Space Cowboys – Mosambik


„Wenn ich es dir sage. Sie haben beide geheult. Es war die schrecklichste Fahrt ihres Lebens. Auch wir haben über 8 Stunden für diese 300 Kilometer gebraucht. Ich weiss ja nicht, wie ihr das machen wollt, doch das ist kein Zuckerschlecken.“ Die Frau meint es ja nur gut mit uns. Ihr Mann steht daneben und lächelt verschmitzt. Wir stehen gerade an der letzten Tankstelle, am Start der berüchtigten „SpaceRoad“ Caia am Sambesi River nach Vilanculos.
Das britische Paar spricht uns auf unser Seitenwagen Heavy Duty Offroad Fahrzeug an. Abgefahren, waren ihre ersten Worte. Total erstaunt laufen sie zweimal um den Habash. Fotokameras klicken. Sie können es kaum fassen, dass jemand damit durch ganz Afrika reist. Und dann erst noch mit dem Gepäck. Wir glauben in ihnen grosse Abenteuererfahrungen anzusehen. Die sind bestimmt nicht das erste Mal in Afrika unterwegs. Ein Blick auf ihr Fahrzeug. Es sieht so aus, als hätte es sich durch eine abenteuerliche Piste gekämpft. Weiss ist wohl die Grundfarbe, orange die aktuelle. Die Stossstange hängt schief, vorne links ist der Ford Ranger verbeult und wenn mich nicht alles täuscht tropft auch ein bisschen Öl von dem eigentlich eher neu aussehenden Wagen.

Der lächelnde Engländer macht uns Mut: „Aber ich bin sicher ihr schafft das. Wisst ihr eigentlich, dass man die vielen tausend Schlaglöcher vom Weltall aus sieht? Das haben uns die Einheimischen gesagt. Wir haben da noch gelacht, doch nun wissen wir, dass dies KEIN Witz ist. Hey Fred, komm mal her und erzähl den Slowridern was Sache ist.“ Der Tankwart schlendert gemütlich zu uns hinüber und bestätigt die Aussagen des Engländers mit einem herzlichen Lachen. „Das wird euch gefallen, eine echtes Abenteuer. Der Regen von gestern macht es nicht einfacher“, meint der Einheimische. Und er hat noch einen Tipp für uns: „Passt auf die grossen Lastwagen auf. Die fahren nicht auf ihrer Spur, sondern einfach dort wo sie irgendwie durchkommen. Sie nehmen keine Rücksicht.“
Und so werden wir zu den Space Cowboys. Auf zum Pothole-Rodeo.

 

Endlich in Mosambik
Die Fahrt durch den Südosten Malawis über Malanje hat uns noch einmal das Herz höher schlagen lassen. Die Teeplantagen verwandeln die Landschaft in ein schimmerndes Grün. Winkende Menschen. Hügel um Hügel gleiten wir im grünen Meer auf bester Asphaltstrasse. Noch ein paar Scherze beim Ausstempeln. Und ja liebe Zollbeamte – wir haben uns richtig wohl gefühlt. Danke der vielen Nachfragen. „Hoffentlich ist das in Mosambik genauso. Bin ja mal gespannt.“ Corinne weiss noch nicht so recht, was uns erwartet.
Mit tausenden Kilometern Küste am indischen Ozean, stellen wir uns traumhafte Strände, einen Fischreichtum ohne Ende und glückliche Menschen vor. Gerade die Küstengegenden im Norden sollen zu den Schönsten der Erde gehören. Jedoch darf man nicht vergessen, dass neben Küste auch riesige Flächen Buschland und unterschiedlichste geographische Gebiete dazugehören. Mit 800‘000 km2 ist es zwanzig Mal so gross wie unsere Heimat Schweiz. Also riesig. Es ist eines der beiden Länder in Afrika, in der Portugiesisch gesprochen wird. 28 Millionen Menschen leben in Mosambik. Die meisten davon sind mausarm. Immer wieder mal wird das Land von gewaltigen Wirbelstürmen heimgesucht. Hungerkrisen, Arbeitslosigkeit und immense Korruption in der Regierung sind leider ein fester Bestandteil des Landes. So reisen wir vom sechsärmsten Land in das siebt ärmste dieser Erde. Wusstest du eigentlich, dass die zehnärmsten Länder alle in Afrika sind. Teilweise sind solche Statistiken kaum auszuhalten. Vor allem, wenn man dann selber dort ist und in das Leben eintaucht. Würde man mal eine Liste der zehn Länder mit der grössten Herzlichkeit erstellen, die Letzten würden ganz bestimmt die Ersten sein.

