Corona Krise als Chance?


Das kniehohe Gras hat sich von sattgrün in ein wunderbares Gelb gewandelt. Der Wind lässt die die Halme auf den Ebenen tanzen. Die Kontraste von orangem Sandboden, trockenem Gras und den grünen Dornbüschen verzaubern die Landschaft. Auch die Temperaturen haben sich verändert. Sie pendeln sich in der Nacht zwischen 6 und 9 Grad ein. Es ist kurz vor dem Monat Mai. Der Winter meldet sich hier in Namibia an. Mittlerweile ziehen wir den Reissverschluss unserer Schlafsäcke bis zum Anschlag. Nächtliche Toilettengänge werden ein ständiges Herauszögern. Bis es gar nicht mehr geht und du dich dann mühsam aus dem Schlafsack schälst, die Taschenlampe wegen der Schlangen nicht vergisst, das Zelt mit halbgeschlossenen Augen öffnest und mit den Füssen tastend in die sandigen Flipflops schlüpfst. Um dann nicht auch noch schlaftrunken in die hinterlistigen Morgenstern Dornen zu treten. An das grunzende Warzenschwein hinter dir hast du dich schon gewöhnt, die lauten Schnaufgeräusche der Weissschwanz Gnus links von dir, lassen dich nicht mehr zusammenzucken. Dann gehst du halt rechts in die Büsche pinkeln. Erleichtert im Zelt zurück stellst du dann mit einem Blick auf das Smartphone mit Schrecken fest, dass es sich nicht mehr lohnt einzuschlafen, da die Nacht sich trotzt schwarzer Dunkelheit gerade verabschiedet hat. Es ist halb sieben Uhr und der Tag auf der Farm beginnt in Kürze wieder. Willkommen in der Quarantäne in Okaperuperu, Namibia. Unser temporäres zu Hause während der Corona Krise.

 

Unser Leben abseits von Corona
Der Lockdown in Namibia wurde bis auf den 04. Mai verlängert. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt im alleinigen JETZT zu leben. Natürlich haben Corinne und ich mehrmals darüber diskutiert, wie unsere Reise dann überhaupt weitergehen soll. Jedes Mal mit dem Ergebnis, dass es wenig bringt irgendwelche Pläne zu machen, wenn man die Rahmenbedingungen weder kennt noch selber gestalten kann. Die Grenzen bleiben wohl noch Monate zu, aus dem Land kommt man nicht mehr. Alle Repatriierungsflüge sind abgeschlossen. Gerade haben wir online die Meldung gelesen, dass alle Schweizer im Ausland heil zurückgebracht wurden. Ausser uns und den anderen, die gar nicht ins verseuchte Europa zurück wollen. Wir haben noch immer über ein Jahr Reisezeit vor uns. Wahrscheinlich müssen wir gezwungenermassen unsere Ziele ändern, aber eben, wir bleiben erst mal hier und schauen dann, was möglich wird.

Im Kontakt mit Familie und Freunden zu Hause erfahren wir, dass es allen gesundheitlich gut geht. Dem einen oder anderen scheint die Decke auf den Kopf zu fallen, doch alles ist noch erträglich. „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist. Alles ist zu. Wir leiden alle gleich, das macht es zwar nicht einfacher. Den ganzen Tag zu Hause bei den Kindern zu sein, ist nicht einfach. Ich bin am Abend viel mehr kaputt als vorher. Homeoffice geht einigermassen gut. Alle hier in der Schweiz sind im selben Boot. Aber richtig viel Sorgen macht mir, was danach kommt. Die Wirtschaft leidet ohne Ende. Ich finde das alles sinnvoll, doch etwas übertrieben. Natürlich hat jeder Eltern und jeder Krankheitsfall ist schlimm. Doch deswegen die ganze Zukunft zu gefährden, ist ein echter Balance Akt. Denn wir, die jungen Leute müssen dann ja alles tragen. Wir sind es, die weniger Lohn bekommen, uns um das Überleben der Firma kümmern müssen, von unserem Ersparten leben. Die Risikogruppen erhalten in der gleichen Zeit die volle Rente. Und die höheren Krankenkassenbeiträge, die höhere Arbeitslosenquote, bestimmt auch höhere Steuern durch die vielen Ausgaben des Bundes, bezahlen auch wir. Wir, die mitten im Arbeitsleben stehen. Da ist Solidarität nicht immer einfach zu verstehen.“ Die Worte eines guten Freundes geben einem echt Anlass zum Denken. Vor allem, das sie aus dem Mund eines wohlgesonnen, ruhigen und sehr solidarischen Menschen stammen. Wenn da nur nicht ein Riss durch die Gesellschaft geht. Gemäss Medien steht man in der Schweiz kurz vor dem Peak der Pandemie. Verzweiflung scheint sich hie und da breitgemacht zu haben. Die vielen Medienberichte aller Couleur, lassen jeden Menschen glauben, was er will.

