Malawi – Das warme Herz Afrikas


„Corinnne!!! Eine hat angebissen. Ich glaubs ja nicht. Schnell, mach ein Erinnerungsfoto.“
Sie sitzt an der Fischer Bar mit einem Bier in der Hand. „Da bräuchte ich ja ein riesiges Zoom Objektiv.“ Dazu lächelt sie verschmitzt. Prost und danke für die Aufmunterung, denke ich mir. Nach stundenlangem Versuchen habe ich es jedoch geschafft. Endlich. Eine Forelle gefangen. Die erste seit bestimmt fünfzehn Jahren. Die 22 Zentimeter werden ein Festessen. Dass der kleine Junge ein paar Meter entfernt von mir schon seinen dritten Fisch an Land zieht, macht mich nicht neidisch. Kein bisschen. Ok, vielleicht ein bisschen. Und dass ich an einem prallgefüllten Fischteich umrahmt von Tannenbäumen stehe, der Geruch von Harz mich weit weg von Afrika trägt und ich gerade mal einen Apero Fisch fange, egal. Forelle ist Forelle. Wir befinden uns noch immer auf unserer Reise in Afrika, in einer Landschaft wie zu Hause und in einem Klima auf 2500m.ü.M, das sich genauso wie in der fernen Schweiz anfühlt. Ganz schön frisch. Und extrem im Gegensatz zum heissen Gebiet am Malawi See. Für ein paar Tage lassen wir unserem Heimweh freien Lauf und geniesse mit Abstand den verrücktesten Kontrast seit Verlassen unserer Heimat vor fast 18 Monaten. Das Nyika Plateau im Norden Malawis. Lässt man den Blick über die sanfte kilometerlange Hügellandschaft mit Gruppen von Tannenbäumen schweifen, man kann sich nicht vorstellen, im heissen, fernen Afrika zu sein. Wären da nicht die Herden von Bergzebras, die das saftige Grün durchstreifen, die Pferdeantilopen die durch Grass rennen, die Spuren von Hyänen und das Fauchen eines Leoparden im Camp. Bestimmt kommt gleich Heidi, Peter mit den Geissen gleich hinter einem Hügel hervorspaziert. Und in einem der Holzhäuser mit rauchendem Kamin, lebt wohl Grossvater und produziert gerade Käse über dem Feuer. Das Nyika Plateau ist etwas vom sehenswertesten im südöstlichen Afrika. Allein die Fahrt vom Nordwesten her ein wunderbares Abenteuer. Vor allem mit einem überladenen russischen Seitenwagen.

 

Malawi – Das warme Herz Afrikas
Kaum beachtbare zwei Stunden hat die Einreise in dieses kleine Land gedauert. Zwischen Lastwagen stehen Habash an dritter Stelle an der Schranke und wartet auf seine Besitzer. Nach Abdrücke von zweimal 75 US-Dollars fürs Visum bekommen wir von einer herzlichen Dame den Einreisestempel. Das Ausfüllen des Carnet de Passage geht etwas länger. Die genauso herzliche und geschwätzige Dame glaubt mir nicht recht. So wird der Supervisor gesucht, der ihr dann das gleiche nochmals ausführlich erklärt, damit sie Ort, Datum, Unterschrift und Stempel an den beschriebenen Stellen macht. Dann wird nochmals alles dreimal kontrolliert und ein breites Lächeln zeichnet das Gesicht der Frau. Sie ist stolz auf ihr Werk. Es sind die kleinen Dinge, die einem den Tag versüssen, denke ich. Ich habe allein mit dem Carnet jemanden motiviert. Herrlich. Passiert mir nicht an jedem Grenzübergang. Jetzt nur noch die Strassenbenützungsgebühr bezahlen und los geht’s. Ach, dafür brauche ich die Malawi Kwacha. Und natürlich stehen das gerade 6 Personen am kleinen Bankschalter, der sich im Grenzgebäude befindet. Warten. Dann geht das Geld aus. Der Angestellte verschwindet mit einer Kassette. Niemand weiss, wohin. Warten. Nach 20 Minuten geht es weiter. Es sind immer noch vier Leute vor mir. Warten. Jetzt. Kein Kleingeld mehr in der Kasse. Oh, Mann…wieder warten. Wieder verschwindet der Angestellte. Wenigstens haben die Leute hinter mir Humor. Sie müssen schmunzeln und reden mit mir in einer für mich unbekannten Sprache. Doch ihr Lächeln wirkt ansteckend. Shakehands. Endlich habe ich mein Geld gewechselt und bin zurück am Schalter bei der Frau mit dem breiten Lächeln. Pause. Lunch um 10 Uhr. Warten. Doch als sie mich von draussen durch die halbwegs zugeklebten Fenster erblickt, legt sie einen Spurt an den Tag und wuchtet ihre Reservekilos durch die offene Tür, als ginge es darum, den Preis für den heutigen Service Champion zu bekommen. De Plastiksack mit Maispappe und dem Hähnchen noch in der linken Hand, macht sie alles andere mit der rechten. Ruckzuck geht’s und ich bin stolzer Besitzer eines gestempelten Formulars, das mich als regulärer Benutzer der Strassen Malawis auszeichnet. Yesss!