 

Nao falar portugues.
Wir versuchen verzweifelt das Schild oberhalb des Einreiseschalters am Posto Fronteirico de Muzola zu verstehen. Da helfen uns Corinnes Spanisch Kenntnisse wenig. Auch nicht, dass wir zu Hause mit unserer portugiesischen Nachbarin Sofia, die wichtigsten Worte geübt haben. „Nao falar portugues“ ist das einzige was mir noch einfällt. „Das macht nichts. Ich spreche auch Englisch. Seid willkommen bei uns“, antwortet der junge Beamte und zwinkert mit dem linke Auge. „Einfach diese Dokumente ausfüllen, das Carnet de Passage bringen und dann gibt’s eine Fotosession und ihr seid frei rumzureisen. Bem-vindo a Mocambique!“

Ein klein gewachsener, alter Mann steht ganz nah bei mir, nimmt meine Hand und wir gehen an den klapprigen Stehtisch. Er nimmt seinen kaputten Kugelschreiber und zeigt auf das Formular. Ok – gemeinsam ausfüllen. Wir lassen uns das umgerechnet einen Dollar kosten. Kein guter Deal für mich, dafür eine gute Tat für ihn. In der Zwischenzeit hat sich mal wieder eine Traube um unser Motorrad gebildet. „Noch nie gesehen. Kann ich kaufen?“ ruft uns ein Bewunderer in rudimentärem Englisch zu. „Wieviel hast du dabei?“ rufe ich zurück. „3000 Meticais. Und zu Hause noch 500 Rand“, freut er sich schon. „Corinne, wieviel Meticais sind 1 Schweizer Franken?“ Ein kurzes Nachfragen beim Zollbeamten. „Ok, 3000 Meticais sind 50 USD. Plus die 500 Rand. Macht dann ein Angebot von etwa 85 Schweizer Franken“. „Sorry, lieber Herr Mosambiker. Das ist nicht ganz genug. Du müsstest schon noch etwas drauflegen“. Er winkt ab, macht einen Shakehand mit seinem Kollegen und wünscht uns ein eine schöne Reise. Die rumstehenden Beamten lachen sich kaputt. Ich glaube, genau deshalb sollte jeder Mensch mal in seinem Leben auf Reisen gehen. Begegnungen voller Überraschungen und Herzlichkeit. Dabei geht es nicht ums Geld. Ok, hier ja schon irgendwie. Denn für 85 Schweizer Franken sind beim besten Willen nicht genug für dieses einzigartige Astronautenbike. Wir ziehen los.

 

