Xsoah – Ein Hoch auf den schwarzen Drin


Albanien zum Zweiten.

„Hey Corinne und Michi, wollen wir heute Abend ein Buschbrot backen? Weisst du, ich meine so eines mit einer leckeren braunen Kruste – wie eben der Sacha sie zaubert. Eines, in das man am liebsten gleich reinbeisst. Eines, welches wir als Kinder für zu Hause kaufen mussten und es nicht unterlassen konnten auf dem Heimweg hineinzubeissen. Um es dann umgekehrt wieder in die Packung zu stecken, damit es Mama nicht merkt!“
Während meiner eigenen Beschreibung läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Frisches Brot, belegt mit leckerem albanischem Hirtenkäse und saftigen Scheiben Gurken, welche wir von einem Bauer aus Freundschaft geschenkt bekommen haben. Vor lauter Tagträumen höre ich schon gar nicht mehr, dass mich Corinne zum dritten Mal fragt, woher denn die Zutaten stammen sollen. Zurück in der Realität antworte ich ihr auf ihre Frage: „Da vorne hat mich ein cooler Typ gefragt, ob ich Wheat kaufen wolle. Er habe auch noch andere Zutaten. Cool oder?“

Michi: „Oje Oli. Wheat zum Brot backen ist es wohl nicht, was er dir angeboten hat. Von diesem Stoff wird man ganz schön relaxt und stoned“. „Hää?? Von Brot mit Gurken?“, so der völlig überraschte Oli. „Mann, das ist Cannabis und wohl noch ganz anderes“, antwortet Corinne mit einem süffisanten Lächeln. „Ich hoffe doch sehr, dass Du ihm gesagt hast, dass wir am liebsten dunkles Brot backen.“  „Jaja. Ich habe mir schon gedacht, dass da was faul ist. Der hat mit seinen Goldringen und seinem Cap ja auch nicht gleich wie ein Bauer ausgesehen. Aber man weiss ja nie. Wer will Cannabis Brot mit Gurken heute Abend?“

Niemand. Schade. Wäre sicher lustig geworden…


Dem schwarzen Drin entlang – Habash goes offroad!

Wir befinden uns mittlerweile bei Ardit am schwarzen Drin und haben soeben auf unser Flower Power Brot verzichtet. Er ist der Chef der Fluss-Bar ärgert sich über die nervigen Halunken, die seine Gäste belästigen. Mit viel Freude serviert er uns dafür albanischen Salat, Hähnchen, Yoghurt, frisches Brot und 4 Bier. Auch dürfen wir bei ihm campen. Nachdem wir die letzten drei Tage auf holprigen Strecken unterwegs waren und wild gecampt haben, ist dies eine tolle Abwechslung.

Von Valbone her sind wir als Moto Team (Michi und Miriam / Corinne und Oli) zuerst auf einer kleinen, dafür herrlich asphaltierten Strasse im Nordosten Albaniens unterwegs gewesen. Unser erstes Wildcamp haben wir mit einer fantastischen Aussicht auf die umliegenden Berge verbracht. Wieder Krüsimüsi kochen – alles in einen Topf – herrlich. Dann nach Kukes, runter nach Kolesjan, wo der Einstieg (oder besser: der Abstieg zum Drin startet). Danach auf Feld- und Steinwegen durch eine wilde Landschaft. Hin und wieder mal ein Bauernhof. Das nächste Camp am Nebenfluss des Drin ist ein Highlight. Stell Dir vor, es ist 36 Grad heiss und plötzlich taucht eine Brücke auf, ein Flüsschen mit Badebecken…das ist wie im Himmel! Fast genauso schnell geht es und die gwundrigen Mädchen und Knaben aus den Bergtälern sind bei uns und wollen wissen, wer denn da Halt macht. Also sitzen sie einen Meter vor Dich hin und gucken zu. Wir – wie die Affen im Zoo. Sollen wir sie unterhalten? Wollen die etwas zu essen? Geschenke? Nein, alles lehnen sie ganz herzlich ab. Sie sind einfach neugierig. Ihr Englisch ist nicht sehr viel, doch mehr als wir es in diesem Alter gekonnt hätten. Alles wird mit einem kräftigen Kopfnicken und Yes beantwortet. „Wollt ihr die ganze Nacht bleiben.“ „YES.“ „Puhh…“