Corinne hat derweil wieder neue Freunde gefunden. Die Lastwagenfahrer stehen um sie und den Habash, flirten oder schauen sich das komische Gefährt mit nur drei Rädern ganz genau an. „It is like a car. But a very small one.“ Immer wieder schütteln sie lächelnd den Kopf, als könnten sie es kaum glauben, dass man mit nur drei Rädern überhaupt fahren kann. Wir beweisen es ihnen, steigen auf und brausen winkend davon. Staunende Gesichter bleiben zurück. Wir freuen uns auf Malawi – das warme Herz Afrikas.

 

Die Fahrt aufs Nyika Plateau
Erstmals nach Karonga. Einkaufen. Nachdem wir uns mit den wichtigsten frischen Lebensmittel und eine SIM Karte besorgt haben, lassen wir uns zum Pakistani bringen, bei dem wir dann den Rest unserer Bedürfnisse decken: WC Papier, Milch, Mehl, Trockenhefe, etc. teuer, teuer. Für unsere Lieblingsbiscuits „Eet-Sum-Mor“ hat er einen horrenden Preis verlangt. Später, im FloJa Camp angekommen, lacht der Platzwart und meint, dass die Pakis halt schon gute Geschäftsleute seien. Wir sollen zum Chinesen gehen. Der sei ganz in Ordnung. Sie hätten hier keine Probleme mit denen. Es ist das erste Mal, das ein Einheimischer gut oder mindestens neutral über die neuen „Besetzer“ Afrikas spricht (Das sind die Worte des Platzwarts). Wir geniessen den herrlichen Ausblick und die Umgebung im Camp. FloJa ist eigentlich eine auf privater Basis finanzierte Organisation, die einen Kindergarten für die Kinder aus der Umgebung betreibt. Die neugierigen und aufgestellten Kids sind herrlich und ebenso anständig. Auf dem Camp selber getrauen sie sich nicht so recht. So hat man ja auch seine Ruhe. Die LehrerInnen geben uns Tipps und Ideen für unsere Tour in Malawi. Als Oli am zweiten Tag bei der glühenden Hitze in den See geht und ein paar Runden schwimmt, guckt ein Fischer Junge mit grossen Augen zu. Er wartet bis Oli wieder rauskommt und läuft dann auf ihn zu. Seine Worte sind für Oli nicht zu verstehen. Sein Vater, der gerade seine Fischernetze repariert, winkt die Beiden zu sich und erklärt in einfachsten Englisch: „Crocodile. Danger.“ Ups.

Aufgrund der extremen Trockenheit verschwindet Tag für Tag mehr Wasser aus einer nahe gelegene Lagune in die Atmosphäre, was die Krokodile in den See treibt. Vor ein paar Wochen ist hier ein kleiner Junge beim Baden verspeist worden. Tage später haben sie das Krokodil gefunden und getötet. Der Arm und ein Schuh sei im Magen des Tieres gefunden worden. Schreckliche Geschichte. Seitdem haben die Menschen hier Angst vor den Krokodilen.

