Macht Platz für die weltberühmten Slowriders


„Bitte, bitte. Meine Damen und Herren. Hier kommen die Slowriders. Alle zurücktreten. Ich habe gesagt, alle mal kurz auf die Seite. Bitte. Auch sie meine werte Dame, machen sie Platz für die berühmtesten Seitenwagenfahrer der Welt“.

Oha. Der schwarze Guide spuckt grosse Töne. Hunderte von Augen schauen uns erwartungsvoll an. Die sehen ja gar nicht so berühmt aus oder warum dürfen die so etwas, scheinen wir in ihren Augen zu lesen. Mühsam stösst Oli mit Hilfe von vier anderen Leuten die Maschine auf die Steine vor dem Schild am Kap der guten Hoffnungen. Der freundliche Guide macht einen super Job. Die Menschen zücken ihre Mobiltelefone, die Auslöser klicken von allen Seiten. Schweizer Reisende kommen auf uns zu, beglückwünschen uns, wollen die Website wissen und Selfies machen. Corinne wird es etwas unangenehm. Doch wir schaffen etwas, was eigentlich nicht zu schaffen ist. Am Kap der guten Hoffnungen können wir ein Foto von uns drei (Corinne, Oli, Habash) machen, ohne dass irgendjemand sonst auf dem Foto ist. Die Leute sind so von den Worten des Guides beeindruckt, dass sich für 30 Sekunden keiner zu bewegen wagt. Darauf mussten wir fast drei Stunden warten. Guide sei Dank!

 

Kapstadt – Südafrikas Magnet
Diese Stadt ist ein Magnet. Für Kurzurlauber, Kreuzfahrer, Afrika Durchquerer, Sportler, Geschäftsleute, Auswanderer, Flippige und Kreative, für Schöne und Reiche, genauso für die weniger Reichen und Hoffnungssuchenden. Kurz: Eine pulsierende Multi-Kulti Stadt. Die wunderschön am Meer gelegene Millionenstadt, die um den mächtigen Tafelberg gebaut ist, ist zweifelsohne die touristische Hauptstadt Südafrikas. Mit ihren vielen zwischen den Hügeln gelegenen Bezirken ist sie riesig. Dazwischen sind herrliche Naturgebiete wie das Kap, die Silbermine oder die grossen Buchten mit einladenden Stränden. Kapstadt ist ebenso die Stadt der Sportler. Wind- und und Kite Surfer am Blouberg Strand, Wellenreiter in Nordhoek oder die Anfänger in Muizenberg, Mountainbiker an jeder Steigung, Taucher vor den schroffen Küsten des Kaps oder die Street Basketballer rund um die touristische Waterfront. Zwischen Wolkenkratzern findet man plötzlich wieder alte, renovierte Häuser im Kolonialstil und etwas weiter vom Zentrum weg die riesigen Townships (Armenquartiere), wo eine andere Welt mit eigenen Regeln herrscht.

Für uns ist es nicht das erste Mal hier. Doch jedes Mal zieht sie uns in ihren Bann. Dennoch reicht uns ein Tag an der Waterfront völlig aus. Die tollen Sachen, die man in den Shops kaufen kann, sprengen sowieso unser Budget. Zwischen all dem Trubel, den Strassenmusikanten und bunt gemischten Touristen, geniessen wir das, ach so lange verlassene, normale Leben. Nur das wir noch immer auf dem Camping wohnen. Und das in Nordhoek, gleich nach dem Ende des berühmten Chapmans Peak Drive. Alle Menschen auf der Welt, die einen Fernseher besitzen, kennen die Szene aus der Werbung: Eine faszinierende Strasse, hoch über den Buchten in die Felsen gehauen. Feinster schwarzer Asphalt. Eine atemberaubende Sicht auf das Meer. Dann cruist der BMW fliessend die kurvenreiche Strecke entlang, die Sonne geht langsam unter. Werbung BMW. Immer wieder wird diese Strecke für Filmaufnahmen gesperrt. Normalsterbliche müssen für eine Fahrt mittlerweile bezahlen. Doch das hält sich in Grenzen.  Jeden Abend geniessen wir es, wenn die gelbe Kugel im blauen Horizont versinkt und wir im Cruisermodus den Habash über den Asphalt treiben. Es ist fast wie im Fernsehen.

