Operation Wüstenfrosch


Operation Wüstenfrosch
Na klar, es hat sein müssen. Wie denn auch sonst. Gestrandet. Wortwörtlich.
„Aber Corinne, die ersten drei Kilometer sind ja nicht schlecht gelaufen. Voll sliden im 2WD. Hat Spass gemacht. Erst als Ahmar mich zwischen die Dünen gewunken hat, hat sich Habash wie ein Frosch in den Sand plumpsen lassen.“ Ich versuche eine Erklärung zu finden, warum diese Operation Oman Wüste Wüstenfrosch und nicht Wüstenwiesel heisst.
„Schlicht und einfach zu schwer“ meint Corinne.
„Wo ich doch etwas abgenommen habe. Das ist nicht fair!“ jammert der gescheiterte Held.
„Du auch“, meint Madame nur trocken.
Ahmar lächelt, schnappt sich eine Schaufel und versucht Habash vom Sand zu befreien. Der Auspuff ist gar nicht mehr zu sehen. Bei jeder Schaufel, auf der er den goldig schimmernden Sand durch die Luft schleudert, rutscht der nächste nach. Schaufeln reicht nicht. Wir müssen uns rausziehen lassen.
Ahmar bin Wahibi, er der Beduine und erfahrene Wüsten Guide hat sich total verschätzt. Er hat uns zum Start der Wahiba Sands abgefangen und seine Ratschläge angeboten. Wir waren überzeugt, dass wir in die Wüste reisen und dort in den berühmten omanischen Dünen irgendwie campen können. Ok, schon beim hereinfahren von Bidiyah her haben uns diese gewaltigen Sandberge links und rechts Eindruck gemacht. Natürlich wussten wir nicht, wie wir da je hochkommen sollen. Doch ein guter Plan entwickelt sich erst, bei der Umsetzung keines Plans. Wird schon irgendwie. Als uns klassische Wohnmobile entgegenkommen, sind wir überzeugt, dass wir dies auf jeden Fall irgendwie schaffen werden. Bis zu dem Zeitpunkt, als wir die total kaputte Front des ersten entdecken und zwei unter Schock stehende Deutsche (das konnte man durch deren riesige Frontscheibe sehen) ihr Monstermobil 20 Meter vor der Asphaltstrasse endgültig im Sand versenken. Total entnervt steigen die beiden Mitsechziger aus und versuchen auf Deutsch die herumstehenden Leute zum Schieben zu bewegen. Kopfschüttelnd steigen wir beide von unserem Moto ab und helfen mit. Und da tritt Ahmar in Erscheinung. Unkompliziert packt er an. Das Dankeschön haben die Alten schlicht vergessen. Dankbar ist anders. Hauptsache schnell aus der Wüste raus, steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Lächelnd steht Ahmar da und stellt sich vor. Oh, es scheint, als hätten wir eine Legende vor uns. Persönlich mit Prinz Charles und der Queen bekannt, führte er in jüngeren Jahren eine Wüsten-Expedition von Salalah im Oman Wüste, durch Saudi Arabien bis nach Kuwait. Eine gigantische Strecke, erstmals vor vielen Jahrzenten von einem Engländer gemacht. Dessen Sohn wollte dies wieder im Zusammenhang mit einer Charity Sache tun und hat unter anderem Ahmar angeheuert. Nach erfolgreicher Durchquerung wurde er in England im Königshaus geadelt. Wow.

Heute lebt er mit seiner Familie am Rande der Wahiba Sand und organisiert Wüstentrips. Er lädt uns zum Tee und Datteln ein. „Kommt zu mir nach Hause. Das wäre doch ein guter Test für euren Habash.“ Der Kampfname unseres Gefährts gefällt ihm ganz gut, gibt es im Arabischen fast den gleichen Namen und man spricht ihn auch so aus. OK, zurück zum Sandkasten.
Er ist überzeugt, dass wir mit unserem Wüstenfrosch locker bis zu seinem Haus fahren können, welches ein paar Kilometer weiter entfernt in der Wüste liegt. Nun, seit einer Stunde versuchen wir den Wüstenfrosch aus dem Sand zu befreien. Der 4×4 Hilux hat‘s nicht geschafft. Nun hat Ahmar seinen 4.5L Landcruiser geholt, welcher ebenso vor sich her spult. Man könnte meinen, dass dies ein leichtes Unterfangen für ein so mächtiges Fahrzeug sein sollte. Wohlverstanden, das Gepäck haben wir abgeladen. Nach vielen Versuchen gelingt es uns schlussendlich, Habash aus seinem sandigen Elend zu befreien. Am Abschleppgurt und mit 2WD Vollgas schafft es die Wüstenlegende, uns bis zu seinem Haus zu ziehen.
Für uns ist definitiv klar: Mit dem Habash gewinnst Du niemals eine Wüstenrallye. Eine Befürchtung wird zur wichtigen Erkenntnis. Sandwege mit harten Untergrund sind easy machbar. Tiefsand oder Dünen unmöglich…schlicht UNMÖGLICH!