Unsere Abkühlungen beschränken sich auf kurze Abstecher in Wasser. Eine/r passt immer auf.
Bereits sind 12 Tage vergangen, neue Geschichten, Bilder und Videos sind erstellt und lassen unsere Freunde und Fans so mitreisen. Täglich macht sich Corinne oder ich auf den Weg an die Hauptstrasse, wo Menschen in zwei ganz einfachen Bretterbuden ihre Gartenerzeugnisse anbieten. Das sind Tomaten und Zwiebeln. Fast ausschliesslich. Drei Mal konnten wir Eier und sogar eine Packung Milch kaufen. Uns wird bewusst, wie extrem die Hitze ist, die ihre Felder geradezu verbrennen und kaum etwas wachsen lässt. Nach zwei Wochen ist es soweit, dass wir unsere Notreserven verbrauchen. Mit den letzten 500g Mehl backen wir ein Brot. Damit und mit unserem letzten Pack Fondue, den Tomaten und Zwiebeln, zaubern wir Malawische Fonduebrote. Und wir haben zum Dessert noch eine halbe Tafel Schweizer Schokolade. Selbstverständlich Schokolade Frey. Nach zwei Wochen geht’s nun weiter. Zurück zum Chinesen nach Karonga zum Einkaufen – der ist wirklich viel günstiger. Und ganz freundlich.

Unser Plan für die nächsten zwei Wochen steht. Zur Grenzstadt Chitipa im Nordwesten Malawis zu Sambia. In einem Afrika Forum haben wir gelesen, das von dort eine anspruchsvolle Offroadstrecke startet. Alles entlang der sambischen Grenze bis zu einem aussergewöhnlichen Naturplateau auf 2500 m.ü.M. Nur für Allrad Fahrzeuge und gute Fahrer. Wieder einmal kitzelt uns dies, denn wir wollen das mit einem überladenen, untermotorisierten Dreirad und unserem zuschaltbaren Zweiradantrieb versuchen. Wofür sind wir dann hier mit diesem Vehikel in Afrika, wenn nicht für Abenteuererlebnisse. Bis Chitipa schont uns eine gute Asphaltstrecke vor dem kommenden Husarenritt. Wir überholen hunderte Fahrradfahrer. Es ist DAS Fortbewegungsmittel hier. Da passen bis zu vier Personen darauf. Und dann noch die Hügel hoch. Und dann erst runter. Viele haben nämlich keine Bremsen. Doch um solche Kleinigkeiten kümmert sich hier niemand. Beim Überholen winken sie, lächeln und rufen uns zu. Und halten wir für eine Trinkpause am Strassenrand, kommen sie neugierig zu uns und verwickeln uns gleich in herzliche Gespräche. Wir fühlen uns in Malawi herzlich willkommen und auch völlig sicher.

„Corinne, schnell raus und schieben. Wir sind zu schwer. Habash hat gerade einen Hustenanfall.“ Und das meine ich ernst. Der steile Weg auf‘s Nyika Plateau ist steinig, fällt in den Hang ab und erfordert ein Maximum an Konzentration um die tiefliegenden Auspuffe der Ural nicht abzureissen. Die ersten 150 Kilometer Offroadpiste sind in der Trockenzeit gut zu fahren. Klar, es sind verschiedene Passagen, die etwas mehr Geschick erfordern. Man darf auch nicht vergessen, dass wir nicht so breit wie ein Auto sind und somit bei heiklen Stellen besser ausweichen können. Dafür werden wir mit einer atemberaubenden Landschaft mit ursprünglichen Dörfen belohnt. Die rote Erde und die Häuser im gleichen Farbton erscheinen in fantastischem Kontrast mit der grünen Buschlandschaft. Die Menschen laufen an die Strasse und schauen gespannt, was da für ein Krachmacher gefahren kommt. Sie lachen und grüssen. Immer wieder mal halten wir für einen kleinen Schwatz. Einmal mich ein Dorfbewohner an der Hand und bringt ihn zu seinem Haus. Voller Stolz zeigt er mir sein neu errichtetes Hühnerhaus aus geflochtenem Ästen. „Damit die Schakale und Leoparden sie nicht holen. „Den Hühnern gefällt‘s“, sagt der Mann mit wettergegerbtem Gesicht und den leuchtenden Augen. Es sind solche flüchtigen Begegnungen, die dich die Afrikaner einfach ins Herz schliessen lassen.

