Auf nach Namibia


Es geht weiter. Ins geliebte Namibia. Nach zwei Wochen im Nordenwesten Südafrikas sind wir getrieben von den Vorbereitungen für die Touren. Ebenso freuen wir uns, alte Bekannte zu besuchen. In den letzten Jahren war Oli zwar mehrere Monate pro Jahr im „Land of the Braves“, doch neben Abenteuerprojekten und Wildnis Trainings blieb immer zu wenig Zeit für die namibischen Freunde. Endlich werden wir etwas mehr Zeit haben. Erst in sechs Wochen wird Max eintreffen. Genug Zeit für die Vorbereitungen, eine sandige Fahrt entlang der Kalahari bis nach Windhoek, das Treffen mit Freunden und um nach Livingstone zur Abholung unseres Landcruiser Geländefahrzeugs zu reisen.

Uns fällt bei jedem Blick über die Landschaft auf, wie extrem trocken es ist. In Namibia hat es seit vielen Jahren nicht mehr richtig geregnet. Die kleine Regenzeit im November/Dezember ist so gut wie inexistent geworden. Aktuell befinden wir uns in der grossen Regenzeit im März. Doch nicht einmal Wolken sind am Himmel. Im Red Dune Camp, inmitten der berühmten roten Kalahari Dünen, erklärt uns die Farmerin, dass es sehr wohl eine Klimaveränderung gibt. Der Regen sei schon fast ein Fremdwort. Sie würde jeden Tag dafür beten. Aber sie würde nicht erhört werden. Sollte es dieses Jahr wieder keinen Regen geben, dann wird es richtig hart. Die Farmer müssten wohl bis 80 Prozent ihrer Tiere verkaufen. Und zwar frühzeitig, ansonsten sie niemand abnimmt. In ihrer Stimme liegt eine Schwere, die wir kaum kennen. Es sind existenzielle Aussagen. „Was nützt es, tausende von Hektaren an Farmland zu besitzen, wenn man damit nicht mal 200 Rinder und die wilden Tiere ernähren kann?“ Eine Frage, die keine Antwort braucht.

 

Bestimmt die grösste Modelleisenbahn Afrikas
Bei Rehoboth starten wir unsere Besuchstour. Im herrlich gelegenen Lake Oanob Resort werden wir herzlich vom Basterchief Christie und seiner Schweizer Frau Helena empfangen. Seit vielen Jahren entwickeln und gestalten sie ein wunderschönes Resort am Dam. Von der Idee bis heute sind 25 Jahre vergangen. Alles aus eigener Kraft und Tasche. Die beiden sind grosse Vorbilder für die Bastergemeinde in Rehoboth. Unermüdlich setzen sie sich für die Ausbildung der einheimischen Bevölkerung ein. Ihre Mitarbeitenden beherrschen einen ausgezeichneten Kundenservice. Im Dorf haben wir immer wieder Wohlwollen erfahren, wenn man uns gefragt hat, wohin wir gehen. Wir fühlen uns bei ihnen und ihrer Familie jedes Mal wohl. Nachdem die Lebensmittel Preise in den letzten drei Jahren so stark angezogen haben, bauen sie ihr Gemüse mittlerweile selber an. Ein modernes Gewächshaus, selber gebaut, gemanagt von Mitarbeitenden. Und wieder haben sie neue Arbeitsplätze geschaffen. Sie erreichen es seit Jahren, ein gutes Restaurant zu bieten, bei dem die Preise noch immer sehr moderat sind. Die vielen Gäste wissen es zu schätzen. Als Christie uns dann noch seinen „wahren“ Schatz in der Garage zeigt, sind wir sprachlos. Eine Garage mit Platz für sicher vier Autos. Doch anstelle von Bakkies, steht da eine Märklin Eisenbahn Landschaft. Und zwar über die ganze Garage verteilt. Wir erkennen die Berge der Heimat mit dem Bernina Express, wir glauben unseren Bahnhof Langenthal gefunden zu haben, weiter Städte und Dörfer. Und noch immer baut er weiter. Wer hätte das gedacht. Die grösste Modelleisenbahn Afrikas befindet sich genau hier. Gesteuert wird mittlerweile alles über eine App. „Hier kann ich abschalten und verweilen“, sagt Christie mit viel Stolz. Ich hätte nie gedacht, dass mich eine Modelleisenbahn so faszinieren könnte. Hut ab vor Euch Beiden!

 

Monteiro – Welcome back home
Sieben Kilometer vor Windhoek biegen wir in einem Feldweg ab. Monteiro „Happy Camping“ steht auf dem Schild. Es ist unser jeweils unser zu Hause wenn wir in Windhoek sind. Vanessa und Reghard sind gute Freunde, die dort leben. Seit unserer Abfahrt verfolgen sie unsere Tour, melden sich immer wieder mal, lesen unsere von Google übersetzten Blogberichte. Anscheinend hat Google den genau gleich grossen Humor wie wir. Sie müssten jedes Mal schmunzeln, wenn sie die Geschichten in Afrikaans lesen. Ob es wegen uns oder der sinnlosen Übersetzung ist, wissen wir nicht. „Bitte, bitte, liebe Slowriders, lasst es regnen. Wo ihr doch immer wieder Regen auf euren Fahrten gebracht habt, was ist mit uns?“ bettelt Vanessa. Gesagt, getan. Am nächsten Tag regnet es tatsächlich. Das erste Mal in diesem Jahr. Na bitte.