Naja, wenigstens haben wir trotzdem die Möglichkeit, in die Dünen gebracht zu werden und dort zu campen. Der Plan geht also auf…irgendwie…cool! Für etwas Geld bringt uns Ahmar mit seinem Cruiser zu seinem Lieblingsspot. Kaum über die erste grosse Düne gefahren, erstreckt sich vor uns das gewaltige Sandmeer. Es scheint, als wären wir ganz alleine auf dem Planet Wüste. Und so geniessen wir unseren verdienten Abend in den Wahiba Sands. Und Habash, der Wüstenfrosch? Der hat sich eine Denkpause verdient…

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Schwimmen kann er auch nicht…
In den nächsten Tagen reisen wir nach Sur an der Küste, erleben dort wie man die berühmten Dhauws baut. Wieder holt uns die ganze Verschiffung nach Afrika ein. Mit so einem Holzschiff nach Somaliland. Verlockend. Dies geht uns einfach nicht mehr aus dem Kopf. Gespräche mit Leuten in Sur lassen uns erahnen, dass es vielleicht eine Möglichkeit geben könnte. Jedoch raten uns die Einheimischen klar von diesem Unterfangen ab. Bis jetzt spricht einzig unsere Abenteuerlust dafür. Aber wohl noch nicht genug stark, denn wir entscheiden uns die Küste hochzufahren Richtung Maskat und nicht runter nach Salalah. Nach dem Baden am White Beach bei Fins, machen wir wieder Abstecher in verschiedene Wadis. Besonders gefällt uns das Wadi Dayqah. Eine kleine Geschichte dazu.

„Nein, nein, nein….schnell raus, abladen sofort! Das glaube ich ja nicht. Im Sand verhälst Du dich wie ein Plumpsfrosch, im Wasser wie ein Stein. Das glaube ich nicht. Von mir aus kannst Du nach Hause gehen. Idiot!“ Fürchterlich ärgert sich Oli über Habash. Der tut mir schon fast leid, der Habash. Es scheint, als wäre die dritte kleine Wasserdurchfahrt am heutigen Tag einfach zuviel. Naja, Wasserdurchfahrt ist wohl übertrieben. Die ersten beiden Male waren es vielleicht 30cm Wassertiefe. Da haben wir noch gelächelt. Bei 50 sind wir nun gescheitert. Doch es hätte fast gepasst…Auf den grossen, zu Fahrspuren gelegten Steinen kommen wir eigentlich ganz gut vorwärts. Doch ein entscheidender Fehler haben wir begangen: Der Motor war noch heiss…Sobald der Motor ins Wasser eingetaucht ist, hat er sich sofort abgekühlt und ist sofort ausgegangen. Das ging blitzschnell. Und da stehen wir nun verzweifelt im Bach, der Auspuff unter Wasser, Motor abgestellt, keine Chance ihn wieder anzulassen. Zum Glück ist der Luftfilter-Einlass nicht im Wasser. Trotzdem packen wir sofort alles ab, schleppen die Taschen an den Rand und versuchen, den Habash rückwärts aus dem kleinen Bach zu rollen. Was bei den Steinen fast ein Ding der Unmöglichkeit scheint. Nach einer Stunde steht er endlich so schräg, dass die beiden Auspuffrohre etwas aus dem Wasser schauen. „Oli, versuch mal den Motor zu starten!“ „Groaaarr….“ „Wie geil ist das denn. Er läuft wieder. Yeahhh!“
Sofort den Rückwartgang rein und mit Vollgas raus aus der Misere. Geschafft!