Aber wir sind noch immer mitten in der Hauruck Übung. Stell dir vor: 35 Grad Hitze, lange Hosen Wanderstiefel, dicke Motorradhosen und eine für den kalten Winter gedachte Jacke, den warmen Helm und du versuchst dieses 600 Kilogramm schwere Ungetüm zu stossen, während der Fahrer (der sitzt ja immer noch drauf) verzweifelt versucht mit Kupplung und Gas die Balance zu halten. Das ist nicht einfach Abenteuer, das ist ein Scheissjob. Doch Oli entschuldigt sich immer damit, dass er sagt, jemand müsse ja das Motorrad lenken…“Push, Corinne, push, push. Gleich haben wir es geschafft. Es wird flacher da vorne“ Der hat ja gut reden…soll er doch mal tauschen…

 

Nyika – Sauschön – Saukalt
Die ganz heiklen Stellen schaffen wir tatsächlich. Und das mit nur dreimal schieben. Die nächste steile Stelle schaffen wir ohne Absteigen. Von einer Sekunde auf die andere kühlt es merklich ab. Wir sind mittlerweile auf 2000 m.ü.M. Oben angekommen, verschlägt es uns die Sprache. Vor uns sehen wir eine Hügellandschaft, die bis an den Horizont reicht. Dicke Wolken bedecken den Himmel. Hinter uns sehen wir die abfallende Landschaft mit klarem Himmel, die wir gerade mühsam erklungen haben. Wir befinden uns inmitten eines Traums. Doch die krächzenden Rufe der beiden Krähen neben uns holen uns in die Realität zurück. Die weitere Fahrt ganz auf‘s Plateau und bis zum Chelinda Camp ist ein Vergnügen. Die gute Gravelroad führt uns durch die Wildnis. Wir sehen verschiedene grasende Antilopen und Zebras, die beim unserem Motorkrach sofort mal zu einem Spurt von uns weg ansetzen und dann ganz verwundert stehen bleiben. Der Campingplatz liegt inmitten einer kleinen Tannenbaum Gruppe mit einem Blick über die sanfte Hügellandschaft. Nach Sonnenuntergang wird es richtig kalt. So kalt, dass wir den Abend ums Feuer verbringen. Und dann schnell zur heissen Dusche rennen und sofort ins Zelt in den Schlafsack. Wir sind so müde, dass Corinne im Dunkeln mit vollgepackten Händen über die Zeltschnüre stolpert und einen zirkusreichen Abflug macht. Beine, Hände, Kochtopf und Abwaschutensilien waren alle gleichzeitig waagrecht auf einem Meter in der Luft. Und es hat nach Zeitlupentempo ausgesehen. Wie in Matrix. Bei der harten Bauchlandung weiss sie gar nicht, ob sie jetzt lachen oder weinen soll. Wir sind einfach zu geschafft vom heutigen Tag. Es ist Zeit die Batterien aufzuladen. Zu viele Eindrücke heute.

Die nächsten Tage erkunden wir zu Fuss und mit dem Habash die Wildnis. Vor vielen Jahrzehnten zu den Kolonialzeiten Rhodesiens, wurde hier eine Forstwirtschaft aufgebaut. Deshalb findet man immer wieder Abschnitte mit vielen Nadelbäumen. Es wurden an verschiedenen Orten künstliche kleine Seen angelegt und Forellen gezüchtet. Das Klima und die Umgebung sind dafür ideal. Nach der Unabhängigkeit wurde dies der Natur überlassen und so hat sich eine unglaubliche europäische Landschaft mit afrikanischen Tieren gebildet. Für die „Weissen“ hier im Land ist Nyika der Topspot, um den heissen Temperaturen in Malawi zu entfliehen und hier etwas Entspannung zu suchen. Andere Afrikaner zieht es eher weniger hierher. Es ist schlicht und einfach zu kalt.

Für uns ist es eine willkommene Abwechslung. So etwas wie Prävention gegen Heimweh. Oli versucht sich drei Tage lang im Fischen. Die kleine Forelle ist das einzige, was er gefangen hat. Während die temporäre Nachbarsfamilie im Camping täglich Forellen grilliert, gibt bei uns wieder Pasta. Und Erklärungen vom Fischer, dass er ja doch drei Bisse von Riesenfischen hatte. Aber die Angelschnur hätte gerissen, so gross waren die Forellen. Klar. Anglerlatein.

Der Leopard hat uns ebenso besucht. Ein paar Meter neben unserem Zelt hat er sich mit seinem typischen Röhren bemerkbar gemacht. Wir haben uns jedoch nicht aus dem Zelt getraut. Nein, nicht weil wir Angst hatten. Es war einfach viel zu kalt. Der Camp Aufseher hat uns am Morgen erklärt, der Leopard sei bei der Baumgruppe gleich bei uns rumgeschlichen. Er hätte von den Zebras die Geschichte eines komischen Motorrads gehört und wollte sich das Ding wohl selber mal anschauen. Der komme sicher wieder. Hier in Nyika hätten sie eine ausserordentliche Leoparden Dichte. Und von Hyänen. Deren verräterisches Lachen dringt abends durch die Täler.

