Von Freu(n)den und Leiden in Kapstadt


„Haut ab. Weg von meinem Grundstück. Ich kümmere mich nicht um euren Landcruiser. Geht, sonst passiert etwas.“ Der hat wohl jemand einen schlechten Tag erwischt. Oder noch zu wenig Alkohol intus, wie wir später erfahren. Der ziemlich unfreundliche, weisse Südaffe (sorry für den Ausdruck, aber in diesem Fall ist es passend) verscheucht uns wie lästige Paviane, die etwas klauen möchten. Um das zu untermauern, rollt er seine Hemdsärmel hoch. Seine von der Sonne braun gefärbten und behaarten Unterarme machen mir wenig Eindruck. Da sind keine riesigen Muskeln zu sehen. Doch sein Gesichtsausdruck gleicht einem zornigen Pavian Männchen. Es ist wohl besser, wir lassen diesen Rabauken in Ruhe. Das Schild hinter ihm mit 24/7h Abschleppdienst wirkt nun ziemlich unwürdig. Nach einem chilligen Sylvesterausflug auf dem BlackPearl Weingut in Paarl mit Esther und Phillip, sind wir, man mag es kaum glauben oder wie könnte es wohl anders sein, mit unserem Sorgenkind von Landcruiser stehengeblieben. Zufälligerweise genau vor den Toren dieses Abschleppdienstes. Irgendwo in der Pampa zwischen Paarl und Stellenbosch. Da haben wir noch gelächelt. Was für ein glücklicher Zufall. Doch wir täuschen uns gewaltig. Wir begegnen hier dem ersten Südafrikaner, der a) nicht helfen will, b) uns als idiotische Touristen betrachtet und c) uns vom Hof verjagt, wo wir ihn doch in bester Schweizer Freundlichkeit gegen Bezahlung um Hilfe gebeten haben. Die Story wird noch viel verrückter, doch alles der Reihe nach.

 

Esther und Phillip – Verrückt und verrückt gesellt sich gern
Nach entspannenden Weihnachtstagen, sind wir zu Esther & Phillip nach Kapstadt gezogen. Sie laden uns ein, so lange zu bleiben wie wir wollen. Die Beiden sind hier an der Uni und in einem Spital und machen gerade ihr Post Doc. Also ihre Arbeiten für ihre Doktortitel in Zellbiologie und als Ärztin. Sie wohnen in dieser Zeit in einer gestylten Reihenhaushälfte im bekannten und etwas flippigen Observatory Viertel. Hier spielt das echte Leben. Hippies, Studenten, erfolgreiche Schwarze, erfolglose Schwarze und Weisse, Touristen, Rumhänger und Säufer. Und doch macht alles einen gesitteten Eindruck. Restaurants verschiedenster Herkünfte, gestylte Kaffeebars, getäferte Bierschenken mit toller Auswahl und Futter- und Spirituosenläden mit erlesener Auswahl. Und das alles ohne den touristischen Anstrich wie im Woodstock Viertel, das daran grenzt. Wir fühlen uns sofort wohl. Die Welt hat uns wieder. Für ein paar Tage. So unser Plan.

Esther und Phillip sind ebenso etwas verrückt. Denn anstatt mit dem Flieger in acht Stunden hierher zu kommen und mit ihrer Arbeit zu starten, hatten sie die Idee umgesetzt, mit einem alten, ausgebauten Mitsubishi Lieferwagen hierher zu fahren. Die haben ja auch viele Abenteuer unterwegs erlebt. Wir haben sie vor einem halben Jahr in Namibia getroffen. Einmal im Damaraland. Völlig entspannt und ausgehungert im OppiKoppi. Und dennoch haben wir die Mega Pizza zu viert nicht geschafft. Und das zweite Mal ein paar Wochen später, als sie mit einer gebrochenen Vorderrad Aufhängung mit 5 Km/h in der brütenden Hitze und auf der schlechtesten Strasse Namibias von Sossusvlei nach Solitaire zum Kuchenessen geschlichen sind. Die haben ja Humor bewiesen. Der Kontakt mit ihnen hat sich gehalten. Als sie uns nach Kapstadt eingeladen haben, mussten wir nicht lange überleben. Wir mussten ja sowieso raus aus Namibia. Wir wollten eigentlich ja nicht extra nach Kapstadt, aber mit dem Landcruiser geht’s ja locker. Dachten wir.

