Geschafft. Endlich Weihnachten.


Augen zu. 30 Sekunden durchatmen. Augen wieder auf.
Natürlich nicht ich. Ich lenke gerade das Motorrad. Bei der kurvenreichen Strasse wäre dies ein waghalsiges Manöver. Corinne sitzt im Seitenwagen und träumt vor sich hin. Ein Lächeln. „Fast wie zu Hause in der Schweiz.“

Wüssten wir es nicht besser, es wäre eine Fahrt durch das wunderschöne Engadin. Links und rechts riesige Tannenwälder. Dann wieder Felder, die sich über sanfte Hügel ziehen und an Wälder enden. Das Wetter spielt mehr oder weniger mit. Tagsüber bei Fahrt haben wir strahlenden Sonnenschein. Abends ziehen Wolken auf, gefüllt mit Feuchtigkeit, die sich dann gerne über uns entleeren. Doch das ist mehr Erfrischung als Ärgernis. Die Fahrt nach Sabie hat uns so gut gefallen, wir freuen uns richtig mehr von der wunderschönen Gegend zu sehen. Im River Camp lassen wir den Regen mit einem Lächeln über uns ergehen. Eigentlich ist es sogar richtig heimelig, wenn wir in unserem Zeltchen liegen, dem Regen lauschen und nicht nass werden. Morgens machen wir gemütlich, damit die Sonne genug Zeit hat unser Zelt zu trocknen.

Heute geht es den Sehenswürdigkeiten entlang: Mac Mac Pools, Gods Window, Lisbon Falls, Berlyn Falls. Doch nach dem vierten Wasserfall ist dann gut für uns. Alles ist schon ausgeschildert und überall hat es nette Park- und Sitzplätze. Man muss dabei keinen Meter zum Wasser hinwandern, sondern es ist alles so gebaut, dass man hinfahren, angucken, weiterfahren kann. So etwas wie Convenience Tourismus. Und selbstverständlich kostet jede Naturschönheit auch Eintritt. Das ist eben in Afrika so. Ist ganz ok. Doch als Schweizer für Wasserfälle zu bezahlen, ist dann irgendwann auch zu viel des Guten für uns. Aktuell ist sowieso Ferienzeit und überall sind Menschen. Den berühmten, riesigen Blyde River Canyon wollten wir unbedingt gesehen haben. Doch bei der Ankunft zur Zahlstelle teilt uns die Dame mit, dass wir mit zwei Stunden Wartezeit rechnen müssen. Puh. Dies ist  für uns nach den bereits angefahrenen Natur Attraktionen doch zu viel. Wir haben einen kleinen Blick nach ein paar Kilometern an einem inoffiziellen Ort machen können. Doch das war nur ein kleiner Vorgeschmack. Naja, da gehört halt auch dazu. Die Fahrt durch das wunderbare Tal mit Bergen rechts und links entschädigt uns.

 

Das muss ich Euch aber wirklich erzählen
Wir cruisen durch die wunderbare, von Menschenhand geschaffene Timber Gegend. Es scheint unmöglich, dass Menschen vor vielen, vielen Jahren so riesige Tannenwälder gepflanzt haben. Diese Wälder sind um vieles grösser als wir dies bei uns in der Schweiz überhaupt haben. Und mitten durch zieht sich eine perfekte Asphaltstrasse mit langgeschwungenen Kurven. Ein Traum für jeden Seitenwagenfahrer. „Oli, stopp, stopp“. Schweiss drückt aus Corinnes Gesichtsporen. Ihr linker Arm hebt sich. Er zeigt an den Strassenrand, wo gerade zwei schwerbewaffnete Typen aus einem Toyota Hilux steigen. Ein kleiner, kräftiger Weisser Mann mit einer lässigen Sonnenbrille. Sein Kollege ist ein Afrikaner, mit schusssicherer Weste, einem coolen Cap und der Hand am Halfter. Sie winken uns zu sich heran. „Puh Corinne, da lässt sich nix machen. Wir müssen wohl anhalten. Vielleicht Polizei, Anti Terror oder einfach ein Überfall.“ „Ein Überfall auf uns? Wir haben ja nix abzugeben“, rätselt Corinne beim Abbremsen. Ich fahre genau neben den kleinen Typen. Er lächelt. Hebt seine Hand. „Ihr seid ja verrückt. So was Geiles habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Von der Schweiz bis hierher. Mit der Ural. Herzlich willkommen im Namen meines Motorradclubs.“ Dann schlägt er mir auf die Schulter. „Ich bin Hank. Sorry für die martialische Aufmachung. Claudius und ich sind gerade bei der Arbeit als Geldtransporter. Aber als ihr uns überholt habt, mussten wir euch wieder überholen und anhalten. Bitte besucht uns in White Water. Keine Angst, wir sind eure Freunde hier.“ Es folgen Selfies und Umarmungen.