Viel Zeit um nachzudenken. Ein kleiner Auszug von unterwegs.
Die Landschaft macht im Gegensatz zur malawischen Seite ein trister Eindruck. Überall sind grosse Landstriche nieder gebrannt. Leider ist die Produktion von Holzkohle ein Geschäft der Ärmsten. Überall auf der Welt. Es ist oftmals eine der einzigen Einnahmequellen. Die Herstellung ist einfach, die Bäume wachsen ja wieder (denken sie) und das bisschen Geld ist überlebenswichtig. Da können wir noch lange von Umweltschutz sprechen. Das verstehen die Menschen nicht. Denn es braucht ja Kohle zum Kochen. Doch oft gibt es einfach keine andere Möglichkeit, um ein paar Meticais zu verdienen. Leider wachsen die natürlichen Rohstoffe niemals genug schnell nach, die Luftverschmutzung offenbart sich mit einem stetigen säuerlich beissenden Geruch. Das kommt von den verbrannten Eukalyptus Bäumen. Das Wild hat danach keinen Lebensraum mehr. Obwohl, die wilden Tiere sind in den Gebieten eh Mangelware, denn sie sind der Wilderei zum Opfer gefallen.
Wir haben selber kein Verständnis dafür und es fällt uns gleichzeitig schwer dies einfach zu akzeptieren, dennoch können wir das Verhalten der mausarmen Bevölkerung nachvollziehen. Auf dem Motorrad haben wir bei langen Strecken oft stundenlang Zeit zum Nachdenken. Weil wir wegen dem Motorenlärm nur in Pausen miteinander sprechen können, denkt jeder für sich. Immer und immer wieder geht mir (Oli) ein Gedanke durch den Kopf: Umweltschutz muss man sich wahrscheinlich leisten können. Es ist verrückt, doch hier sind viele andere Probleme zuerst zu lösen, damit die Menschen wieder im Einklang mit der Natur leben können.

Und da beisst sich der Hund in den Schwanz. Denn wir sind oft indirekt mitverantwortlich, wie das Leben in den ärmsten Ländern organisiert wird. Die reichen Industrieländer sind zweifelsohne Mitverursacher mit ihrer Ressourcenpolitik. Und die Schweiz ist da mittendrin. Doch gleichzeitig wurde dies ja auch schon seit längerem erkannt und es kommen Hilfsgelder ins Land. Um weitreichende Projekte mit den Regierungen zur Lebensverbesserung umzusetzen. Um den Menschen in ihrem täglichen Umfeld zu helfen. Es werden viele Milliarden von Dollars jährlich in die ärmsten Länder der Welt transferiert. Und es versickert. Meistens. Irgendwo im politischen System. Auch private Organisationen machen, was nur möglich ist. Doch oft haben wir den Eindruck, dass auf dem Land wenig bis nichts ankommt. Es macht es auch nicht einfacher, dass sich diese Menschen oftmals an Traditionen festkrallen und selber wenig Bereitschaft zur Veränderung haben. „Bildung, Bildung“ rufen dann viele als Erstes. Da stimmen wir voll zu. Nun, die gebildeten Jungen ziehen so schnell wie möglich aus den Dörfern weg in die Stadt. Die Städte vergrössern sich ständig mit Menschen, die dort ums Überleben kämpfen und auf dem Land geht’s weiter wie bisher. Das ist kein Vorwurf an die Entwicklungshilfe, die in jedem Fall ihr Bestes versucht (und damit den Regierungen der reichen Länder ihr schlechtes Gewissen oftmals auch etwas mindert oder eben legitimiert). Es ist schlicht sichtbare Realität vor Ort.

 

Krokodilfutter
Die Zeit auf unseren ersten hundert Kilometer vergeht wie im Flug. Die Gedanken rasen. Endlich nehme ich wahr, dass wir uns nicht mehr in einer tristen Gegend befinden. Sondern auf einer von grünen Bäumen und Feldern umgebenen Landstrasse. Die Menschen stehen am Strassenrand und bieten in kleinen Ständen ihr Gemüse und Früchte an. Mangos, wohin man blickt. Die Häuser wechseln von Stroh zu Backstein. Links und rechts werden es mehr. Auch immer mehr Menschen und Autos, die uns entgegenkommen. Auf der rechten Strassenseite verpassen wir gerade unsere angepeilte Bleibe, die Mission Post Mocuba. Kann passieren. Es gibt uns die Gelegenheit, uns in Mocuba umzusehen. Geschäftiges Treiben entlang der Hauptstrasse erfüllt die mit 70‘000 Einwohnern achtgrösste des Landes. Würden wir weiter auf der Hauptstrasse bleiben, würden wir in den sagenhaften Norden gelangen. Dort, wo die Traumstände sind. Leider fehlt uns die Zeit, wir sind ja noch immer auf dem Weg nach Südafrika für das Weihnachtsfest. Noch gute zwölf Tage bis dahin. Der heutige Tag war lang, es wird gleich dunkel und wir finden kein in der Stadt kein Zimmer, das in unser schmales Tagesbudget passt. Also geht’s wieder zurück zur Mission, wo wir in einem alten Haus unser Zelt aufstellen. Da wir morgen früh los wollen, möchten wir nicht wieder warten bis es nach dem nächtlichen Schauer wieder einigermassen trocken ist. Die Oberin aus Papua Neuguinea findet es eine gute Idee und sammelt gleich noch ein paar Mangos für uns auf. „Damit ihr ein gutes Nachtessen zaubern könnt“. Herrlich. Also, Salat mangonaise zur Vorspeise, Teigwaren mit einer süss-sauer Sauce und Mango Schnitze zur Nachspeise. En Guata.