Esther hat eine Wanderung ums Kap im „Cape of good Hope“ Nationalpark organisiert. Vom Eingang einfach direkt an den Atlantik, dann der Küste entlang und vor dem Kap der guten Hoffnungen in eine Hütte zum Braai machen (Grillieren) und Schlafen. Anfangs schmunzeln wir über die Zeitangabe von 10 Stunden. „Klar. Typisch hier. Die Leute gehen hier sowieso nie wandern. Wir schaffen das sicher in 7 Stunden“, meint Corinne. Die Tour führt zuerst über einen Bergrücken voller Pflanzen. Die Blumen stehen in allen Farben. Immer wieder sehen wir Blessblöcke rumspazieren. Dem Meer entlang, zwischen alle den hohen Büschen hindurch. Herrlich. Nach sieben Stunden sind wir an einer wunderbaren Bucht. Obwohl ständig eine kühle Brise weht, würden wir am liebsten ins Wasser springen. Wenn da nur nicht dieser Gestank wäre. Nach weiteren zwanzigen Minuten herrlicher Wanderung, erreichen wir die Quelle des süsslich-säuerlichen Geruchs, der ständig in Wellen unsere Nasenhöhlen erklimmt. Ein riesiger Wal. Gestrandet in Kapstadt. Sein Fett glitzert in der Sonne. Krebse umrunden ihn ständig. Verschiedene Vögel picken das tote Fleisch aus dem Körper. Ganz fasziniert und mit einem Tuch vor der Nase inspizieren wir ihn. An seiner Hautfläche kleben verschiedenste, verkalkte  Muscheln. Es scheint einer der hier durchziehenden Humboldt Wale zu sein. Wir sind im Nationalpark, also wird das so liegengelassen. Die Schakale werden bald hier sein. Nach zehn Stunden sehen wir unsere Hütten. Ein dreissig minütiger Anstieg und wir haben es geschafft. Wir sind ganz erstaunt und genauso kaputt. Entweder haben wir unsere ganze Fitness verloren, oder hier gibt es tatsächlich gute Wanderer. Wohl von Beidem etwas. Ein herzhafter Apèro mit Salticrax und Würstchen, Pasta Cinque P und einen guten Schluck Wein. Mit Freunden. Mit Sicht auf das Meer. Was gibt es Besseres?

Der zweite Tag war dann mindestens für Oli etwas lockerer. Seit drei Wochen plagen ihn Rückenschmerzen. Er schafft es gerade mal mit uns zum Kap der guten Hoffnungen und Cape Point und zurück zur Hütte. Dann wird er von einem Ranger bis zum Eingang des Parks mitgenommen. Wir wandern nochmals fünf Stunden der Küste entlang. Es ist schon herrlich, zwischen den verschiedenen Fynbos Pflanzen unterwegs zu sein. Nach zwei Tagen sind wir alle geschafft. Zurück ins Quartier. Ein gemütlicher Kino Abend zu Hause folgt. Irgendeine Kömodie, bei der wir alle zu unterschiedlichen Momenten eingeschlafen sind.

 

Freunde fürs Leben
Die nächsten Tage bis Sylvester kochen wir viel gemeinsam. Für uns ist es natürlich gewaltig. Seit zweieinhalb Jahren haben wir keine Küche mehr gehabt. Ich meine, eine so schöne und mit allem Drum und Dran. Phillip kocht fürs Leben gerne. Sein Chilli con Carne Coffee schmeckt genial. Zum Glück nimmt er Rücksicht auf uns und mischt nur so viel Chilli rein, dass es einmal richtig und beim zweiten Mal mild brennt. Und so lernen wir Kapstadt nochmals von einer anderen Seite kennen. Wir hängen an wenig bekannten, dafür umso schöneren Stränden oder am See bei der Silbermine rum. Gemeinsam geniessen wir die freie Zeit. Sozusagen Ferien. Bis auf das Aquarium in der Waterfront und der Mill in Woodstock, besuchen wir keine Touristen Orte. Doch halt: Irgendwie haben wir das Bedürfnis in die riesige Century City Mall zu gehen. Voll auf Dubai gemacht, aber halt eben doch nicht der Glanz Dubais. Lohnt sich nicht unbedingt als Ausflugsziel.