Weitere Besuche stehen an. Das zu beschreiben würde dich als Leser eventuell etwas langweilen, jedoch sicher den Rahmen sprengen. Wir haben so viel Lust auf Namibia, wir kaufen so viel Droewors, Biltong, Braaivleis und jeden Abend gibt es einen Rooibos Tee mit Amarula (Bushkafi). Die Vorbereitungen laufen gut. Manuela, die Bürochefin bei Bwana Tucke Tucke hilft uns mit ihren perfekten Kontakten beim Organisieren der staatlichen Camps in Sossuvlei und Etosha. Ohne sie würden wir noch heute auf Bestätigungen der namibischen Wildlife Behörden warten.

 

Hitradio Namibia und ein wunderbarer Zufall
Per Facebook Messenger bekomme ich eine Nachricht. Ob wir nicht bitte ins Studio für ein Interview kommen könnten. Sie verfolgen unsere Geschichte schon seit langem. Jede Woche senden sie Gespräche mit Leuten und ihren Reisen über den Äther. Hitradio Namibia.
Es ist das bekannteste deutschsprachige Radio des Landes.

Nach der Kolonialzeit, als Namibia von den Deutschen besetzt war, sind viele Farmer im Land geblieben. Sie sind heute ein fester Teil der namibischen Bevölkerung. Zwar nur um die zehn Prozent der Bevölkerung, jedoch ist ihr Einfluss unverkennbar. Namibia ist stark Deutsch geprägt. In vielen kleinen Orten und Städten wie Swakopmund, Lüderitz oder in Windhoek finden sich klassisch deutsche Häuser und Bauten. Die deutsche Sprache der sogenannten Südwester ist allgegenwärtig. Man kann sich im Land in deutscher Sprache gut zurechtfinden. Ist irgendwie total schräg, doch Afrika bietet viele Wunder. Alles mutet ein bisschen wie Deutschland vor dem ersten Weltkrieg an. Die Siedlungs- und Besetzungszeit war ja auch zwischen 1885 und 1914. Natürlich hört man diese Aussage nicht so gerne. Schliesslich lebt man hier ebenso im 21. Jahrhundert. Windhoek ist eine moderne Stadt an der Millionengrenze, der Tourismus und die Agrarwirtschaft brauchen weltweit keinen Vergleich zu scheuen. Das Funktionieren dieses Geschäftslebens wird stark durch die fleissigen und zuverlässigen Südwester am Leben gehalten.

Wir sind noch immer im Studio und berichten über unsere Abenteuer in Afrika. Kaum damit fertig, erscheint eine Whatsapp Nachricht auf meinem Smartphone. „Habe gerade euer Interview gehört. Coole Sache. Kommt doch schnell um die Ecke zu uns herüber. Wir haben eine Überraschung für Euch. Gruss Olli“. Verwundert zeigen wir die Message den Kolleginnen des Radios. Sie schmunzeln. Der Olli. Ja, wirklich gleich um die Ecke. Bei Olli von Buschmannsafari  angekommen, werden wir mit Biker Handschlag begrüsst. „Guck mal, was ich hier habe.“ Ja, es ist sie. Die Ural Maschine, die wir bei Ryno von Ural in Pretoria verpackt und nach Namibia gesendet haben. Ein schönes Ding. Wir werden für Promotion Filmaufnahmen ins Kaokoveldt eingeladen. Doch leider sind wir dann auf Tour mit Max. Lieber Olli, es hätte uns so gereizt, in deinem Werbefilm mitzumachen. Doch ihr habt dies auch ohne uns und mit der Bikerlegende Günther Kloppert perfekt hinbekommen. Wir wünschen Euch viel Erfolg bei den angebotenen Ural Touren in Namibia.

 

Mal schnell das Haghuri holen
„Brrr. Mir ist so kalt. 16 Grad. Hier drin herrscht Winter“ Corinne fröstelt vor sich hin. Und das im heissen, trockenen Namibia. Seit 20 Stunden sind wir mit dem Intercape unterwegs. Windhoek nach Kazungula in Botswana. 1500 Km in 23 Stunden. Damit der Fahrer nicht gleich einschläft, hat er die Klimanlage auf das Minimum runtergekühlt. Dafür hat er einen Pullover angezogen. Africa Rules.

Unser Freund DT aus Botswana hat unser Fahrzeug aus Livingstone in Sambia geholt. Das hilft uns. Mittlerweile sitzen wir im angenehm klimatisierten Nandos im neuen Shoprite Einkaufszentrum und warten auf ihn. „Da, er kommt“ ruft Corinne freudig. Jedes Mal, wenn wir unseren Landcruiser „Haghuri“ wiedersehen, ist es so, als würden wir nach langer Zeit ein Familienmitglied wiedersehen. Wir freuen uns, sind gespannt, wie es ihm geht und ob er eine gute Zeit ohne uns in Afrika hatte. Das Gleiche gilt natürlich für DT. Ich weiss, es klingt etwas verrückt, einem Auto einen Namen zu geben und noch viel schlimmer, es für ein lebendiges Wesen zu halten. Doch alle, die selber mit ihrem Fahrzeug gereist sind, werden uns verstehen. Allen biologischen Erkenntnissen zum Trotz, dein Fahrzeug hat mindestens in physikalischer Hinsicht definitiv eine Seele.

„Long story short“ wie die Engländer zu pflegen sagen. Alles Bestens, DT wohlauf, Haghuri schnurrt wie ein Gepard, ein paar Tage im Senyanti Wildlife Camp zum Elefanten gucken, schnurstracks die 1500 Km zurück nach Windhoek, dazwischen Uwe, Janet, Max und Rotraut auf der Airport Farm in Namibia besuchen und nun sind wir ready für die Tour. Max kommt in ein paar Tagen an.