Der nächste Tag besteht vor allem aus viel Motorrad fahren. Dreihundert Kilometer auf der gut asphaltierten Hauptstrecke. Ein paar Pausen. Immer wieder erschreckt uns, wie arm die Menschen sind. Kaum ein Kind und auch Erwachsene haben nur einigermassen Kleidung. Teilweise sind sie einfach nackt. Es ist echt traurig so etwas zu sehen. Wir machen was wir können und kaufen unsere Verpflegung an den Strassenständen. In Chimuara angekommen, quartieren wir uns auf dem Camping der CuaCua Lodge ein. Oli macht eine Fusstour zum mächtigen Sambesi Fluss und verbringt viel Zeit mit dem Austausch mit einheimischen Bauern. Die Felder um den Fluss sind grün, Mais wächst überall. Kurz vor dem Start zum Kochen ziehen sich Wolken zusammen, es sieht bedrohlich nach Regen aus. Und dies einen Tag vor unserem Start zur Abenteuerstrecke nach Inchope. Und schon fallen die ersten grossen Tropfen. Kocher abstellen, Sachen in die Absiden, Zelt schliessen. Wir gehen ins Restaurant. Und hier werden wir als einzige Gäste verwöhnt. Mit Krokodilspiessen. Lecker, lecker. Draussen pisst es ohne Ende. Von weiten sehen wir unser Zelt hin und her schwanken. Ach, das hält schon. Solange es regnet trinken wir uns mit portugiesischem Hauswein Mut für die morgige Tour an. Und da reicht eine Flaschen nicht. Endlich ist der Regen durch und wir watscheln nicht ganz trittsicher durch das nasse, schmierige Gras zum Zelt. An mehr kann ich mich nicht mehr erinnern.

 

Space Cowboys – der Höllenritt von Caia nach Inchope
Genug Vorgeplänkel. Seit Stunden kämpfen wir uns von Schlagloch zu Schlagloch. Aufgrund unserer Breite, haben wir manchmal das Glück, nur mit einem Rad in die Löcher zu fallen. Die Fahrzeuge haben es da viel schwieriger. Was eigentlich gar nicht so schlimm aussieht, ist eine Tortur. Ich meine, Offroad fahren ist Spass. Auch mit einer Ural. Aber eine total kaputte Strasse ist keine Offroadstrecke. Es ist einfach nur eine kaputte Strasse und macht keinen Spass. Das Fiese dabei ist, dass dann plötzlich wie aus dem Nichts eine wunderbare Asphaltstrasse kommt, wir uns freuen, es endlich geschafft zu haben. Und es nach 200 Meter schon wieder vorbei ist. Der ständige Nieselregen macht es nicht besser. Und natürlich kommen dann auch immer wieder die grossen Lastwagen mit Anhänger. Denen ist es egal, wer entgegenkommt. Sie fahren gerade dort, wo es für sie am wenigsten schlimm ist. Immer wieder müssen wir weg von der Strasse in den Schlamm auf der Seite. Es interessiert sie nicht, dass wir oftmals nur mit Ach und Krach wieder auf die Piste kommen. Immer wieder klingen bei uns die Worte der Engländer nach: Kein Zuckerschlecken. Löcher, die man vom Mond aus sehen kann. Wie Recht, die hatten. Wir können einfach froh sein, dass es nicht richtig regnet. Dann nämlich ist diese Strasse ein Ding der Unmöglichkeit. Unterwegs halten wir immer wieder mal, brauchen Pausen und stellen den Einheimischen unsere Astronautenmaschine zur Betrachtung zur Verfügung. Sie sind erstaunt, dass wir uns dies mit einem Seitenwagen Motorrad antun. Und sie erklären uns auch, dass in ihrem Gebieten die Regale in der Regenzeit leider oft leer sind. Die grossen Lastwagen schaffen es kaum hierher. Und die Regierung hat seit langem versprochen, die Strasse zu reparieren, damit die Versorgung im Land sichergestellt werden kann. Anscheinend seien die Chinesen schon bei der Planung. Und tatsächlich. Nach weiteren zwei Stunden sehen wir einen chinesischen Arbeiter mit Leuchtweste und Vermessungsgerät rumstapfen. Es besteht Hoffnung.