Erst jetzt nehmen wir war, in welcher gigantischen Umgebung wir uns befinden. Wir machen uns das Wasser, den vermeintlichen Feind zum Freund und gehen baden. Und wir bleiben auch gleich hier für die nächsten Tage. Es ist ein Traum. Unverhofft kommt oft!

Der Besuch der Familie Al Habsi am Tag 3 lässt uns den gescheiterten Wasserüberquerungsversuch endgültig vergessen. Denn a) scheitern sie mit ihrem Toyota Geländefahrzeug ebenso an der gleichen Stelle – natürlich helfen wir ihnen da wieder raus b) sie campen dann auch gleich bei uns – es wird ein tolles Omani Generationen Fest. Grillen, Kochen, gemeinsam essen, Lachen. Wir erleben ganz grosse Gastfreundschaft. Danke an die Al Habsis – das war ein toller Tag!

Das Wadi Dayqah bleibt uns in absolut bester Erinnerung. Wir haben wieder einmal eine neue Grenze fürs Moped kennengelernt, entspannende Tage am Wasser gehabt, endlich den Brunetti in Venedig fertig gelesen (Corinne).


Maskat und so weiter…
In Maskat stehen wir am wunderschönen Qurum Beach. Direkt am Strand, mitten in der Stadt. Genial. Hier gibt es sogar eine Sprinkleranlage, die in der Nacht läuft und unser Zelt vom Sand reinigt…besser geht nicht. Wir lernen Carla kennen. Die Schweizerin verbringt jedes Jahr mehrere Monate im Oman. Sogleich verabreden wir uns zum Bummel durch das alte Maskat. Wunderschön am Meer gelegen ist es der totale Kontrast zu Dubai. Kaum ein hohes Haus. Viele alte Gebäude aus der Seefahrer Zeit, im Kolonialstil. Weiss gestrichen. Nostalgie kommt auf. Im Hafen ankert eine der grössten Yachten dieser Welt – sie gehört dem Sultan. Doch dies ist der einzige Protz den man von ihm entdeckt. Der Palast und die dazugehörenden Regierungsgebäude sind zwar aus riesig, jedoch sehr schlicht gehalten. Er ist eben ein Sultan und kein Scheich, denken wir uns. Natürlich besuchen wir den Bazaar. Anders als im Iran ist es so, dass es hier stark touristisch ist. Kein Wunder, es legen wöchentlich 6-7 grosse Kreuzfahrtschiffe an. Maskat ist eine der berühmtesten Stationen auf den Seefahrer Routen. Und trotzdem gelingt es den Omanis ihre Hauptstadt im traditionellen Flair erscheinen zu lassen. Es ist gemütlich hier.
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Langsam aber sicher gehen unsere 3 Wochen zu Ende. Wir entscheiden uns, den direkten Weg Richtung Hatta in den Emiraten einzuschlagen und mal zwei Tage auf dem Highway durchzufahren. Ein letztes Mal campen in einem Wadi vor der Grenze, Einreisestempel der UAE erhalten und zurück nach Dubai. Halt! Das mit dem Stempel ist nicht ganz einfach. Um im Wadi zwischen Oman und UAE zu nächtigen, müssen wir den Ausreisestempel der Omanis haben. Wie wir dann eindringlich erfahren, muss der Stempel vom gleichen Tag sein, um in die UAE einzureisen. Also nochmals alles zurück, Diskussion mit dem Zollchef der Omanis – schlussendlich bekommen wir dann doch noch einen und schon sind wir wieder im Vereinigten Königreich der Emiraten.

Die letzten drei Wochen waren ein absolutes Highlight. Wir sind vom Oman begeistert. Was uns am besten gefallen hat:

– Freies Campen – Überall
– Die traumhaften Wadis
– Sympathische, offene und gastfreundliche Einheimische
– Zerklüfteten Berglandschaften
– Die unendliche Wüste
– Die Häuser der Omanis – bunte, kleine Festungen
– Die vielen Kamele
– Datteln und Fladenbrot
– Kilometerlange Sandstrände
– Wir fühlten uns sehr willkommen und total sicher

Locker könnten wir hier zwei Monate unterwegs sein.
Wir kommen wieder!