 

Die Leute vom Fernsehen
„Warum sind wir eigentlich hier auf dem Camping und nicht bei Duncan im bekannten Overlander Camp?“ fragt sich Corinne. „Weil wir uns morgen mit den Leuten vom Fernsehen für ein Kennenlernen treffen. Ich habe dir doch von dem Volker erzählt. Er ist im deutschen Fernsehen für Reisegeschichten verantwortlich. Und er hat unseren Rwenzori Film gesehen. Er war so begeistert, dass er meint wir sollten uns unbedingt mit seiner Kollegin treffen. Die wohnen hier gleich um die Ecke.“ Voller Stolz erzählt Oli von seinem Gespräch mit dem Fernsehmensch. „Warum sollten die sich denn für uns interessieren? Ich meine, nicht einmal die Migros Zeitung oder das Globetrotter Magazin aus der Schweiz findet unsere Tour wirklich spannend. Du hast dich mit denen ja schon mal unterhalten und dich geärgert.“ „Ach, Kleingeister. Wir sind doch für Grösseres gemacht“, lacht Oli. Doch Corinne findet, dass wir sowieso keine Mediendinger machen sollten. Es ist ja schliesslich unsere Reise. Da ist Oli grundsätzlich gleicher Meinung. Und gleichzeitig haben wir so viele spannende Geschichten weiterzugeben. Wir sind so privilegiert, dass wir so viel erleben dürfen und auch etwas zurückgeben sollten. In Form von Inspiration. Denn nur Arbeiten und Geld ist nicht alles, ausser du verpulverst es für eine Reise. Oder so ähnlich.

Wir treffen auf Susie und ihren Lebenspartner Arno. Wie alte Freunde werden wir herzlich empfangen in ihrem Haus mit Blick über den Strand. Beide sind uns sofort sympathisch. Susie hat gerad einen Film über Kapstadt fertig produziert, Arno hat sich als Produzent aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und geniesst das Leben. Natürlich tauschen wir uns über den Anlass des Treffens aus. Doch nach wenigen Minuten merken wir alle, dass der Funken zwischen uns allen schon gesprungen ist. Es geht ums Kennenlernen und wir fühlen uns nach nicht mal einer Stunde wie alte Freunde. Das Projekt steht plötzlich im Hintergrund. In den nächsten Tagen haben wir das Glück mit den Beiden viel von Kapstadt zu sehen, kochen gemeinsam und kreieren Ideen. Susie meint, das Fernsehen sei im Umbruch, die Gelder für Sendungen sind immer schwieriger zu bekommen. Unsere Ideen werden nach Deutschland gesendet, alles Weitere wird sich ergeben. Wir werden sehen. Susies Idee ist mehr die eines Kinofilms, mit den Aufnahmen die wir machen. Oli denkt gleich an den Titel  „The last Seitenwagen Hero oder in 1000 Tagen einmal um Afrika. Doch generell sind wir da eher zurückhaltend. Wir haben keine Ahnung von dem Geschäft, geschweige denn sehen wir aus wie Brad Pitt oder Angelina Jolie. „Das müsste dann ja eher eine Komödie werden mit Oliver als Adriano Celentano alias Bingo Bongo“. Haha, wie lustig Corinne sein kann. Doch die Idee ist nun irgendwo aufgeschrieben. Wer weiss schon, was kommt. Die Tipps und Tricks zum Filmen, nehmen wir von den Beiden sehr gerne entgegen. Was immer kommt, es wird gut, pflegt Arno zu sagen. Dabei belassen wir es und freuen uns über die neue Freundschaft. Danke – Ihr Beiden seid echt tolle Menschen.