Doch ehrlicherweise muss ich an dieser Stelle vorgreifen und mitteilen, dass genau diese Gebiete mehrere Monate später von dem gewaltigen Zyklon Idai heimgesucht wird. Über tausend Menschen starben, Dörfer und Landschaften wurden total zerstört. Hier wird wohl für die nächsten Jahre keine Strasse mehr entstehen. Es ist unglaublich, dass es immer auch noch die Ärmsten der Ärmsten trifft. Doch zu unserem Zeitpunkt wussten wir das natürlich noch nicht.

Nach über 8 Stunden Höllenritt erreichen wir den ersten grösseren Ort. Inchope. Gleich beim ersten Guesthouse halten wir hundemüde an, nehmen uns ein zahlbares Zimmer und schlafen nach einen kleinen Nachtessen wie Götter, die durch die Galaxien gereist sind.

 

Hurra, wir leben noch – auch wenn der Rücken schmerzt
„Hey hey, ich habe so richtig Muskelkater. Mein Rücken fühlt sich steif an und meine Arme brennen“. Corinne schmunzelt und macht mal schnell den Hampelmann. Sie hat ja gut reden. Ihr Sitz im Seitenwagen ist ja auch ein Komfort Sitz. Meiner leider nicht. Und so verbessern wir unsere Fertigkeiten im Schlaglochfahren weiter. Inchope war nicht das Ende. Nach weiteren 300 Kilometer Rodeo glauben wir kurz vor unseren Augen nicht zu trauen. Feinster Asphalt. Kein einziges Schlagloch. Das kommt mir so vor wie eine Fata Morgana in der Wüste. Wasser am Horizont. Und dann ist da Wasser. So können wir unser Glück kaum fassen und freuen uns über das Gleiten auf dem Asphalt. Wir werden dann am Abend vom südafrikanischen Campingbesitzer am Strand von Inhassoro auch gleich aufgeklärt. „Von hier bis zur Grenze nach Südafrika ist die Strasse in bestem Zustand. Es ist das Gebiet entlang der Küste, wo die Hotels und Camps fast ausschliesslich den weissen Südafrikanern gehören. Ebenso haben tausende von ihnen hier ihre Ferienhäuser. Fast alle von ihnen fahren zwar grosse Allrad Fahrzeuge, doch keiner mag die kaputten Offroadstrecken. Die Fahrzeuge brauchen sie, um ihre Boote und Campinganhänger zu ziehen. Und deshalb sind die Strassen bis hierhin in perfektem Zustand. Weiter oben gibt es keine Ferienhäuser mehr. Und es ist gerade Hauptferienzeit. Ihr werdet dies nun an jedem Ort an der Küste erleben. Das wird sicher spannend für Euch.“ Aus unseren vergangenen Jahren in Afrika, haben wir die Ferienzeit der Südafrikaner schon mehrmals erlebt. Es ist ein Campingvolk, das im Dezember bis Mitte Januar alle anderen Länder rund um ihr eigenes bevölkert. Doch was wir hier erleben, ist verrückt. Unsere Erlebnisse mit den Hillibilli Buren aus Südafrika sind faszinierend und gleichzeitig verstörend.