Dennoch, meine Eltern sind ziemlich relaxt und halten sich an die Regeln. Meine Mutter arbeitet seit Beginn der Krise weiterhin im Altersheim, denn wer kümmert sich denn um diese Leute? Niemand, beantwortet sie die Frage gleich selber. „Das schaffen wir. Es wird bestimmt nicht einfacher in Zukunft. Aber was sollen wir machen? Wir müssen positiv bleiben. Wir haben auch andere Krisen bestanden, das meistern wir auch. Gemeinsam“, so mein Vater überzeugt.

Was sie wirklich vermissen, ist der Besuch der Enkelkinder und der persönliche Kontakt zu Freunden. Aber das machen sie jetzt halt virtuell. Was sie auch etwas traurig macht, ist dass sie wohl in diesem Sommer mit ihrem Wohnmobil nicht auf Entdeckungstour gehen können. Und das Harley Fahren fehlt meinem Vater schon auch ein bisschen.

Wir können keine Schreckensnachrichten nach Hause senden. Eher haben wir etwas ein schlechtes Gewissen, weil so viele Menschen weltweit leiden und wir die Wildnis geniessen können. Wir haben schlicht nichts Negatives zu berichten. Dass wir mit der reduzierten Anzahl Arbeiter nicht ganz so vorwärts kommen wie erhofft, ist total nebensächlich angesichts der weltweiten Krise. Und dass im Agri Shop keine Chips und keine Erdnussbutter mehr zu kriegen sind, das ist wohl bestimmt keine grosse Erwähnung wert. Ebenso wenig, dass Bulli Beef (Corned Meat) in Öl gebraten, sogar geniessbar ist.

 

Corona als Chance?
Oli wird von der Zentrale deutscher Globetrotter angefragt, ob er einen Beitrag im Corona Spezial Magazin mitgestalten würde. Man möchte gerne, dass gestrandete Reisende typische Berichte und Bilder aus verschiedenen Ländern senden. Das wird zum kleinen Problem. Wir haben nie eine leere Strasse gesehen, keine Menschen mit Masken, keine leeren Regale. Und auch keine Panik. Afrika ist da wirklich anders. Nach mehrfachem Kontakt mit dem Journalist, entschliessen wir uns für etwas ganz anderes. Wir berichten unsere Realität mit Corona als Chance. Die Bilder und Texte begeistern die Redaktion. Denn die Krise hat ja auch ihre Chancen. Und so hoffen wir einen kleinen Farbtupfer zu setzen. Inspiration für die Zukunft. Denn es wird weitergehen. Wir wissen nicht wie, doch es wird auch danach wieder Positives zu erleben geben. Wer mehr erfahren will, das Magazin wird im Laufe des Monats Mai herausgegeben.

Immer wieder schauen wir bei unseren zwei Arbeitern im Haus vorbei. Jeremia pflegt seinen Garten und hofft, dass die Karotten und Tomaten die „Abraham Puppens“ Invasionen überleben. Er scheint Glück zu haben. Die Kampfgrillen werden täglich weniger. Es wird ihnen zu kalt. Japau sortiert und verarbeitet seine Funde in der Natur: Kartoffelähnliche Wurzeln. Er hat die Teufelskralle im Feld gefunden. Es ist die wohl begehrteste, natürliche Arznei der Welt. Nur unter strengster Aufsicht, darf diese Pflanze im südlichen Afrika gepflückt und exportiert werden. Da sie bei uns in der Wildnis natürlich vorkommt und die Besitzer keinerlei Sammel- und Verarbeitungsabsichten haben, ist es für die Buschmänner ein Segen. Es ist ihre beste Medizin. Für Alles. Die Knolle wird in Scheiben geschnitten, getrocknet und danach als Tee aufgekocht. „Du bleibst gesund. Und du wirst stark“, sagt Japau lachend. Und sie hält auch noch jung. Dem 58-jährigen Spurenleser, sind seine Lenzen nicht anzusehen. Und trainierte Muskeln habe er noch immer mehr als die jungen Spunte, ist er überzeugt. Das ist auch eine spannende Erkenntnis für uns: Der Buschmann (Stamm der Paraquena aus dem Bwabwata Gebiet im Kavango) ist der Einzige, der nicht alles todernst sieht oder sich im unterschwelligen Wettbewerb gegenüber anderen Stämmen sieht. Er kann zwar keine harte Feldarbeit verrichten (er ist der absolute Kenner der Wildnis und der Tiere), doch er hat einen feinen Sinn für Humor und lacht auch gerne mal um die Wette. Beim Herero ist das leider nicht möglich. Der ist immer so ernst oder er hat schnell den Eindruck, es sei etwas gegen ihn gerichtet.