 

Waza Wildnis Gebiet
„Ehrlich gesagt, würde ich mit eurem Moto nicht quer durch die Landschaft und durchs Elefantengebiet. Die Strecke ist in einem schlechten Zustand. Und es sind viele neue Elefanten am Fusse des Plateaus ausgesetzt worden. Die sind noch etwas nervös und würden Euch wahrscheinlich attackieren“. Wir schenken unserem Camp Aufseher Glauben und fahren über die gute Schotterpiste weiter südlich vom Plateau runter ins Waza Wildlife Gebiet. Die in der Karte eingetragene Abkürzung auf einem kleinen Pfad entpuppt sich als eine der schönsten Routen, die wir je gefahren sind. Die Sonne sinkt langsam und wir fahren an traditionell bemalten, afrikanischen Dörfern vorbei. Die Menschen in bunten Tüchern gehüllt, kommen uns von den Feldern entgegen. Bei dem warmen Licht erscheint uns die Kulisse wie gemalt. Das ist so ein Moment, in dem ich wieder einmal kein Foto machen möchte. Denn ich würde es nicht schaffen, diesen Moment abzubilden. Die Szenerie, die Herzlichkeit der Menschen, die ganze Empfindungen und wir mittendrin – das hätte gar keinen Platz auf einem Bild. Es ist etwas, das ich in meinem Herzen gespeichert habe. Wunderschönes Afrika.

Gerade noch rechtzeitig vor 18 Uhr erreichen wir das Tor zum Waza Wildnis Gebiet. Dieses Gebiet wurde einst als wichtige Ressource der Regierung anerkannt. Elefanten, Büffel, Löwen und vieles mehr gibt es hier. Es ist neben dem Plateau eine der wenigen Touristenattraktionen im hohen Norden Malawis. Doch seit die Touristen im Land immer weniger werden (Malawi leidet extrem stark unter dem Niedergang ihres Nachbarn und Bruderlandes Simbabwe), wurde diesem Gebiet auch immer weniger Beachtung geschenkt. Die Ranger versuchen ihr Bestes, doch die Empfehlungen in den Reise Apps und Foren sind eher ernüchternd. Die Rangerin erklärt uns, dass es mehr Sinn macht ein Chalet für 10 USD pro Nacht zu mieten, als je 10 USD pro Person für Camping auszugeben. Macht Sinn. Die Chalets entpuppen sich als einfachste Holzkabine mit durchgelegenen Matratzen und löchrigen Moskitonetzen. Doch für uns noch immer mehr als gut. Es wäre jetzt gelogen zu sagen, endlich wieder einmal in einem Bett schlafen, doch mit dem Zusatz unserer Matratze und dem Schlafsack ist das ganz ok. Und die Sicht…genau aufs Wasser. In den nächsten Tagen erleben wir hier viele Elefanten, hunderte Büffel, andere Tiere und Sonnenuntergänge wie sie nur im Kino zu sehen sind. Auch gestattet uns ein Ranger, mit der genügenden Vorsicht, zu Fuss unterwegs zu sein und Fotos zu machen. Wir engagieren ihn dann gleich auch noch für einen Morgen als Guide. Zu Fuss geht’s zu den Elefanten. Er freut sich richtig, dass wir so viel Interesse haben und bestimmt auch an dem kleinen Zusatzeinkommen, dass wir ihm gerne zustecken. Für uns ist Waza ein toller Flecken Erde und als Empfehlung auf dem Weg zu Nyika Plateau auch einen Abstecher wert.