 

Traumhafte Strände auch im Süden – nur nicht im Dezember
Wir lassen uns von unserem Treffen in Südafrika nicht stressen. Wir haben noch fast acht Tage Zeit. Und so verbringen wir etwas Zeit in Vilanculos, einem der bekannten Orte im südlichen Mosambik. Uns fasziniert der Fischhandel der Einheimischen am Strand. Da wird um jeden Fisch gefeilt, die Qualität wird von den Mamas genauestens kontrolliert, bevor sie um den Preis kämpfen. Ein herrliches Schauspiel. Die Einheimischen sind offene und herzliche Menschen. Immer wieder müssen sie selber über ihre Rangeleien beim Fischkauf lachen.
Das Beste erleben wir ein paar hundert Kilometer südlich bei Zavora Beach Camp. Wir entschliessen uns für drei Tage herrliche Mosambik Küste. Die Preise hier sind in der Hochsaison schon ziemlich teuer für die lokalen Verhältnisse. Gleich das Zweifache als vor einer Woche. Oli geht schnurstracks auf die Rezeption zu und erzählt der feschen Dame etwas von Reisenden, Budget und Möglichkeit für Rabatt. Die Frau lächelt und schlägt sofort ein. Wir bekommen das Camp auf der Düne mit Blick aufs Meer. Für den halben Preis. Ohne Diskussion. Mindestens dies hätte uns stutzig machen sollen. Mit Ach und Krach schaffen wir es mit dem vollbeladenen Habash auf der steilen Sandstrasse auf die letzte Düne. Und stehen gleich bei unseren Camp. Zwischen kleinen Bäumen hat es genau Platz für ein Zelt wie unseres. Dafür haben wir ein kleines Lappa (Unterstand), in welchen unsere kleinen Tische und Stühle Platz haben. Auf der Dünen selber ist ein herrlicher Platz mit Blick über die wunderschöne Küste. Der Campingplatz bietet Platz für fünf Camper mit Fahrzeugen und Dachzelten. Doch nicht zu dieser Jahreszeit. First come first serve, scheint das Motto zu sein. Uns gegenüber hat jemand gleich 2 Plätze besetzt. Zwei riesige Zelte, ein grosser Grillplatz, Auto, Boot und rundherum ein hoher, grüner Plastikzaun. Damit auch niemand nur einen Blick hineinwerfen kann. Für zwei Personen. Wir sind ganz verwundert.

 