Unsere Freunde Silke und Kobus laden uns immer wieder ein und kümmern sich um uns. Einmal kommt der SPAR Laster extra für die Farmer in die Gegend. Wir dürfen mitbestellen. Und wir bekommen von ihnen wir wieder Fleisch und Gemüse für uns mit. Uns fehlt es an nichts hier. Oli ist aktiv mit unseren Slowriders Geschichten. Er schreibt und verarbeitet unsere Erlebnisse. Es soll der Stoff für unser Abenteuer Buch werden. Vorab können Freunde und Leser unseres Blogs so mit uns reisen. Wir erhalten viele Feedbacks und immer wieder die Bitte, dieses Buch dann auch zu veröffentlichen. Ja, die Absicht haben wir. Und gleichzeitig wissen wir ja noch nicht, wo uns diese Reise überhaupt hinführt. Mal schauen, was da alles noch kommt.

 

Das erste Mal nach vielen Wochen in die Stadt
Unser Visa läuft am 02. Mai aus. Mittlerweile haben wir schon viermal mit der Immigration telefoniert. Eigentlich wollen wir nicht vor dem offiziellen Lockdown von der Farm weg in die Stadt. Doch es scheint so, dass wir nun doch nach Windhoek müssen. Der Kommandeur der hiesigen Polizei in Hochdorf stellt uns einen Passierschein für die Fahrt nach Windhoek aus. Auf dem Papier sind unsere Namen, Passnummer, genaue Tätigkeiten in der Hauptstadt, Abfahrtszeit und Rückkehr ersichtlich. Vor Okahandja stehen wir in einer Autokolonne. Zehn weitere Fahrzeuge wollen da durch. Jedes Fahrzeug wird kontrolliert, jeder Insasse muss zur Fieberkontrolle, seine persönlichen Angaben machen und unterschreiben. Erst nach einer Stunde schaffen wir es, dass wir die noch verbleibenden sechzig Kilometer nach Windhoek fahren können. Wir haben keine Masken bei uns, da wir davon ausgehen, dass die Stadt leer sein wird. Weit gefehlt. Der Verkehr ist zwar etwas reduziert, es lungern nicht ganz so viele Menschen wie sonst an den Strassenecken rum, trotzdem sind die meisten Parkplätze in der Stadt besetzt. In der Innenstadt sind dann schon wesentlich weniger Leute unterwegs, doch keine einzige Person trägt eine Maske. Bei der Immigration erhalten wir nach Diskussionen eine Verlängerung unseres Touristenvisas für weitere neunzig Tage.

Die Verlängerung des Carnet de Passage ist da schon etwas komplizierter. Obwohl wir von der Zolldirektion den Segen haben, machen die Leute am Regional Custom Office ein riesiges Theater. Das Papier sei abgelaufen. Genau. Das ist mitten im Lockdown passiert. Das kostet eine Busse. Doch damit ist es nicht erledigt. Man will uns ja nur helfen, sagt der Bürochef. Eine Dame mit einer riesig, hängenden Oberweite, die sie aufgrund der engen Kleidung gar nicht verstecken kann, stolpert auf ihren Stöckelschuhen über den sandigen Vorplatz. „Give me 100 USD. For the stamp. No problems“, haucht sie Corinne zu. Wir denken eine Sekunde daran, doch das darf nicht sein. Es ist ein reguläre, vom Chef Zollamt abgesegnete Verlängerung. Sie zieht beleidigt ab, schliesst krachend die Tür zu ihrem Büro. Es scheint, dass der Lockdown auch hier die Menschen beschäftigt und sie Chancen suchen.