 

Ok. Wir machen es. Wir freuen uns.
Die Tage in Kapstadt sind um. Die Strecke durch die Karoo nach Upington im Northern Cape mit gefühlten drei Kurven auf 800 Kilometer haben wir irgendwie geschafft. Dazwischen überlebten wir ein Wind und Wetter Camping in Titiesbaai bei Paternoster, um am nächsten Tag schnell wieder die kalte und windige Gegend an der Küste zu verlassen. Unsere langjährigen Freunde Theo, Sakkie und Annemarie freuen sich uns zu sehen. Ganz verwundert betrachten sie unser Gefährt. Sie können es sich kaum vorstellen, dass wir es damit bis zu ihnen geschafft haben. Es ist Freitag Abends, „Sakkies se Arkie“ ist bereit für den Sunddown Cruise auf dem Orange River. Die Burenmusik ertönt blechern aus den grossen Lautsprechern, an der Schiffsbar herrscht reger Betrieb, die letzten Gäste kommen über die kleine Brücke. Es ist das allwöchentliche Ereignis. Halb Upington trifft sich auf der Arche. Die Hautfarben sind völlig durchmischt. Sakkie, sein Camping am Fluss und das Schiff sind stadtbekannt. Und für uns mittlerweile das Willkommensritual. Mit einem kalten, weissen Orange River Cellar Wein machen wir es uns an einem der Tische gemütlich und erzählen Theo erlebte Geschichten aus Afrika. Wir kennen die Betreiber des Campings schon viele Jahre. Lange Zeit stand auch unser Fahrzeug bei Ihnen in der Scheune und hat auf unsere Besuche gewartet. Erzählt man einem Südafrikaner ausserhalb von Upington, dass wir immer wieder hierhergefunden haben, wundern sich diese. Wüste, im Nirgendwo, heiss ohne Ende. Die wenigsten würden ohne zwingenden Grund die die grosse Stadt am Rande der Kalahari besuchen gehen. Doch wir haben diesen Ort schätzen gelernt.

Völlig überraschend meldet sich dann auch noch unser Freund Chrigu. Er ist per Zufall auf einer Safari Tour mit seinem Vater und campt wenig Kilometer ausserhalb der Stadt. So treffen wir uns an seinem einzigen Abend in der Gegend und nehmen uns Zeit zum Geschichten austauschen beim Abendessen im Ocean Basket. Chrigu, das war echt cool!

Upington ist für uns auch der Ort um unsere kommende Zeit in Namibia zu organisieren. Am Abschlussfest im Juni 2017 haben wir nach mehrmaligem Nachfragen ein Versprechen abgegeben. Wir werden im südlichen Afrika eine Gruppenreise für unsere Freunde anbieten. Vor einigen Monaten ging das Email mit dem Angebot raus. Die Reaktionen waren erfreulich. Ein bis zwei Touren könnten es werden. Noch immer besitzen wir ein kleines Depot an Campingmaterial, ein Guiding Fahrzeug und viel Erfahrung im wilden Westen Namibias. Wenn wir alles gut managen, können wir dies für einen tollen Preis anbieten. Und es könnte noch etwas für unsere Reisekasse übrigbleiben. Ein paar Monate später, als es dann um die definitiven Zusagen ging, waren wir ernüchtert. Es passt nur wenigen in ihre Urlaubspläne. Es sind nur noch drei Personen übrig. Machen oder nicht machen? Als sich dann auch noch herausstellt, dass die nur an zwei unterschiedlichen Daten kommen können, sind wir endgültig im Clinch. Keine Ahnung, wie viele Male wir die Möglichkeiten rechnen, um finanziell auch nur einigermassen rauszukommen. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir all die Touristenziele schon mehrfach gesehen haben (und dafür wieder bezahlen müssten), unsere Lebenskosten nicht über die Gruppe, sondern zu hundert Prozent selbst übernehmen müssen. Und die sind dann höher als das Tagesbudget. Unser Auto auf eigene Kosten nach den Touren wieder instand stellen müssen, etc, etc. Schon jetzt wissen wir, dass dies eine Investition sein wird und kein Reisealltag. Dennoch haben wir unseren Freunden eine Möglichkeit versprochen. Ein guter Freund in Windhoek hilft mir mit einem weiteren Fahrzeug zum Sonderpreis, ein anderer verzichtet auf seine Provisionen für bestimmte Buchungen, die wir ohne ihn nicht bekommen hätten. Wir sind guter Dinge und verkünden „OK. Wir machen es.”

Max, Nizi und Susanne – Wir freuen uns auf Euch!