Wir nutzen die Pause um uns mit Hank und seinem Kollegen Claudius auszutauschen. Dabei erfahren wir mehr über ihre Tätigkeit, welche in Südafrika als eine der gefährlichsten Jobs gilt. Jede Woche versuchen Banden die Transporter zu überfallen. Hanks Firma hat mehrere Transporter und Teams, die diesen Job ausführen. Als ich im Fahrzeug sitze, glaube ich nicht recht zu sehen. Dicke Stahlplatten in den Türen zur Panzerung, die Frontscheibe kugelsicher, zwei geladene M16 Sturmgewehre, geladene Pistolen in festen Vorrichtungen, in der Mitte ein Monitor mit rundum Blick, Funkanlage. Die beiden selber mit kugelsicheren Westen, Pistole und Messer ausgerüstet. Hank erklärt mir mit aller Ruhe, dass dies die Standartausrüstung sei.

Er erzählt aus dem realen Leben. Dass sie vor zwei Wochen, als sie mit zwei Fahrzeugen einen Transport gemacht haben, überfallen wurden. Dabei sind ihnen drei Fahrzeugen gefolgt, haben sie plötzlich abgedrängt und gestoppt. Sofort sind ihnen sechs Personen gegenübergestanden, die sofort das Feuer eröffnet hätten. Zum Glück hat Hank die Fahrzeuge schon einige Minuten vorher bemerkt und Alarm geschlagen. Bis zum Eintreffen der Polizei konnten sie sich mit all ihrer Feuerkraft verteidigen. Die Räuber konnten jedoch ohne Beute fliehen. Deren Autos waren natürlich gestohlen. Bis heute gibt es keine Festnahmen. Wir denken an Hollywood Filme, wo dann die Helden völlig cool aus den Fahrzeugen kommen und „Yieppieh Aiey Schweinebacke“ rufen. Doch wir werden eines besseren belehrt. Obwohl alle seine Fahrer einen militärischen Hintergrund haben und auch als Söldner an verschiedensten Plätzen der Welt Schutzaufgaben übernommen haben, jeder Überfall geht an die Psyche. Es sei nichts Heldenhaftes dabei, ihr Job sei gefährlich und absolut keine Aufgabe für Möchtegern-Helden. Jemand müsse dies ja machen. Und man verdiene gutes Geld. So wie er spricht, glauben wir ihm jedes Wort. Eine halbe Stunde später sind wir wieder auf der Strecke. Mit einer Geschichte mehr in unseren Seitentaschen.

 

Geschafft – XMAS in Kampersrus
Vor einem Jahr noch haben wir Weihnachten in Dubai mit unseren Reisefreunden Uwe und Sabine mit Blick auf den majestätischen Burj Khalifa gefeiert. Heute, ein Jahr später sind wir im Busch Afrikas. Trent, Istene, André (der Name scheint geläufig zu sein in SA) und Terry haben uns zu sich nach Kampersrus in Limpopo eingeladen. Weihnachten hier im Sommer zu feiern ist etwas ganz Spezielles. Ganz ohne Schnee, bei Temperaturen über 40 Grad. Einzige Abkühlung bietet der Aussenpool. Und so verbringen wir alle viel Zeit mit Bier und Wein im Pool. Uns widerfährt eine unglaubliche Herzlichkeit unserer Gastgeber. Kleine Geschenke sind ein wichtiger Bestandteil in der Familie. Wir haben dies im Vorfeld mitbekommen und für alle anderen kleine Glückseligkeiten besorgt. Und selber wurden wir zusätzlich zu der Gastfreundschaft beschenkt. Nachdem Trent und Istene von ihrer Reise zurückgekommen sind (Wir haben die Beiden und Mark in Äthiopien und Kenia getroffen), hat Trent als Archäologe Löcher in die Erde von Lesotho geschaufelt und Istene wieder Flugzeuge geflogen. Die Tage und Abende vergehen wie im Flug. Jeden Tag tauschen wir uns gegenseitig mit erlebten Abenteuergeschichten sowie Tipps für Südafrika aus. Für einen Tag leihen wir uns den Bakki (Pickup) aus und wollen endlich den Kruger NP sehen. Und genau dann regnet es aus Kübeln. Innert Minuten sind die Strassen überschwemmt. Endlich kommt Wasser von oben in das trockene Gebiet. Für uns natürlich keine tolle Sache so im Park rumzufahren. Wir sehen wenige Elefanten, zwei Löwen, Antilopen und viele Büsche. Campieren geht leider nicht. Alle Camps sind reserviert. Keine Chance. Auch wenn lange nicht alle Camps besetzt waren, doch das ist ebene genauso Südafrika zur Ferienzeit. Die Leute reservieren lange im Voraus und kommen bei Regen dann halt doch nicht. Doch die Camps werden nicht weitergegeben. So ziehen wir nach einem Tag wieder ab. Dafür erfahren wir im nahegelegenen Moholoholo Animal Rehaibiltation Center viel Neues über die Pflege und die Ansätze und auch die Schwierigkeiten bei der Auswilderung von Wildtieren. Zurück in Kampersrus verabreden wir uns mit Trent und Istene für die Sylvester Feier, die im wunderschönen Haenertsberg stattfinden soll. Auf einer Farm. Mit Schweizer Käse. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Bei gemütlicher Fahrt schaffen wir dies in vier Tagen.