Dafür werden wir dann schikaniert. Und wir machen das mit. An verschiedenen Stellen sollen wir uns melden und irgendwelche Papiere holen. Auf meinen Einwand hin, dass dies einfach nicht wahr ist und wir nicht das erste Mal dieses Carnet verlängern, droht uns der Bürochef mit der Busse. Drei Stunden fahren wir in der Stadt rum, auf der Suche nach dem Automobilclub Namibia, der zweimal umgezogen ist. Anscheinend steuern die jetzt die Erhebungen und die Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Zoll. Endlich gefunden. Doch der Hausverwalter meint lakonisch, es sei Lockdown, wir sollen in einer Woche wieder kommen. Die Polizei sollte uns ein Schreiben machen: „Das Motorrad stehe noch in Hochfeld und kann nicht nach Windhoek gebracht werden, da es während des Lockdowns nicht gestattet ist, mit Seitenwagen und einem ausländischen Nummernschild rumzufahren“. Wir werden schimpfend weggejagt mit der Begründung, dass dies zwar stimmt, doch dies nicht ihr Problem sei, sondern die Zollbehörde besser ihren Job machen soll. Nach der Tortur im Office zurück, werde ich ungehalten und halte dem Herrn hinter dem überladenen Schreibtisch den Hörer meines Telefons mit der eingestellten Nummer des Zollchefs hin. Er zögert und verwirft die Hände. Dann zieht er sich mit der barbusigen Frau im allzu engen Kleid und einer Frau, die ich fälschlicherweise für die Putzfrau gehalten habe, zu einer Besprechung zurück. Plötzlich scheint alles gut zu werden. Nach Stunden bekommen wir endlich das verlängerte Carnet de Passage zurück. Ich werde weich und entschliesse mich trotz aller Schikanen, mich für den Service in einer ausserordentlichen Situation erkenntlich zu zeigen. Ein paar Namib Dollar wandern zu der Frau für grössere Kleider, der Bürochef kommt zum Wagen und fragt: „Hast du Fleisch im Auto?“

Ich bekomme die Krise. Er will kein „Geschenk“ aus Geld. Fleisch ist aktuell das Zahlungsmittel in Namibia. Egal, ob Farmarbeiter oder Zollbeamte. AWA.

 

The Kindergarten is back – Die Normalität ist zurück
Es ist Karfreitag 2020. Der Präsident von Namibia verkündet in einer nationalen Ansprache, dass der Lockdown am kommenden Dienstag, dem 05. Mai gelockert wird und das Land in die 2. Phase des Pandemie Plans übergeht. Die Reisebeschränkungen innerhalb des Landes fallen weg. Die Geschäfte dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Restaurants dürfen weiterhin nur Abhol- oder Bring Service betreiben. Weiterhin ist der Verkauf von Alkohol untersagt. Ab sofort ist Maskenpflicht an jedem öffentlichen Ort im Land. Die Grenzen bleiben weiterhin zu. Von den 18 offiziellen Covid-19 Fällen sind nun noch 6 Fälle in Behandlung. Keine Toten im Land. Dennoch die Mahnung zur Vorsicht. Es ist eine grosse Erleichterung zu spüren.

Unsere drei fehlenden Arbeiter rufen uns täglich an. Sie wollen zurück auf die Farm kommen. Und im zweiten Satz kommt bei allen: „Wir haben Hunger. Auf der Farm gibt es ja genug zu futtern.“ Wir werden das Gefühl nicht los, dass sie wirklich nur zurück wollen, weil sie hier auf Monatskredit Lebensmittel und Telefonkredite haben können. Das wird dann ja erst Ende des nächsten Monats abgezogen. Jeremia bestätigt mir, dass alle drei kein Geld mehr haben und sie deshalb kommen wollen. Nun, Johan verlangt von allen einen Nachweis von einer Klinik, dass sie gesund sind und wieder arbeiten können. „Fit for work“ nennt sich dieses Papier.