Wir haben gelernt: Der Divider ist des Buren Castle
Kaum sind wir installiert, röhrt es. Zwei total ausgebaute Offroad Fahrzeuge mit Anhänger rollen auf den Platz. Zwei Junge Südafrikaner, mit Massen von übergewichtigen Kugelstössern steigen aus. Die beiden jungen Frauen würde man heute wohl korrekt als Supersize Models beschreiben. Und schwupps, sind die anderen drei Plätze auch besetzt. Ein Team von Einheimischen kommt gelaufen und fangen an, ihre kleine Zeltstadt aufzubauen. Drei grosse Zelte werden aufgebaut, eine mobile Küche mit grossen Kühlschrank eingerichtet, Liegestühle auf unseren Dünenplatz mit Aussicht gestellt, Musikboxen aufgehängt. Die lokalen Mitarbeiter werden von den Hillibilli Buren ziemlich schroff angewiesen. Natürlich rührt keiner von den Weissen auch nur einen Finger. Dafür hat jeder schon einen Brandy-Cola in der Hand. Und dann der Divider. „Braucht ihr eure Grillstelle?“ werden wir auf Englisch mit katastrophalem Akzent gefragt. Ja natürlich. „Das ist etwas problematisch. Denn wir wollen den Divider dahinter aufstellen. Könnt ihr anderswo kochen“ fragen sie uns nach. „Wie bitte? Was ist überhaupt ein Divider?“ Die eine Dame läuft kopfschüttelnd weg. Idioten, scheint sie wohl zu denken. Nach 10 Minuten verstehen wir. Der Divider ist der 1,8 Meter hohe Plastikzaun. Er wird rund um ihren Platz aufgestellt. Auch hinter dem Grill vorbei, bis zur Düne. Wir sind völlig perplex. Jetzt leben diese Leute doch das ganze Jahr schwerbewacht hinter Mauern, Stacheldraht Zaun, teuren Alarmanlagen und mit Bewachungsschutz in ihren Häuser und auf ihren Farmen. Ständig in Angst vor Überfällen und Farm Morden. Und dann gehen sie in die Ferien, an Orte wo nur Gleichgesinnte sind und wieder igeln sie sich ein. Puh, das ist wirklich ein krankhaftes Verhalten. Das nennt man Psychosen oder so, glaube ich.

Doch wir erleben noch mehr kurioses. Unsere herrliche Düne wird gleich auch noch annektiert. Vier Liegestühle, zwei Sonnenschirme und wir glauben es kaum: Zwei Ventilatoren, die über Verlängerungskabeln angeschlossen werden. Da oben ist eine ständige Seebrise. Natürlich darf die Beschallung nicht fehlen. Buren Schlager für 15 Stunden am Tag. Unsere Mäuler bleiben offen. Wir staunen. Kontaktaufnahme ist so etwas wie unmöglich. Vielleicht auch, weil wir gar keine Lust haben darauf. Um 11 Uhr morgens haben diese Camping Burgbewohner eh schon drei Brandy Cola intus, so dass wir jegliche Lust verlieren, diese Hillibillies näher kennenzulernen.

Dafür lernen wir eine sympathische Familie aus Durban kennen. Wir haben sie schon in Vilanculos getroffen. Bei ihrem Besuch auf unserem Platz in der Düne müssen selbst sie lachen. „Ach, das ist typisch. Die jungen Buren. Das ist eben der grosse Unterschied zu uns. Wir sind englischer Abstammung und leben in Durban. Das ist schon ein grosser Unterschied. Die mögen auch uns nicht so richtig“ lachen alle zusammen. Sie zeigen uns, wo wir schnorcheln gehen und die Tage doch noch etwas geniessen können. Für uns ist es eine wertvolle Erfahrung. Wahrscheinlich haben wir genau die Typen erlebt, weshalb in Südafrika ein grosser Bruch in der Gesellschaft besteht. Doch ganz ehrlich: Hat nicht jedes Land seine Hillibillies?

Und wir dürfen sagen, dass wir noch ganz viele sympathische, hilfsbereite und herzliche Buren treffen. Und die sind in der Mehrheit.

 

Auf nach Südafrika
Die letzten 16 Tage sind wir fast 3´000 Kilometer durch Mosambik gereist. Wir haben viel Strecke gesehen, immer wieder mal Begegnungen mit Einheimischen gehabt, den südafrikanischen Ferienzirkus erlebt und ganz ehrlich: viel zu wenig Zeit gehabt. Wir sind nicht wirklich eingetaucht in dieses Land. Das Leben in den Ortschaften, die alten Kolonialbauten und die Nähe zu den Menschen haben wir viel zu wenig erlebt. Wir sind schon lange unterwegs und haben dennoch nicht genug Zeit. Damit müssen wir umgehen lernen. Uns ist das Wiedersehen mit unseren Freunden in Südafrika auch sehr wichtig. So verlassen wir Mosambik und reisen in Koomatiport in Südafrika mit der Erfahrung ein, hier irgendwann nochmals zurückzukommen.
Adeus Moçambique!