 

Litchies als Wiedergutmachung
Bei schönstem Wetter ziehen wir weiter. Eigentlich wäre jetzt hier im Limpopo Regenzeit. Doch davon spüren wir gar nichts. Wir haben Backofen-Temperaturen. Es spielt keine Rolle, ob wir mit 50 oder 80 km/h unsere Spuren auf dem schimmernd heissen Asphalt ziehen. Der Fahrtwind kühlt uns und die Maschine nur bedingt. Unsere Reisegeschwindigkeit pendelt sich bei 60 km/h ein. Genug schnell, damit die Reifen nicht gleich auf dem Teer kleben bleiben, genau richtig langsam, damit wir die Gegend betrachten können. Es ist eine herrliche, wilde Natur. Leider rundherum hinter hohen Zäunen. Private Game Reserves. Nur mit Reservierung. Nicht erlaubt mit Motorrädern. Immer wieder messen wir die Zaundistanzen mittels unserem Kilometer Zähler. Tatsächlich gibt es da private Grundstücke oder Wildfarmen mit Längen von bis zu zwanzig Kilometer. Und bestimmt auch nochmals so viel in die Wildnis rein. Es ist unglaublich, dass Menschen oder Firmen so gigantische Gebiete für sich selber besitzen. Vielleicht sind wir auch nur etwas frustriert, da wir nirgendwo eine Chance für Camping haben. Ausser wir sind bereit, um die 50 US Dollar pro Person auszugeben. Und dann schlafen wir unserem eigenen Zelt. Geweckt werden wir wahrscheinlich von den frechen, freilebenden Affen, genannt Baboons, die uns dann noch unser Frühstück klauen. Wir schaffen es an einem Tag bis nach Tzaneen, wo wir im Camp River Camp eine Bleibe finden. Eigentlich ein wunderbarer Ort in der Natur. Doch wie so oft wird hier anscheinend kein Unterhalt betrieben. Der Chef ist nicht da, die Mitarbeiter stinkfaul. Keiner bemüht sich uns zu empfangen. Wir bleiben erstmal unter einem Mangobaum im Schatten sitzen und chillen etwas. Zwei Stunden später geht eine Tür in einem der heruntergekommenen Bungalows auf und ein Typ schlendert zu uns. „Habe euch hinfahren gehört, dachte mir ihr möchtet sicher zuerst etwas Pause machen. Habe mich dann umgedreht und weitergeschlafen.“ Er erzählt das nonchalant, wir sind Beide etwas verdutzt. Als er dann noch  mitteilt, dass wir nicht campen dürfen, sondern einen Raum nehmen müssen für 500 Rand pro Person (ca. 35 CHF x2), winken wir ab. Corinne, die sonst so besonnen ist, reagiert heftig.