Doch vier Tage später ist noch niemand zurück. Anscheinend warten sie, bis sie ein Farmer für wenig Geld auf dem Pickup mitnimmt. Aber anscheinend klappt das nicht so recht. Ich hole zwei von denen vierzig Kilometer entfernt an einer Kreuzung ab. „Wo ist Linus?“ wundere ich mich. „Ach, der kommt nicht. Er hat heute kein Geld mehr für das Taxi gehabt.“ Am nächsten Tag ruft Linus an und bettelt, dass man ihn abholt. Er habe nun Geld für das Taxi. „Laufen“ meine Antwort. Es fängt schon wieder an. Viele Anrufe später mache ich mich genervt auf den Weg, um ihn doch noch zu holen. Er sei in einer Stunde an der Kreuzung.

Seit fast drei Stunden, warte ich nun am abgemachten Ort. Es ist schon lange dunkel, die Temperatur bei 12 Grad. Zum Glück ist Phelep, der Grader auch da. Er ist für den Unterhalt der Strassen um Hochdorf verantwortlich. Mit seiner Maschine und dem Anhänger zieht er hunderte Kilometer seine Bahnen und macht am Ende des Tages einfach Halt, ein kleines Lagefeuer und schläft in seinem Anhänger. Wir sitzen um das kleine Feuer, die Hände strecken wir fast bis in die Flammen. Der harte Arbeiter ist noch immer ohne Leibchen, während mich der Faserpelz vor den kalten Temperaturen rettet. Das orange Licht flackert auf seinem Brustkorb, seine Tätowierung „I love Jesus“ wird lebendig, er erzählt mir seine Geschichte während des Lockdowns.
Für ihn, seine Familie und andere Leute in Okahandja ist es trotz offenen Supermärkten schwierig ist, genug Essen zu bekommen. Sie würden die Preise im Shoprite oder Spar gar nicht bezahlen können. Die kleinen Märkte, wo Einheimische ihre Erzeugnisse anbieten, sind geschlossen. So essen alle nur Maismehl. Fast nie Fleisch oder Gemüse. Hunger ist mittlerweile auch in den Städten ein Thema. Umso mehr freut er sich, dass es nun wieder etwas offener wird und er endlich wieder arbeiten darf. Er interessiert sich für unsere Erlebnisse in anderen afrikanischen Ländern. Irgendwann will er einmal nach Kenia oder Malawi, es habe viel Gutes gehört. Es ist ein spannendes Gespräch mit einem sehr aufgeweckten und gebildeten Typ. Er sei fest überzeugt, bei genügend harter Arbeit seinen Traum eines Tages verwirklichen zu können: Er sitzt mit seiner Familie vor seinem Haus auf seiner kleinen Farm und sie geniessen den Sonnenuntergang. Auf dem Grill wird viel Fleisch gebraten, das Maismehl gehört natürlich auch dazu.

Seit zwanzig Minuten ist kein Fahrzeug mehr vorbei gekommen. Immer wieder haben die Fahrzeuge gehalten und Phelep wird ein Soft Drink, eine Frucht oder ein Energieriegel zugesteckt. Man kennt ihn und er kennt die Leute. Sein unermüdlicher Einsatz für eine gute Strasse wird geschätzt. „Fast alle Autos sind durch. Es kommt wohl nur noch eines. Das, ganz da hinten. Siehst du Lichter?“. Wir sind gespannt. Das Fahrzeug ist mittlerweile hier, fährt an den Strassenrand und hält. Linus springt von der Ladefläche herunter. „Ist kalt hier. Sorry. Das Auto fährt doch bis zu unserer Farm. Aber ich habe kein Kredit mehr zum Anrufen gehabt. Aber du bist ja da“, so seine locker gesprochenen Worte. Dann hüpft er auf den Beifahrersitz unseres Farmfahrzeugs und wartet bis es losgeht.

1,2,3,4,5,6…..Der Typ hat Glück, dass ich ein tolles Gespräch und eine kleine Fotosession mit Phelep hatte. Ansonsten könnte Linus jetzt nämlich auf der Ladefläche weiterfrieren lassen. Wir sprechen den ganzen Weg kein Wort miteinander.

Morgen um 07:00 geht es weiter. Eher wird es wie immer 07:20 bis dann alle bereit stehen. Das ist leider auch ganz normal. Auch nach dem x-fachen Verweis. Und natürlich hat keiner auch nur irgendein „Fit for work“ Papier.

Scheiss drauf. The Kindergarten is back.