Dazwischen freuen wir uns an einem Treffen mit unseren Freunden Susie und Arno. Ja genau, die vom Fernsehen. Sie sind auch gerade in Kapstadt in ihrem Haus am Strand. Es wird ein herzliches Wiedersehen. Natürlich wieder mit Picnic am Nordhoek Strand. Auch treffen wir Martin, ein Kollege aus der Heimat. Er ist auch hier für seine Geologie Doktor Arbeit. Sein Traum ist es, mit seinem Motorrad im nächsten Jahr dann nach Hause zu fahren. Vielleicht können wir gemeinsam eine Strecke ausmachen. Er ist es auch, der mit Corinne über den Devils Peak zum Tafelberg wandert, während ich mich wegen den anhaltenden Rückenschmerzen in Therapie begebe und mich so richtig durchkneten lasse. Und danach hängen wir alle ganz geschafft beim Bier ab. Uns geht es unverschämt gut. Wir haben so ein Glück, solch tolle Menschen als Freunde zu haben.
Ein grosses Merci an Euch alle!

Alles ist im Flow. Bis eben zu dem Tag nach unserem Neujahrs Ausflug.

 

Kein schöner Ort hier
Schon wieder streikt die Kiste. Kein Wank. Nachdem wir auf dem staubigen Parkplatz vor der Abschleppbude verwiesen wurden, gucken wir alle vier (Esther, Corinne, Phillip und ich) total entgeistert und ratlos unter die Motorhaube. Die einfachen Tests schaffen wir gerade noch. Die Batterie ist ok, Starter ok, doch wir haben den Eindruck, dass der Motor nicht zünden kann. Da ist doch der Vergaser, Zündkerzen, Zündverteiler, puh, mehr fällt mir gerade auch nicht ein. Als Nicht-Mechaniker ist es zum Verzweifeln. Die Sonne steht auf fünf Uhr nachmittags. Unsere beiden Freunde müssen morgen wieder mit ihrer Arbeit starten.

Corinne läuft zum gegenüberliegenden Hotel in die Bar. Genau. Er sitzt da und säuft Bier. Der schreckliche Typ. Sein Blick geradeaus. Kein Augenkontakt. Der Barmann versteht schnell und spricht einen kleinen, weissbärtigen Typen an. Johan. Er scheint der Gast mit dem geringsten Alkoholpegel zu sein. Ja, er sei Mechaniker. Landmaschinen. Ok, er komme und schaue sich das an. Mittlerweile sind wir zu fünft am Wagen. Der kleine Herr mit dem rotkarierten Hemd versinkt fast im Motorraum. „Klarer Fall, der Vergaser ist kaputt. Oder die Dichtung davon. Der Strom kommt an die Zündkerzen ran. Muss daran liegen. Wir müssen den Wagen hier wegbringen. Heute Nacht kommt Gesindel“, meint er während er seine schwarzen Hände an seiner Jeans säubert. Unsere Freunde gehen mit einem Uber Taxi zurück nach Kapstadt. Es bringt ja nichts, wenn wir alle hier rumsitzen. Wir schieben den tonnenschweren Wagen mit Hilfe von anderen angetrunkenen Leuten zum Hotel. Zweimal siegt die Schwerkraft und ein Gast findet sich mit seinen sauberen Kleider auf dem sandigen Boden wieder. Macht nichts, verzweifelt torkelt er dem Auto hinterher, das wir mit maximal drei Kilometer in der Stunde schieben. Was für ein Anblick. Wir übernachten im Hotel. Johan verspricht uns, morgen wieder zu kommen. So ab zehn Uhr.

In der Zwischenzeit berichten wir unserem Freund und Autobesitzer Stefan in Windhoek was passiert ist. Er hat viel um die Ohren. Stress pur. Soviel, dass er uns lieber gleich einen neuen Wagen schicken will. Doch wir lehnen ab und mit der Begründung, dass man die Reparatur in jedem Fall machen muss. Neuer Tag, neues Glück?

Johan ist fast pünktlich da. Es ist ein Uhr am Nachmittag. Erstmals braucht er einen Pegel um überhaupt auf Touren zu kommen. Dann bespricht er sich telefonisch mit Stefan. Von Mechaniker zu Mechaniker. Stefan ahnt Übles, doch was will er machen? Er meint, er sei ja eigentlich froh, wenn jemand hilft. Er unterstützt uns dabei, ein Vergaser Kit zu finden und telefoniert seine Händler in Südafrika ab. Das Auto ist so alt, es ist nicht einfach. Ersatzteile für den Vergaser zu finden. Zudem haben die meisten Geschäfte erst ab der zweiten Januar Woche wieder offen. Nach Stunden wird er fündig und Esther und Phillip holen das Vergaser Kit beim Händler ab und bringen es uns nach der Arbeit vorbei.