„Weisst du, genau das ist das Problem, was wir immer wieder mal erleben. Du bist zu faul um zu arbeiten. Gäste lässt du stehen und schläfst lieber noch etwas. Dann willst du uns ausnehmen, damit du dir mit dem zu viel Verlangten Bier kaufen kannst. Trinken und Dacha rauchen. Das kotzt mich an. Du hast kein Gespür für Tourismus. Wir gehen. Du verdienst es nicht, dass wir deine Gäste sind. So, das muss mal gesagt sein. Komm Oliver, starte das Stahlross. Ich will weg.“ Der lange Lulatsch steht da und weiss gerade nicht was ihm geschieht. „Sorry, Madame, sorry. Ich muss ja auch leben. Und ich brauche etwas zum Essen.“ Es ist die wohl dümmste Ausrede, die ihm einfällt. Seine rotgeränderten Augen mit den kleinen Pupillen, seine wahrnehmbare Ausdünstung vom Alkohol. Essen ist hier nicht das Problem. Die Mangos liegen alle rundherum. Keiner bemüht sich, diese aufzulesen. Die Äste der mächtigen Litchi Bäume am angrenzenden Zaun, laden gerade zum stibizen ein. Nein, es geht immer um das Gleiche.
Als der Motor von Habash blubbert, erwacht der Typ aus seiner Schockstarre. „Sorry, es ist nicht so gemeint. Ihr könnt gerne ein Zimmer haben. Gebt mir 350 Rand für Beide. Ihr müsst jedoch einfach zwei Nächte bleiben. Wir gucken das Zimmer an. Naja, ist keinen Rand mehr wert. Doch wir bleiben. Wir geben dem Typ sogar was von unseren Grillwürsten ab, es waren eh zuviele in der Packung für zwei Personen. Am nächsten Tag drücke ich ihm ein paar Rand in die Finger und frage ihn, ob er denn bereit wäre, ein paar Litchies zu organisieren. Wir bekommen nach drei Stunden die grössten Litchies, die wir je gesehen haben. Eine ganze Einkaufstüte voll. Als Wiedergutmachung, meint er. Passt schon.

 

Krokodile füttern
„Gut gemacht. Gut gemacht. Und jetzt bloss den Mund halten. Die Kleinen haben eine ganz schön grosse Klappe. Und scharfe Zähne. Die beissen dir den Finger ab“. Ich mag es kaum glauben, doch ausprobieren will ich es auch nicht wirklich. Man spürt die Kraft dieser kleinen Krokodile schon jetzt. Auf unserer Weiterfahrt sind wir auf Agathas Krokodilfarm gelandet. Wir haben das Schild am Strassenrand gesehen „Älteste Krokodilfarm Südafrikas“. Warum nicht? Oli bremst voll ab, reisst den Lenker rum, ich lehne mich vorbildlich in die Kurve und schon fast sind wir vor den Toren der Farm. Herzlich werden wir von Sam, dem Guide begrüsst. Unter der Woche sei nicht viel los, umso besser für uns. Wir bekommen eine Privatführung durch die grosse Anlage. Doch zuerst geht’s in den Klassenraum. Wir erfahren viel von der Lebensweise und der Zucht dieser Tiere. Früher war es einmal eine Blumenfarm. Dann hat der Chef seine Chance für Krokodilleder entdeckt. So hat alles vor fast 50 Jahren angefangen. Heute ist das Leder nicht mehr so gefragt, sie verkaufen nur noch nach Südkorea. Das Fleisch verkaufen sie weiterhin in hiesige Restaurants. Im grossen Aussengehege sind vor allem die grossen männlichen Tiere. Diese sind Zuchttiere. Monstergrosse Zuchttiere. Zur eigenen Belustigung dürfen wir die Krokodile mit einer Hühner mittels improvisierter Angelrute füttern. Man spürt so richtig die Schnelligkeit und den Killerinstinkt dieser Tiere. Wie aus dem Nichts kommen sie aus dem Wasser geschossen und schnappen nach der Beute. Wir bekommen gehörigen Respekt und das ist auch gut so. Oftmals haben wir diese Viecher in einem Fluss rumschwimmen oder am Ufer liegen sehen. Sie erscheinen träge. Sie bewegen sich meistens kaum. Doch wenn sie Beute geschmeckt haben. Eine gute Erfahrung, in der Wildnis nicht plötzlich leichtsinnig zu werden. Die Farm mit den 7000 Krokodilen ist den Gästen vorenthalten. Ehrlich gesagt, möchten wir auch gar nicht sehen, wie diese wunderbaren Tiere als Industrieprodukte enden.

 