Ein Bauer taucht an der Brücke auf. In der Hand etwas, was von weitem wie eine alte Pistole aussieht. Hoppla. „Herzlich Willkommen in Albanien“, so die uns zugerufenen Worte. Plötzlich erinnert sich Oliver an das Haus der Blutrache in Theth. Haben die da nicht etwas von Vergeltung gesprochen. Doch wofür? Wir haben uns ja gar nichts gemacht oder zuschulden kommen lassen… Der Bauer beschleunigt seine Schritte und streckt den undefinierbaren Gegenstand vor sich hin. Er ist bei uns. Sein breites Lächeln macht uns eher unsicher. „Liebe Freunde, ich begrüsse Euch bei uns. Ich freue mich, dass ihr hier seid. Hier ein Geschenk von uns an Euch“. Frische Gurken. Was sind wir doch für elende Angsthasen.

Überhaupt ist es faszinierend a) dass uns dies fast jeden Tag passiert (Gurken, Milch, Raki eine Art Grappa) und b) was die Bauern hier alles hängen haben. Noch selten habe ich so viele frische Früchte und Gemüse in Gärten gesehen. Wohl so stellt man sich den Garten Eden vor.


Hey Corinne – Zeig uns mal deine Muckis!
„Schnell raus aus deinem Luxury-Bötchen und den Habash stossen. Hopp, wir rollen den wieder runter. Jetzt kannst DU uns deine Kletter-Muskeln zeigen. Mir und dem Habash.“ Seit 3 Stunden versuchen wir nun schon, unserem russischen Gefährt endlich richtige Offroad Manieren beizubringen. Doch was ist passiert?
Mit durchschnittlich 12 km/h holpern wir bder wunderschönen Strecke zwischen Peshkope Richtung Librazhd entlang. Und jetzt passiert’s. Unserem Habash geht der Schnauf aus, er pfeift wie ein überforderter, übergewichtiger Bergläufer aus dem linken Nasenloch; resp. Einlasstutzen. Der erste Gang ist drin, doch…tok, tok, tok…jetzt haben wir auch noch das Momentum verloren. Ausgerechnet an der steilsten Stelle. Es ist Schluss. Der Motor stirbt ab. Saublöd. Corinne, flink wie ein Wiesel mit einem Kochtopf auf dem Kopf, springt von ihrem Plätzchen auf, rennt nach hinten und versucht die 630 Kilo zu stemmen. Vergeblich. Oli – the russian bomber – bringt den Rückwärtsgang rein (dieser hat die kürzeste Übersetzung und somit die höchste Effektivität der Motorbremse) und rollt die Maschine mit viel Geschick und noch mehr Glücksanft den Hügel runter. Hinter uns Albaner in einem Mercedes –  wie könnte es anders sein. A-Klasse. Und wir sind froh, dass sie nicht auf VW Käfer stehen… Sie helfen uns und laden unser Gepäck und Corinne bei sich ein. Oli holt grossen Anlauf. Groaarrrr, das russische Ungeheuer heult auf, spannt seine Muskeln, entfesselt die ganzen 40 PS und bezwingt das vor sich aufragende Steinmonster. Und ein paar weitere auch noch. Danke liebe Albis – cooli Siacha!

Hoch das Glas – Raki Raki!
Auf dem Weg haben wir noch die Begegnung der albanischen Art. Nach einer Nacht in einem kleinen Ort, begeben wir uns frühmorgens zum Djemal in sein Kaffee. Zwei seiner Freunde sind ebenso da. An deren Namen erinnere ich mich leider nicht mehr, aber an die Berufe: Strassenlampen-Elektriker und Tannenbaum Ingenieur. Die Verständigung ist nicht ganz so einfach, doch mit Zeichnen geht es einigermassen. Möglicherweise haben sie bessere Berufe, doch ich konnte halt einfach nicht besser zeichnen;-) 10:00 Die vollen 3dl Wassergläser entpuppen sich als heiss begehrter Raki Spiritus. So wie es aussieht, funktionieren alle Strassenlaternen und die Bäume im Wald gedeihen toll. In Albanien mache jede Familie ihren eigenen Raki. Entweder aus Trauben oder aus Pflaumen. Und alle haben den Besten. Das will getestet sein. Und so feiert Oli mit seinen albanischen Freunden schon frühmorgens den Tag. XSOAH!

Und wir bleiben seriös und nippen dazu ganz scheinheilig an unserem nach Trauben schmeckenden Mineralwasser und Kafi. Oder war da auch Raki drin…wer weiss denn das schon so genau….

Jetzt aber los, Rosa wartet!