Man sieht aber schon, dass Johan etwas von Motoren versteht. Immer wieder testet er die Elektrik. Doch die ist seiner Meinung nach in Ordnung. Durch das rumhantieren am Vergaser ist die alte Dichtung des Vergasers definitiv kaputt. Auch fehlt nun eine Schraube. Zum Glück bekommen wir die neuen Teile. Johan baut alles ein, was es seiner Meinung nach braucht. Drei Teile bekommt er beim alten Vergaser nicht los und lässt sie einfach drin. „Da wird nix passieren“, meint er. Doch der Wagen startet noch immer nicht. Puh. Wir haben echt die Schnauze voll. Wir lassen unsere Kiste einfach vor dem Hotel stehen. Wir gehen mit Uber zu unseren Freunden zurück nach Kapstadt. Uns wird schon etwas einfallen.

Heute hatten wir gut Zeit um das Geschehen rund ums Hotel zu beobachten. Das Hotel ist ganz ok. Doch die Bar offenbart eine schreckliche Fratze von weissen, rumhängenden Buren. Sorry, aber das darf gesagt sein. Das Benehmen, das manche weisse Farmer an den Tag legen ist einfach schlimm. Die kommen mit ihren Pick Ups, bleiben unter dem Auto im Schatten sitzen. Die schwarze Barfrau wird gerufen um drei Bier zu bringen. Die werden getrunken, flapsige Sprüche gemacht und dann geht’s weiter zur Arbeit. Habe ich erwähnt, dass die Biere 1 Liter Flaschen sind? Und die anderen Gäste hängen am helllichten Tag in der Bar ab. Vom Mechaniker, Landwirt bis zum Vorsorgeberater wie er uns stolz mitteilt. Mit einer eigenen Firma. Auch der Idiot vom Abschlepp Service hat den ganzen Tag Riesendurst und hängt sich dreimal an die Bar. Von Stunde zu Stunde wird es schlimmer. Bis die Bar Helden jede fünf Minuten rauskommen, über die Karre diskutieren, den Johan anfeuern und wieder in der Bar verschwinden. Es ist kein schöner Ort hier.

 

Das ganz normale Leben
Für die nächsten drei Tage „vergessen“ wir das Fahrzeug. Wir geniessen das Leben in Observatory Quartier, machen Ausflüge in die Stadt, besuchen dreimal den DJI Laden, weil Oli am liebsten eine kleine Drohne hätte. Sozusagen als Weihnachtsgeschenk von ihm an ihn. Doch er kann sich nicht entscheiden, ob die dann wirklich Platz hat im Habash. Das tägliche Abendessen wird zur Kür. Zu viert zaubern wir herrliche Menues. Wie schnell man sich doch wieder an das ganz „normale“ Leben gewöhnt. Das tut ehrlich gesagt ganz gut. Mittlerweile sind wir schon seit 4 Wochen bei Esther und Phillip. Sie sind so herzliche Gastgeber, dass wir langsam das Gefühl haben, unanständig lange hier zu sein. Doch dem scheint nicht so. Sie freuen sich einfach, wenn wir hier sind. Danke!

Wir haben genügend Abstand zu den Geschehnissen, damit wir uns mit klarem Kopf darum kümmern können. Wir mieten uns ein Fahrzeug für eine Woche, denn sonsten sind wir nicht mobil.

Das Verrückte: Duncan, unser Freund, den wir noch nie gesehen haben, aber mit dem wir seit Wochen im Kontakt wegen der Verschiffung standen, hat sein Camp „African Overlander“ genau zwischen unserem temporären Wohnort und unserem gestrandeten Landcruiser. Zeit ihn zu besuchen. Er und seine Frau Eli freuen sich, uns endlich kennenzulernen. Er bietet uns sofort Hilfe an. Mit einem Arbeiter gehe ich das Fahrzeug abschleppen. Bis auf eine gebrochene Stossstange geht das gut. Die kann man wieder zusammenschweissen. Dany, sein Mechaniker verspricht unserem Fahrzeug Heilung innert drei Tage. Tatsächlich, danach schnurrt er wieder wie ein Tiger. „Also, es war nicht der Vergaser. Den habe ich komplett zerlegt, gereinigt und ALLE Teile wieder eingebaut. Hat aber immer noch nicht funktioniert. Dann habe ich die Elektrik genauer unter die Lupe genommen. Bei den Zündkerzen werden orange schimmernde Funken erzeugt. Die sollten aber bläulich-weiss sein. Dies bedeutet, den Coile und vor allem die Pointer und die Spule im Zündverteiler wechseln und die Zündkerzen komplett trocknen. Nun ist alles i.O“. Wir sind sichtlich erleichtert und gehen nach Observatory zurück. Die nächsten fünf Tage läuft er wie niemals etwas gewesen wäre. Wir planen unsere Tour zurück nach Namibia. Cederberge, Tankwa, an die Westküste hoch bis Alexander Bay und dann nach Namibia. Wir möchten die erst seit kurzem geöffnete ehemalige Diamantenstadt „Oranjemund“ sehen.

