Von der Lust & dem Campingfrust


Die Fahrt durch die Berge ist schweisstreibend. 42 Grad. Um einiges höher bei unserem russischen Freund. Im kalten Russland geboren, muss er sich hier wohl auf dem falschen Planet fühlen…Immer wieder Pausen ohne Schatten um den Boxer Motor abkühlen zu lassen. Unser Wasser geht auf die Kühlung drauf, anstatt in unsere durstigen Kehlen zu gelangen. Doch der Habash ist ein kleines Wunder. Bei genügend Ruhepausen sammelt er immer wieder seine 40 PS Kräfte…weiter geht’s…

Und das Brutale beim Motorradfahren…ziehst Du die Jacke ab, um selber luftgekühlt zu fahren…krebsrote Arme am Abend…das musst Du einfach durch. Schliesslich haben wir keine Kreuzfahrt alles inklusive gebucht….sondern eine Überlandfahrt alles exklusive;-)

Und überhaupt…das Jammern überlassen wir wenn schon den Einheimischen. Unterwegs sprechen wir immer wieder mit Menschen. Hier in den Bergregionen sind sie extrem zuvorkommend und freundlich. Und dennoch ist es hör- und spürbar, wie ungünstig die aktuelle Situation aktuell in Griechenland ist. Schuld ist der Euro oder die Deutschen. Zugegeben, sie erwähnen immer auch, dass sie ja auch dazu beigetragen haben. „Doch vor allem die da in Athen (Politiker) versauen alles. Die zocken einfach ab und das einfache Volk muss immer neue Steuern bezahlen. Am Besten wäre die Drachme zurück. Und ein Schuldenerlass. Genau, alle Schulden streichen. Das wäre das Beste.“ Wir hören ihnen zu.Gerade weil die Menschen einen sehr sympathischen Eindruck machen und wir einen ehrlichen Eindruck bekommen haben. Es klingt nicht nach Jammern, eher um Ächzen der aktuellen Situation oder um eine realistische Einschätzung. Machen können wir eh wenig, ausser dass wir im Minimarkt die überaus hohen Preise bezahlen und hoffen, dass sie wenigstens mit dem Geld sorgfältig umgehen. Oder eben die in Athen.

Erholung im Naturpark vor Kastoria
„Nein, nein, wir wollen unbedingt hier bleiben. Bären sind unsere Freunde“ beschwichtigt Oli die hübsche Frau hinter dem Tresen. „Und es ist ihnen schon bewusst, dass wir hier ein Natur & Naturpark sind und die Bärenmama und ihre zwei Kleinen in der Nacht herumspazieren könnten. Bleiben Sie in der Nacht am Besten im Zelt. Ansonsten können sie im Fluss baden, dort hat es Flussotter. Die Bären kommen da nicht hin. Viel Spass bei uns!“.

Endlich. Meine Chance. Wir platzieren unser Zelt unter einem schattenspendenden Baum. Gleich daneben die Pflaumen-, Apfel- und Zwetschgenbäume. Alles wächst einfach wild. Bedienen Sie sich. Oli sammelt Beeren und Pflaumen und macht eine Bärenschale bereit. Genug weit vom Zelt weg, um sie dann beobachten zu können. „Dieses Mal klappt es!“ freut er sich.

Zwei Tage später. In der Zwischenzeit haben wir tagsüber Kastoria besichtigt, im Fluss mit den Flussottern gebadet (kein Witz!) und die Souvlakis beim Restaurant genossen. Die Beeren für die Bären vergammeln langsam…nach schönen Tagen im Park Mesopotamia ziehen wir trotzdem gut gelaunt weiter und besuchen auf dem Weg zum Mt. Olymp die Wasserfälle in der Stadt Edessa.

 

Kastoria: https://goo.gl/maps/G1G4iL6FJpp

 

Vom Mt. Olymp und vom Frustcampen
„Der Mt. Olymp. Berg der Götter. Dort wollen wir als nächste hoch. Ganz nach dem olympischen Motto: Dabei sein ist alles. Oli, da schaffst Du auch“ Corinne hüpft vor Freude von einem Bein aufs andere…oder wegen ihrem dringenden Bedürfnis…ich weiss das nicht so genau. Denn wieder steht wandern auf dem Programm. Oli’s Lieblingssport.