Das pure Gegenteil von Dubai
Endlich. Nach einiger Irrfahrten auf Wiesen-, Wald- und Feldwegen sind wir endlich wieder auf der Hauptstrasse. Ich sage Euch, hier sieht es aus wie im Appenzell. Kleine Berge links und rechts, Nadelwälder, Gemüse-, Maisfelder und Blumenfelder. Überall kleine Siedlungen. Nur dass die Häuser typisch in weissem Kalk sind. Mit grünen Dächern. Haenertsburg selber ist ein wunderschönes, kleines Dorf, das sich richtig herausgeputzt hat. Die Häuser sind hier mit Holz und Kalk gebaut, überall kleine Gärten mit Holzzäunen und moderne Geschäfte. Beliebt bei den Südafrikanern als Erholungsort. Kein Wunder kommen nicht viele in die Schweiz. Die haben alles im eigenen Land, denken wir. Beim Metzger kaufen wir unser Neujahrsbraai ein. Unsere Freunde lotsen und per Whatsapp wieder runter auf die Hauptstrasse und in einen Waldweg. Denn da steht ein Auto mit einem Plattfuss. Das wäre dann Louis, der Halbschweizer. Dort angekommen, werden wir von weitem heran gewunken. Louis begrüsst uns mit einem lauten und reinen „Grüezi liebi Schwizer Fründa“. Er erzählt uns, dass seine Mutter nach Südafrika ausgewandert ist und das Handwerk des Käsemachens mitgenommen hat. Sie produzieren Schweizer Käse, die Mutschli und Fondue. Weit und breit kennen alle die Familie und ihre Spezialitäten. Wir sollen schon mal auf die Farm fahren. Die letzten Vorbereitungen für den Feuerabend laufen.

Nach einer wunderbar schattigen Fahrt durch den Wald kommen wir auf einer riesigen Wiese an, verschiedene Fahrzeuge sind schon da. Trent und Istene sind ebenfalls schon da. Gemeinsam machen wir ein kleines Camp aus Zelten und eigener Feuerstelle. Der Platz und das aufgeschichtete Feuerholz sind so gross, da kommen bestimmt hunderte Leute. Denken wir.

Vor einem Jahr haben wir mit tausenden Menschen am Fusse des Burj Khalifa die grösste Lasershow der Welt gefeiert. Voller Prunk und Bling Bling. Eben typisch Dubai.

Ein Jahr später befinden wir uns auf einer Wiese inmitten der herrlichen Natur von Haenertsberg. „Ach, da kommen vor allem die jungen Farmer aus der Gegend. Und…“ er macht eine Kunstpause. „Heute ist Heavy Metal Abend“ erzählt der junge Kerl mit langen Haaren. Wir sind auf der Farm seiner Familie gelandet. Die obligatorische Jeansjacke hat er gleich bei sich. Guns n´ Roses, Van Halen, Metallica, Iron Maiden, Slayer und weitere Sticker sind aufgenäht. Ich denke in eine andere Zeit versetzt worden zu sein. Das war doch vor 25 Jahren so. Bis zum Eindunkeln kommen weitere Fahrzeuge. Bakkies – Pickups. Total sind dann etwa 20 Leute vor Ort. Einer der Pickups hat eine grosse Box auf der Pritsche, ein Dieselgenerator wird installiert und das Autoradio an die Box angeschlossen. Und so dröhnt laute Heavy Metal Musik in die stille Natur von Haenertsberg. Das Feuer beginnt zu brennen und oh Schreck…Da ist alles Eukalyptusholz. Das gesplitterte Holz verursachte einen massiven Funkenregen. Der Wind trägt sie fast 80 Meter weit über die Wiese. Genau zu unseren Zelten. Kleine Panik kommt auf. Sofort sprinten wir dorthin, legen sofort unsere Plane drüber und fangen an, unser Zelt abzubauen. Wir haben Glück. Die Plane vom Motorrad hat alles abbekommen. Diese ist nun voller Löcher. Das Zelt hat ohne Brandlöcher überlebt. Nachdem wir alles wieder sicher verstaut haben, geht’s zurück zu unseren harten Kollegen. Nach zwei Stunden ist das Feuer nur noch ein glühender Haufen, die dröhnende Musik läuft leiser, das Bier ist schon lange alle. Die Whiskey und Brandy Flaschen liegen weitverstreut und leer im Gras herum. Noch immer bleiben 30 Minuten bis zum neuen Jahr. Nur ist fast niemand mehr zum Feiern da. Zu Acht stossen wir mit den letzten Resten Coca Cola an, die in verschiedenen Flaschen übriggeblieben sind. Eine Minute später kommt der Mitternachtsregen, der uns dann gleich ins Zelt zum Schlafen treibt. Na dann – auf ein frohes neues Jahr.

Der nächste Morgen ist ein richtiger Katermorgen. Das durch die Sonnenstrahlen aufgeheizte Zelt treibt uns raus aus dem Schlafsack. „Corinne, guck, der letzte Rest hängt auch noch hier ab.“ Trent, Istene, Louis und zwei weitere Typen sind schon am Feuer und grillieren ihre Frühstückswürstchen. Dazu der schmackhafte Schweizer Käse von Louis und ein paar gefundene Biere. Wir verzichten auf das Bier, sehen unseren Freunden den mächtigen Kater an und wir alle hängen in unsere Campingstühle und ruhen uns erst einmal aus.

2019 – wir sind bereit.