 

Nicht schon wieder…
Wir haben Duncan versprochen, für ein paar Tage zu ihnen auf das Overlander Camp zu kommen, bevor wir wieder losziehen. Das Camp ist gut besucht, es ist die beste Adresse um sich in Kapstadt mit anderen Langzeit Reisenden zu treffen, seine nächsten Touren vorzubereiten oder sein Fahrzeug auf Vordermann zu bringen. Die Umstellung auf das Campingleben geht schnell. Wir kochen wieder mit Feuer statt mit Glaskeramik. Und zur Feier des Tages wagen wir uns an den Ochsenschwanz Potjie. Fast alle Südafrikaner die wir im Busch bisher getroffen haben, haben uns davon vorgeschwärmt. Wir kaufen im Spar 800g geschnittenen Ochsenschwanz, dazu verwenden wir 6 DL Brandy, Karotten, Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, Kürbisstücke. Ab in den Gusseisentopf und 5 Stunden kochen lassen. Ein absoluter Gaumenschmaus. Auch Martin, der uns mit seinem Moto besucht, ist voller Lob. „Das Beste, was ich seit langem gegessen habe“, schwärmt er uns vor. Für alle Fleischliebhaber, die mit einem Potjie unterwegs sind und sich noch nicht an den Ochsenschwanz getraut haben. Versucht es – ihr werdet es lieben!

Die Gespräche mit den anderen Reisenden sind voller spannender Erlebnisse und Geschichten. Die Hälfte der Anwesenden befinden sich am Start einer langen Reise. Sie gewöhnen sich hier an das Camping Leben. Andere verbringen ihre letzten Tage hier, bevor ihr Fahrzeug wieder nach Europa geht. Und dann sind dann noch zwei Verrückt-Reisende aus Deutschland. Unsere Nachbarn. Sie und ihr Fahrzeug macht den Eindruck, schon viel Strassen und Pisten gesehen zu haben. Unsere erste Kommunikation ging etwa so: Ich: „Guten Morgen, ihr Beiden. Habt ihr gut geschlafen?“ Er: „Geht so, nachdem gestern ab zehn Uhr jemand angefangen hat, Bäume zu fällen, nicht so. Dann kamen die Wassersprinkler und früh am Morgen die ersten Fahrzeuge. Nein.“ Peinlich berührt zeige ich sofort auf Corinne, die gerade Kaffee und ganz unschuldig lächelnd unseren Nachbarn winkt. „Ich bin überzeugt, das war sie. Sie ist ein Schnarchbär.“ Doch mein Nachbar lacht nur und meint herzlich: „Ich glaube es war ein Männchen.“ Oha. Ich schleiche mich betreten fort.

Die Beiden haben dies ja nur spasshalber gemeint. Und ich dann auch endlich nach einer Stunde verstanden. Später sitzen wir über eine Karte gebeugt zusammen. Norbert und Sonja haben schon fast die ganze Welt bereist. In Deutschland sind sie unter den Overlandern bekannt wie bunte Hunde. Sie veranstalten jährlich ein Weltreise Treffen und haben sich viele Jahre im Globetrotter Verein um die verschiedensten Anliegen gekümmert. Für uns natürlich toll, wir hören Geschichten und Eindrücke aus Ländern, die wir bis heute nicht bereist haben.

