von Schafsaugen verbracht. Sie haben mit ihrem BMW Motorrad einiges mehr an Strecke in Griechenland zurückgelegt. Wir freuen uns auf dem Austausch von Geschichten und Erlebnissen bei Chai-Tee und Pide Broten (türkische Pizza). Unser gemeinsamer Tenor: Was wir alle bisher in der Türkei erleben ist eine grosse Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. Und gleichzeitig aber auch ein Vermeiden von Gesprächen zur aktuellen politischen Situation. Nur in „sicheren“ Orten wie z.B. Autos werden Eindrücke der aktuellen Türkei besprochen. Zu gross ist die Angst, dass man abgehört wird. Kein schlechtes Wort über den Präsidenten, den viele hier am liebsten wegwünschen. Das Ausbleiben der europäischen Gäste in Istanbul sei ja klar sicht- und spürbar. Dass so viele Touristen plötzlich aus arabischen Länder kommen, besorgt viele Menschen. Die arabischen Ninjas verunsichern die liberalen muslimischen Türken. Leider sind es oft auch nicht die vermögenden Araber, sondern vor allem deren Mittelstand, was bedeutet, dass diese kaum auswärts essen, geschweige denn nur günstige Touristenhotels buchen und immer über Rabatte diskutieren. Es scheint ziemlich verzwickt zu sein. Wir vier haben keine klare Meinung dazu, sondern hören einfach den Menschen zu, beobachten und vermeiden politische Diskussionen. Das scheint uns das Beste zu sein.

 

Ach ja:  Wenn schon kein Teppich, dann mindestens neue Reifen. Unsere Schlappen sind zwar durchaus noch in Ordnung, doch immer wieder habe ich in Internet-Foren gelesen, dass es in Georgien, Armenien oder Iran mit dem Besorgen guter Reifen eher  schwierig werden könnte. Besser in der Türkei schauen. Da Ural hier eine offizielle Vertretung hat (die letzte vor Kapstadt), setze ich mich mit denen in Verbindung. Die pure Enttäuschung. Schon eine Woche vor dem Bayran Fest (islamisches Opferfest) wollen die wohl nicht mehr arbeiten. Nur ein Reifen für 270 Euro, kein Luftfilter auf Lager, keine Hardyscheibe, kein mineralisches Öl, rein gar nichts, was es für einen Service braucht. Unglaublich…in der Schweiz haben wir gute Erfahrungen mit dem Ural Importeur gemacht. Die Empfehlung das Netzwerk in der Türkei zu nutzen, entpuppt sich als Katastrophe. Null Interesse an gar nix. Wir haben unseren Habash liebgewonnen, doch einen Moment lang zweifeln wir wirklich, was wir uns da angetan haben…und so kommen wir über Suchen und Empfehlungen zur Eingangs erwähnten Geschichte mit Ali, dem „wheelie-cruisenden“ Supermechaniker.

 

A propos Reifen: Die sind in der Türkei so teuer, da haut es Dich regelrecht um. Der Reifenhersteller Heidenau wollte uns supporten und über ihre Filiale 3 neue Reifen zukommen lassen. Der Preis bei uns in der Schweiz liegt etwa bei 95 CHF pro Stk.. Mit Einfuhr, MWST (80%!!) und Lieferung kosten die drei dann in der Türkei 720 Euro. Ist ja unfassbar. Wir gucken über die Grenze, schreiben Bikeland in Georgien an und zwei Tage später die Bestätigung: Drei Reifen des gleichen Typs inkl. Montage für 420 Euro. Da schlagen wir gleich zu.

Nach 8 Tagen Highlife und wohl 100 Kilometer Fussmarsch wollen wir weiter. Istanbul loszulassen ist nicht so einfach, da es uns so gut gefallen hat. Und gleichzeitig sind wir gespannt, weitere Teile der Türkei zu entdecken.

 

Mehr zu Istanbul:  https://de.wikipedia.org/wiki/Istanbul