 

Shoprite Mzuzu – Käse, Butter, Schokolade – Fast wie Weihnachten  
Seit über fünf Wochen haben wir keinen Supermarkt mehr gesehen. Es geht natürlich auch ohne. Man gewöhnt sich an Tomaten und Zwiebeln, die es hier in Hülle und Fülle gibt. Pasta, Kartoffeln runden das tägliche Menu ab. Wir entscheiden uns gegen den Abstecher in den historischen Ort Livingstonia, was eigentlich ein Muss in Malawi ist. Wir haben schon viel Zeit im Norden verbracht und wollen etwas vorwärts kommen. Auf dem Weg nach Makuzi Beach – dem berühmtesten und schönsten Strand am Malawisee, kommen wir in die grösste Stadt im nördlichen Teil. Nach Mzuzu. Von weitem sehen wir die in roten und mit weiss umrandetem Buchstaben SHOPRITE. Die grösste Supermarktkette Südafrikas. Wir reizen Habashs Reserven aus, um rechtzeitig vor Ladenschluss dort zu sein. Weihnachten für uns. Echt. Überall hängen die Werbefähnchen, der Santa Claus grüsst von Plakatwänden, Angestellte tragen Weihnachtskappen. Super Aktionen überall. Es ist zwar erst Anfang November, doch für uns sind es vorgezogene Festtage. Und ehrlich gesagt, sind wir wie kleine Kinder im Wunderland. Wir haben auch keinen Plan oder eine Einkaufsliste. Denn wer mit einer Ural reist, sollte dies haben. Der Platz ist beschränkt und die Lebensmittel sollen gut gewählt sein. So verlassen wir den Laden mit nichts anderem als Bier und Schokolade.

Es zieht uns ins Macondo Camp zu Luca und seiner Familie. Es ist der Geheimtipp hier im Norden. Es sind italienische Reisfans, die nach jahrelangem Unterwegssein hierher gefunden und sich ihr Leben mit einem Camp verwirklicht haben. Luca war früher als Restaurantbesitzer in der Levante tätig. Immer wieder bringen ihm seine Freunde echten Parmaschinken und viele weitere traditionelle Köstlichkeiten. Die Pasta wird nach Familienrezept täglich frisch hergestellt. Die Absacker wie Limoncello und Kaffeeschnaps nach altem traditionellem Rezept selber hergestellt. Mittlerweile kaufen fast alle besseren Restaurant und Lodges in Malawi seine italienischen Likörs. Das Essen ist für Langzeit Reisende wie uns zwar nicht gerade günstig, doch wir wohnen für wenig Geld auf dem Camping bei ihm. Mezzi rigatoni con burro e salvia – Nudeln mit Butter und Salbei. Man glaubt es nicht. Weihnachten hört für uns gar nicht mehr auf. Was uns auch auffällt: Viele Einheimische besuchen das Lokal und gönnen sich etwas von der Karte. Die Pizzas finden reissenden Absatz. Hier gibt’s kein Brotteig mit etwas Cheddar und Tomaten. Sondern hauchdünnen Pizzateig mit richtigem Mozzarella und besten Zutaten. Gebacken in einem richtigen gemauerten Holzofen. Das Macondo Camp ist mittlerweile schon so etwas wie eine Attraktion in Malawi.

Nach drei Tagen haben wir unsere Einkaufsliste fertig und decken uns im Shoprite ein. Sogar für Corinne´s überzuckerte Kodensmilch finden wir einen Platz im Habash. Neben der Kameratasche und dem Hackebeil hat es noch eine kleine Ecke um es reinzustopfen. Vollbeladen geht’s weiter Richtung See.

 

Makuzi Bay – Da will ich nie mehr weg!
Auf bester Asphaltstrasse cruisen wir durch einen Wald und wundern uns die ganze Zeit, was uns die Menschen am Strassenrand verkaufen wollen. Alle haben so etwas wie einen Fussball in der Hand und preisen den an. Bei einem Stopp schauen wir uns das näher an und stellen fest, dass dies ein Gummiball ist. Seit zwei Stunden fahren wir durch die Kautschukwälder. Und wir haben uns schon gewundert, warum die Bäume so eingeritzt sind und auch Plastiksäcke dranhängen. Leider haben wir keinen Kubikmillimeter mehr Platz für so ein Andenken. Das GPS zeigt uns an, dass wir uns Chinteche nähern und von dort führt eine sandige Piste zum See. Makuzi Beach. Wir glauben zu träumen. Vom Hochplateau Nyika vor ein paar Tagen und heute an einem Platz, der aus einem Reisekatalog der Südsee zu stammen scheint. Der Campingplatz auf saftig grünem Gras mit bester Aussicht auf den See, der eigentlich ein Meer ist. Wir sind mitten im Rift Valley. Am berühmten Malawi See. Dem drittgrössten See Afrikas.

Doch der Schrecken wartet im Paradies.

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