Corinne fährt Einkaufen. Für mich ist es an der Zeit, an meinen Abenteuer Geschichten zu schreiben. Hochkonzentriert sitze ich vor meinem Computer und versuche Erlebnisse in Buchstaben und Sätze zu bringen. Plötzlich spurtet Dany der Mechaniker an mir vorbei, schnappt sich den Landrover und weg ist er. Dann kommt Duncan angerannt. Das macht er sonst nie, er hat ein eher gemütlicheres Wesen. Auch er hüpft in den orangen Landrover, lässt den Motor sofort starten und wirbelt beim Wegfahren mächtig Staub auf. Was ist denn hier los, denke ich und versinke wieder in meine Geschichten. Eine halbe Stunde später, taucht Duncan wieder auf, mit unserem Landcruiser am Abschleppseil. Oh nein. Nicht schon wieder.

Duncan winkt mich zu ihm. Er lächelt. Alles gut gegangen. Corinne schildert ihr Erlebnis so: „Als ich weggefahren bin, war alles super. Dann bin ich beim Lichtsignal am Rande des Kraaifontein Township stehengeblieben. Natürlich haben da schon ein paar Jungs genauer hingeschaut. Muskulöse Typen in ihren weissen Träger Shirts. Eine blonde Frau, allein in einem Landcruiser, bleibt vor ihrer Haustüre stehen. Ich dachte ich hätte kein Benzin mehr. Und habe unseren 10L Reservekanister in den Tank geschüttet. Doch es ging noch immer nichts. Da haben rund um mich Autos gehalten. Weisse Südafrikaner sind gekommen und nach dem Problem gefragt. Und mir empfohlen, von hier wegzukommen. Es sei das drittberüchtigste Township Südafrikas. Das habe ich nicht so gefährlich wahrgenommen. In jedem Fall haben sie den Wagen angestossen und er ist angesprungen. So bin ich bis zum nächsten Lichtsignal gekommen. Dann wieder das Gleiche. Und da ich mein Telefon nicht bei mir hatte, hat mir ein schwarzer Passant seines gegeben. Und dann ist Duncan und Dany hierher gehetzt. Aber alles ist gut gegangen. Ausser das die Karre wieder streikt. Duncan lächelt und meint, dass wir nun ja zurück sind. Es sei am Tag nicht ein hohes Risiko, dass da etwas passiert, doch man weiss halt eben nie.

 

Stefan hilft uns aus der Patsche
Mal kurz zusammengefasst: Ein geborstener Reifen, eine kaputte Benzinpumpe, Öl leckendes Getriebe, Federbruch, kaputte Vergaserdichtung, gebrochene Stossstange, kaputter Zündverteiler und was ist das nächste Problem? Es stellt sich heraus, dass sich das Problem mit der Elektrik wiederholt. Doch wohl scheint die nur ein Symptom zu sein. Einmal mehr rufen wir Stefan an. Bestimmt nerven wir ihn. Doch was sollen wir machen? Auf die Frage, ob wir es wieder reparieren sollen oder er eine andere Idee hat, meint er nur: „Das ist schon sehr merkwürdig. Das Auto ist zwar alt, war aber in einem guten Zustand. Naja, das kann schon mal passieren. Ich schicke euch einen Fahrer mit einem neuen Wagen runter. Keine Widerrede. Ich habe keine Zeit für Diskussionen.“ Er scheint tatsächlich genervt zu sein. Nach 23 Stunden steht am nächsten Morgen der Fahrer da. Windhoek – Kapstadt in 23 Stunden mit 6 Stunden Schlaf. Das schaffen nur Afrikaner. Wir sind ganz erstaunt, haben wir doch einen Anhänger erwartet. Peter, der Fahrer meint, dass er die Aufgabe bekommen hat, den anderen zurückzubringen. Aha. „Das wollten wir Stefan ja mitteilen. Dass der Wagen nicht mehr läuft und zuerst repariert werden muss.“ „Was meinst du damit? Er läuft nicht? Das ist nicht gut. Ich muss morgen mittags wieder in Windhoek sein.“ „Genau das meine ich.“

Dany macht sich sofort an die Arbeit. Und Peter rauscht nach einem Kaffee und zwei Stunden Wartezeit wieder los. Es sei ihm aber nicht ganz wohl dabei. Wir wünschen ihm Gute und hoffen, dass er Windhoek in den nächsten zwei Wochen erreicht. Nun haben wir einen neuen Toyota Hilux mit Dachzelt und kompletter Ausrüstung für die nächsten drei Wochen zur Verfügung. Mit Klimaanlage. Wir können endlich noch ein paar Tage im Westkap rumreisen. Danke Stefan.

Ohne Dany und Duncan von African Overlanders hätten wir unsere Autoprobleme nie lösen können.
Baie Dankie mi vriende!