Von Edessa sind wir zum Mt. Olymp an die Küste runtergerast (Höchstgeschwindigkeit sage und schreibe 84km/h – yeah) und suchen nun verzweifelt nach einer Bleibe. Und genau jetzt sind wir mittendrin statt nur dabei. Alles ist vollgepflastert mit Wohnwagen und Campern. Es bleiben meistens nur ein paar Quadratmeter um sein Zelt irgendwo dazwischen aufzubauen. Die Preise dafür sind trotzdem bei 18-23 Euro ohne Strom (1x Handy aufladen 1 Euro). Die Toiletten sind sehr einfach und bedürften meistens mehr als 1 Reinigung alle 36 Stunden. Essen in einem Restaurant scheint gemessen an unserem Tagesbudget als Investition denn als Tagesausgabe. Ach ja…wir lieben Musik…sogar Trance und Techno haut uns nicht um…habe ich erwähnt dass die einzigen Plätzchen auch meistens neben der Freiluft Disco sind….Wir sind ganz einfach in den Hammer gelaufen und überfordert…nach der bisherigen Zeit holt uns die Realität ein. Wir fliehen. Der Mt. Olymp kann uns mal gestohlen bleiben. Um alleine da hoch zu kommen, müssen wir uns anders organisieren. Wir haben nur ein Rucksack…das reicht nur fürs Wasser und es ist aktuell extrem heiss. Unsere Stimmung ist sowieso etwas bedrückt, weil wir irgendwie nicht ins hiesige Campingvolk passen. Und der gutgemeinte Vorschlag von einem Guide, dass er uns für 350 Euro pro Person auf den Gipfel bringt, war es uns nicht wert. Nach zwei schlaflosen Nächten ist es Zeit weiterzuziehen. Thessaloniki.


Flucht in den Osten
Das nächstgelegene Camping ist ausserhalb Nähe Epanomi. Auf der Website verspricht es die Möglichkeit zu campen, an den Strand zu gehen, zu vernünftigen Preisen zu essen. Sogar Wifi für den Blog. Doch auch hier das gleiche Bild. Puh…hart. Obwohl wir zu Gute halten müssen, dass der Strand und die Liegen toll sind. Leider durften wir unser Schattenspender (Plane) nicht aufbauen, da dies das Design des Campings passen würde…hä? Das Essen im Restaurant hat leider auch nicht dazu beigetragen, dass die Camping-Liebe durch den Magen ging…Voll der Frust. Thessaloniki besichtigen wir als Stadtdurchfahrt mit dem Habash. Wir wollen weiter.

Neues Ziel. Neuer Versuch. Ab zu den Thrakern. Dem trinkfreudigen und rauhbeinigen Volk aus der Antike. So wurde sie von den Griechen früher beschrieben.  https://de.wikipedia.org/wiki/Thraker
Klingt sympathisch. Werden die Rhätier (Olis Herkunft) doch auch etwa so beschrieben.

Und so reisen wir der Küste entlang Richtung Osten. Beim Zwischenstopp in Kavala geniessen wir dabei die besten Kalamari ever und kommen dann am Camp Nature in der Nähe von Xanthi an. Ein Ort des Campingschreckens. Mittlerweile gestählt durch die letzten Tage sind wir nun total verzweifelt. Da haben wir uns wohl zu viel vorgestellt. Und wenn unausgesprochene Erwartungen dann auch noch nicht eintreffen, ist die Enttäuschung noch grösser. Kurz: Der Campingfrust ist eingetreten.

Ziemlich sicher könnte dies in der Zwischensaison ein ganz angenehmer Ort sein. Der Name Camp Nature verspricht ja schon einiges. Doch „Natur“ sind aktuell nur die habnackten bulgarischen Camper, eine Mischung aus Gewichthebern und Vororts-Schönheitskönigen/Innen, die den Strand bevölkern und dir das Gefühl geben, untergewichtig zu sein (gemeint ist Oli, nicht Corinne). Doch selbstverständlich sind meine Aussagen nicht fair, denn sie haben auch das Recht hier Ferien zu machen (Frustaussage…)
Unser Plätzchen bekommen wir an einem ganz guten Ort. Zum Glück weit weg von den Toiletten. Diese sind einfach unter jedem Hund. Hier können wir nicht lange bleiben. Und wir sollten nichts essen. Denn wehe dem, der sich mal erleichtern muss. Da ist der Aspekt, dass wir neben der Folklore Gruppe campen, schon total vernachlässigbar. Nein, es ist ein Erlebnis. Der Abend naht. Der Grill ist vollbelegt, es duftet nach gebratenem Speck. Zusätzliche Tische und Stühle werden hergeschafft. Uns schwant Übles….wie von Geisterhand aufgestellt, stehen da plötzlich grosse Boxen, Mikrofone, Licht…..puhhh….aber auch das werden wir überstehen;-)

Unser Plan, hier 3 Tage zu bleiben und Blogberichte zu schreiben, geben wir nach einer weiteren schlaflosen Nacht auf und verlassen das Camp Nature fluchtartig…

Versuchen wir unser Glück doch besser in Alexandropoulis – Hauptstadt der Thraker!